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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-02-15 · 4 (15.2.1935) · p. Seite 78

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
4 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
Seite 78 (sequence 10)
Language
German
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78 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 ■ ■ Am Stachus S | ■ If2a Neuhauserstr. / Weinstr. —— f0 Dachauerstr. / Reichenba Fachgeschäft für Wäsche und Strümpfe Niemand bietet mehr! Arthur Czellitzer, Mein Stammbaum. Berlin- (Philo-Verlag) 1934. 32 Seiten. Preis 1.30 RM. Vor wenigen Wochen hat die „Gesellschaft für jüdische Familienforschung" (Sitz Berlin) ihr zehnjähriges Bestehen begangen. Ihr Gründer und erster Vorsitzender Dr. med. Arthur Czellitzer hat schon seit Jahzehnten in der allgemeinen Gene-, alogie besonderen Ruf; von ihm stammen die Begriffe. „Ahnenbezifferung" und vor allem „Sippentafel", die von der allgemeinen wissenschaftlichen Terminologie aufgenommen wurden. Das deutsche Judentum muß diesem Gelehrten Dank dafür wissen, daß er seit langer Zeit sich um' eine gründliche und methodische Familienforschung in unserer Gemeinschaft bemüht; jedes Heft der von ihm herausgegebenen und vorzüglich geleiteten Zeitschrift der Gesellschaft enthält wertvolles wissenschaftliches Material. Auch dem stetig wachsenden Archiv der Gesellschaft kommt besondere Bedeutung zu. In unserer Zeit ist das Interesse für jüdische Familienforschung im Wachsen. So erfreulich 'diese Entwicklung für jeden ist, der sich schon seit längerer Zeit mit dieser Wissenschaft beschäftigt, so ernst ist auch die Gefahr, daß. man diese Dinge zu leicht nimmt und sich mit einer oberflächlichen Datensammlung begnügt. Der „Philo-Verlag" zu Berlin hat sich deshalb mit der vorliegenden Schrift ein Verdienst erworben. Der Gelehrte ist den Bedürfnissen der Stunde entgegengekommen und hat sich mit einer kurzen Darstellung begnügt. Die Einführung und Anweisung, die uns hier gegeben wird, ist umfassend und auch methodisch folgerichtig aufgebaut. Mit einer Erläuterung und Scheidung der grundlegenden Begriffe wie Stammtafel, Ahnentafel o. ä., sowie einer Aufführung der verschiedenen Quellen, insbesondere unserer jüdischen Familienkunde, beginnt die Darstellung. Anschließend beschäftigt sich die Schrift mit der Auswertung der Ergebnisse und mit den Aufgaben jüdischer Erbkunde. Czellitzers Buch füllt eine Lücke; denn die vielen allgemeinen Darstellungen, die jetzt erscheinen, können den besonderen Schwierigkeiten, die für den jüdischen Genealogen bestehen, nicht gerecht werden. H. L. Eine Maimonides-Biographie. Eine Biographie des Maimonides aus der Feder von Dr. Abraham Heschel erscheint im Laufe des Februar im Erich Reiss Verlag, Berlin W 15. Diese Veröffentlichung bildet den 1. Band einer populären Bücherreihe, die der Erich Reiss Verlag unter dem Titel „Judentum in Geschichte und Gegenwart" herausgibt. Der Verlag beabsichtigt, im Rahmen dieser Sammlung 6—8 Werke im Jahr zu bringen. Außer der Maimonides-Biographie sind für das erste Jahr noch zwei Darstellungen anderer, für das Judentum entscheidender Geister vorgesehen: „Philo von Alexandria" (Lebensbild von Dr. Edmund Stein und Anthologie), „Raschi" (Prof. Elbogen) und eine Schrift über die „Propheten" (Dr. Heschel). Ferner eine „Wirtschaftsgeschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfängen bis zur Gegenwart" (Dr. Kaplun-Kogan), und ein Buch „Die Juden in der Welt" (Dr. Mark Wischnitzer), das Hugo Helbing Kunsthandlung München, Wagmüllerstrafje 15 Antiquitäten Alte und neuere Gemälde Teppiche, Gobelins, Möbel Bücher, Graphik nkauf Kunstauktionen Ver au zum erstenmal eine.n Überblick über den gegenwärtigen Stand des Judentums aller Länder bringt. Endlich sind im Rahmen der Sammlung drei Anthologien geplant: „Jüdisches Arzttum", „Jüdische Briefe" und „Jüdische Gedichte". Die Bücher der Sammlung werden etwa 200 Seiten Umfang haben und kartoniert 2.80 RM. kosten. Es wird auch eine in Leinen gebundene Ausgabe erscheinen. Fedor Stepun, Das Antlitz Rußlands und das Gesicht der Revolution. Bern-Leipzig 1934, Gotthelf-Verlag. 