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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-02-01 · 3 (1.2.1935) · p. Seite 50

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
3 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 50 KOSTÜME . KLEIDER. MÄNTEL.. PELZE dem wirkte er mehr magisch als jüdisch." Es folgen Zusammenbruch, Verhaftung, Gefängnis! Nicht origineller ist Herr Füll, Inhaber des Berliner Bankhauses Faber, Füll u. Co., der wegen Wertpapier-Schmuggels nach Holland gefaßt wird und Selbstmord verübt. Auch Isaak Pirol aus Krakau, der Manager des Berliner Boxer-Champions, ist nur Marionette, „lustige Person": „Was nützt mich der schönste Kachelofen, wenn ich mir nichts kann zum Acheln kpofen", ist ein Spruch von ihm. In dem furchtbaren Revölutionspanorama von Odessa, das der Verfasser gibt, geistert, im finsteren Sträflingsschlafsaal eingepfercht, „ein Greis mit stark gekrümmter Nase", schmatzend „Bärches" essend, „das gesäuerte, kuchenartige, beim Beginn der Feiertage gesegnete .Gebäck der Juden". — Außer Dr. Jonas, der aber auch fast nur wie eine politische Broschüre räsoniert, sind gerade die jüdischen Gestalten — Friwatt, Füll, der Greis von Odessa — nur ziemlich papierene Romanfigurea So enttäuscht der starke Einschlag jüdischer Mitspieler, während es dem Roman als Ganzem nicht an Unmittelbarkeit und Frische, an Humor und an einer tiefen menschlichen Note fehlt, wenn auch vieles Rohstoff ohne künstlerische Gestaltung bleibt. Mißlungen sind auf jeden Fall jene zeitgemäßen jüdischen politischen, nur immerfort redenden Puppen, die manchmal von so lebenswahren und sprühenden Andersgläubigen umstellt sind. L. F. H. Totenbeschwörung. Stefan Zweig, Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam. Wien, H. Reichner Verlag, 1935. Stefan Zweig weiß um die Kunst der Beschwörung, von der uns Homer erzählt: den Seelen der Toten gibt er Blut zu trinken — und sie erwachen und leben. Selten erschien diese Aufgabe, von deren lebendiger Erfüllung durch Zweig wir nun schon so manöhes schöne Denkmal besitzen, von vornherein so schwer und bedenklich wie hier, da es sich um Erasmus von Rotterdam handelt. Seine gelehrten Werke, obschon sie einst sein Jahrhundert in den Himmel hob, sind heute so völlig vergessen, als hätte er nie gelebt — und sein Blut floß schon, als er lebte, so dünn und kränklich durch die Adern, als hätte es kaum etwas mit dem vollen, trotzenden Leben gemeinsam. Dennoch gelingt es Stefan Zweig, den Mann vor uns hinzustellen — wenn er auch immer noch fröstelt und sich nicht von seinen Pelzen trennt, wie ihn einst Hans Holbein abbildete. Denn Zweig bringt gerade zu dieser fast aussichtslosen Aufgabe einen besonderen Vorzug mit: er mag in der eigenen Brust manche Saite klingen hören, die diesen zarten und doch gewaltigen Tönen widerhallend antwortet. Erasmus ist ihm der große Versöhner, der Mann, der Plato ebenso lieben konnte wie Christus, weil ihm „jede Wahrheit christlich erschien", — dabei aber auch der erste bewußte Europäer, der unbeugsame Feind des Fanatismus, ob er sich nun bei Feind oder Freund ihm zeigte. Und daß Erasmus bei all seinem Glanz als ein Besiegter starb — das läßt ihn uns und Stefan Zweig fast wie einen Bruder erscheinen. Auf dem Hintergrunde einer Zeit, die ihre Glaubenskämpfe noch mit Folter und Schwert auszutragen gewohnt war, erhebt sich dies Bild eines Friedensfreundes in einsamer Größe — wenn ihm auch bestimmt ist, im Schatten zu bleiben. Der unbekannte