104 Seiten. Gebunden RM. 4.—. Nur eine tief religiöse, religiös begründete Ablehnung des Bolschewismus kann nach Ansicht des Verfassers allem, was in Rußland vor sich geht, ohne es zu rechtfertigen, wirklich gerecht werden. Stepun hält den Bolschewismus, von dem er eine genau unterrichtende und erschütternde „synthetische Gesamtschau" geben will, für eine historisch wohl zu begreifende Fehlleitung der religiösen Energie des russischen Volkes, eine Pseudomorphose russischer Gläubigkeit. Aus einer Analyse der russischen Landschaft, des Bauerntums, der Intelligenz und der Monarchie werden die besonderen Voraussetzungen gezeigt, die zu der Entwicklung in Rußland seit 1918 geführt haben. Dabei wird wieder einmal ganz klar, daß „die marxistische Lehre, welche der russischen Revolution ihr letztes Gepräge gegeben... hat, sich weniger als jede andere eignet, das zu erklären, was sie selber vollbracht" (S. 7). Sehr eindrucksvoll wird die Einstellung des „intelligenzlerischen Ordens", der mangels einer irgend wesentlichen echt proletarischen Grundlage „die aktivste Kraft der russischen Revolution" war, und insbesondere die Leistung Lenins als „in der Spannung von theoretischer Barbarei und revolutionärer Gläubigkeit gebunden" (S. 49) dargestellt. Ungewöhnlich fesselnd ist schließlich die nur angedeutete, aber äußerst lebensnahe Typenlehre der „subjektiven Revolutionäre". Von ganz besonderer Bedeutung ist in dem Buch dieses höchst objektiven, christlichen Beurteilers die authentische Darstellung des Anteils der Juden am Bolschewismus (im Anhang Nr. 28) und der schlüssige Nachweis über die Grundlosigkeit der russischen neuzeitlichen Vorwürfe gegen die Juden (S. 103 f.). F. Der Retter von Chula. Jüdische Jugendgeschichten aus dem neuen Palästina von E. Smolly. Mit neun ganzseitigem Bildern von Heinz Wallenberg, Preis in Halbleinen RM. 2.85. (Erich Reiß Verlag, Berlin W 15.) Das ist das Schöne an den Geschichten dieses Jugendbuches, das einen der angesehensten Jugendschriftsteller Palästinas zum Verfasser hat: Daß jede einem Appetit auf die nächste macht. Daß der jüngste Leser davon mitgerissen wird, und daß der Erwachsene nicht weniger das Seine dabei findet. Daß aus diesem Buch die freieste und frischeste Luft weht. Der „Retter von Chua" ist ein junger Held, ein jüdischer, ein palästinensischer, aber zugleich der jüngste Bruder aller namenlosen und berühmten Helden, ob sie nun durch die Prärie oder die Tundra, die Steppe oder .die Wüste reiten; der Retter von Chula reitet nachts während eines jener unheimlichen palästinensischen Regen zur Stadt um Hilfe, da die Kolonie überfallen wird, er reitet und rettet, und wie er es tut, das ist spannend, wie nur ein Ritt ums Leben sein kann. , Der „Retter von Chula" ist eine von den neun Geschichten des Buches, die jede ein anderes Milieu, andere Charaktere und eine andere Art von Erlebnis schildern und die doch alle eines gemeinsam haben: die Spannungskraft. die Romantik, die einfache klare Linie des Geschehens, ob es sich nun um die tollkühne Geschichte eines Pferdes oder die zartrührende eines kleinen Schafhirten handelt, um den Trick, wie man mit Skorpionen umzugehen hat, oder um die zwei Jungen; die der Sturm im selbstgemachten Boot auf hoher See überrascht, um die Unterkunft unserer ausgewanderten Bachstelzen im Lande der Väter, um die Liebenswürdigkeit des großen Dichters Bialik mit den Kindern von Tel-Awiw odre um das Melonenfeld in der Wüste, das der riesige Araber bewacht. ' Dieses und einiges mehr also steht im „Retter von Chula", dem neuen, mit reizenden Bildern von Heinz Wallenberg geschmückten, jüdischen Jugendbuch, das jedem etwas zu bieten hat, Knaben und Mädchen, Jüngeren und Älteren und selbst Erwachsenen.

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