junge Geistliche, dem das Schicksal scheinbar zuerst alles versagt hat — nicht einmal den ehrlichen Vatersnamen hat es dem unehelichen Kinde des Priesters vergönnt —, gelangt durch seine glänzende Begabung, freilich auch durch manchen Bettelbrief und Winkelzug, verhältnismäßig rasch zu jener unvergleichlichen Stellung, die ihm sein beifallsfreudiges und. gelehrtes Jahrhundert bereitwillig einräumt: als den Fürsten der Wissenschaft, als den Doctor universalis, ja als das „Licht der Welt" preist man ihn. Das aber gilt nicht nur seinen großen literarischen Werken, deren Gelehrsamkeit sie von vornherein ja nur einem kleinen Kreise zugänglich macht, sondern vor allem der Botschaft, die sie künden. Noch einmal scheint es den Menschen, als könne durch Erasmus ein geeintes Europa, ein gereinigter Glaube erstehen. Das ist ja der Sinn seiner großen Ubersetzung der Bibel ins Lateinische, die Weltsprache des gebildeten Abendlandes, die zugleich die Fehler und Entstellungen der Vulgata berichtigt und erklärt. Aber Erasmus ist der Mann der Studierstube, nicht der Mann der Tat. Andere werden ernten, was er gesät hat. Und so schwindet sein Ruhm allmählich ins Wesenlose dahin, da er die Schicksalsstunden der Weltgeschichte wohl erkennt, aber mit vollem Bewußtsein nicht beeinflussen will. „Nulli concedo" ist sein Wahlspruch; er ist der Einzige, der damals trotz aller Verlockungen auf beiden Seiten sich keiner Partei anschließt. Das bedeutet Kühnheit des Gedankens; aber gepaart ist diese JCühnheit mit schwächlichem Zurückweichen vor der Entscheidung durch die Tat. Gewiß kommt zu dieser rein vernunftmäßigen inneren Stellungnahme nun noch einiges persönlich stark Anfechtbare. Unvergeßlich bleibt in dem Zweitschen Buche die Szene, das der alte Freund und Bewunderer des Erasmus, der „Ritter mit dem Tod und Teufel", Ulrich von Hutten, von Krankheit und Lebensnot geschüttelt an die Tür des Mannes pocht, der ihn einst in begeisterten Versen als den „neuen Lukian" feierte. Umsonst — die Fensterläden bleiben dicht verschlossen; ein kühl verlegener Brief vermeldet dem kranken Hutten, daß ihn Erasmus „wegen seiner Koliken und seines Steinleidens" nicht bei sich aufnehmen könne. Hutten ließ damals das ihm vertraute Latein fahren und „schrie auf deutsch" zu seinem Volke. Es ist die historische Schuld des Erasmus wie des Humanismus überhaupt, daß diese gelehrten Männer den Weg zum Volke, zu der Mutter in der Küche und dem Manne in der Werkstatt nicht fanden. Dazu aber kommt die in Erasmus größter Tugend, „dem Erasmischen", begründete Schwäche, daß dieser vorsichtige Mann, die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatte: noch da glaubt er vermitteln zu können, als das Losungswort der Zeit Entscheidung heißt. Wir wollen es dem großen Zauderer dennoch nicht vergessen, wie furchtlos und wahrheitstreu sein Denken allezeit geblieben ist. Im Gegensatz zu seiner Zeit hat sich Erasmus immer gegen den Judenhaß ausgesprochen. Gewiß, der geniale Spötter hat in seinem „Lob der Narrheit" auch einzelne Sprüche aus der Bibel nicht verschont; aber als er. gegen den Inventurverkauf in Herren- und Damenstoffen vom 28. Jan. bis 9. Febr. Unsere hervorragenden, wirklich preiswerten Qualitäten von erlesenem Geschmack sind seit Jahren wohlbekannt; warum also viele Worte machen? Greifen Sie wieder zu und nutzen Sie für sich vor allem auch die besonderen Preisvorteile bei den im Läufe des Jahres angefallenen Restposten. 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