Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-01-15 · 2 (15.1.1935) · p. Seite 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
2 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
Seite 25 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2728025-2728027--09886-2743175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 25 getan, wenn Roedl schildert, wie Claudius' Freunde (Herder, Klopstock, Gerstenberg, Gleim. Jacobi, Hölty usw.) Subskribenten für seine Werke besorgen, oder wie Claudius sich nach dem Verfasser des „Götz von Berlichingen" erkundigt, von dem er nur weiß, -daß er ein Frankfurter Advokat sei. Wir gewinnen ein Bild des Literaturbetriebs, wenn wir hören, daß der Magus des Nordens als Packhofverwalter sein Brot verdiente, und endlich wird uns greifbar, was Ruhm ist, wenn wir hören, wie sich die Leser bei Claudius erkundigen, was „Freund Hein" bedeute, und wie Freund Hein eine mytische Figur geworden ist. so volkstümlich, daß die Wenigsten noch an ihren Schöpfer denken. Lutz Weltmann. Aus der Gemeinde München Hauptaynagoge München, Herzog - Max - Strasse Sonntag, den 3. Februar 1935, 17V2 Uhr RELIGIÖSE FEIERSTUNDE Rabbiner Dr. Baerwald Unser Gottesdienst und unser Gebetbuch Musikalische Umrahmung durch Kapellmeister ERICH ER CK und M. URWAND (Baß) Eintritt gegen Lösung eines Programms zu 20 Rpf. einschließlich Steuer; erhältlich in der Gemeindekanzlei und an den Abendkassen. Vortrag von Frau Professor Cora Berliner am Donnerstag, den 17. Januar Nach langer Pause hat die Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes wieder einen auswärtigen Gast geladen, um vor der jüdischen Öffentlichkeit über eine lebenswichtige Frage zu sprechen. Der Vortrag von Frau Prof. Berliner am Donnerstag, den 27. Januar, 20.15 Uhr im großen Museumssaal (Karten ä 60 Pfennig in der Ewer-Buchhandlung oder an der Abendkasse, Kategoriekarten 30 Pfg.) behandelt (auf mehrfachem Wunsch, in Abänderung des ursprünglichen Themas) „Das Generationenproblem" Der jüdische Frauenbund erwartet zu dieser ersten größeren Veranstaltung nach langer Zeit den vollzähligen Besuch seiner Mitgüeder sowie zahlreiche Gäste aus dem Kreis der Gemeinde-Angehörigen (Damen und Herren). Frau Professor Cora Berliner, seit einem Jahr zweite Vorsitzende im Gesamtvorstand des Jüdischen Frauenbundes ist eine bekannte Persönlichkeit der jüdischen Frauenwelt. Ihre Laufbahn im preußischen Staatsdienst und ihre Berufung als Dozentin des berufspädagogischen Instituts Berlin legen dafür Zeugnis ab. Seit fast zwei Jahren arbeitet Frau Prof. Berliner in der Reichsvertretung der deutschen Juden als Referentin für Wirtschaftsfragen. Zionistische Ortsgruppe München. Neben den an anderer Stelle des Blattes erwähnten öffentlichen Veranstaltungen werden auch die regelmäßigen Zusammenkünfte der Ortsgruppe aufgenommen. Der Oneg- Schabbath der zionistischen Jugend hat bisher dreimal stattgefunden. Bei der ersten Veranstaltung dieser Art gab Manfred Sturmann ein Bild des Dichters Hugo Zuckermann und veranschaulichte an ihm den Typ des Vorkriegs-Zionisten, bei der zweiten ließ Dr. Richard Eisen aus Tagebüchern, Briefen und Aufsätzen von Zeitgenossen die Gestalt des Baron Rothschild in ihrer eigenartigen Problematik erstehen. Beim dritten Oneg- Schabath sprach Rabbiner Dr.Elk. Die Form dieser Feiern, zu der noch gemeinsamer hebräischer Gesang, die. Erklärung des Wochenabschnittes und ein geselliger zweiter Teil gehören, fand bei den sehr zahlreichen, auch älteren, Teilnehmern starken Anklang. — Die Arbeitsgemeinschaft des Jungzionistischen Arbeitskreises über das Gesamtgebiet des Zionismus findet jeden Dienstag abend halb 9 Uhr im Jugendheim, Herzog Rudolf-Straße 1, statt. Warnung! Die Zionistische Ortsgruppe München macht darauf aufmerksam, daß zur Entgegennahme von Zahlungen irgendwelcher Art für die Ortsgruppe oder andere zionistische Stellen nur solche Personen berechtigt sind, die einen persönlichen, vom Büro der ZOG ausgestellten Ausweis vorweisen können. Ausweis und Quittung wolle man in allen Fällen verlangen. In Zweifelsfällen wird ersucht, Namen und Adresse des Betreffenden festzustellen und unverzüglich dem Büro, Prielmayerstr. 20/11, Telephon 53 0 52, Mitteilung zu machen. Rabbiner Dr. Elk in der Zionistischen Ortsgruppe München. Zum ersten Male nach zweijähriger Pause trat die Münchener Zionistische Ortsgruppe vor die jüdische Öffentlichkeit. Der ehemals in München, jetzt in Stettin amtierende Rabbiner Dr. Elk eröffnete die zionistische Arbeit am 5. Januar mit einer Rede „Zionismus als Gesinnung". Nachdem Manfred Sturmann namens der Vorstandschaft die äußerst zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste und den Referenten des Abends begrüßt hatte, ergriff Rabbiner Dr. Elk das Wort und führte mit großem rethorischen Schwung aus, daß Zionismus mehr bedeute als Kolonisation Palästinas, daß Zionismus in erster Linie das mutige Bekenntnis zu eigener Art und eigenem Schicksal ist, daß Zionist sein heißt, sich als unlösbaren Teil des ganzen jüdischen Volkes empfinden und sein Leben ganz in den Dienst der großen Erneuerung stellen, die mit dem Siegeszuge des Zionismus nun angebrochen sei. Zionismus, betonte Dr. Elk, ist keine Parteisaohe mehr, sondern das neue, wiederum schöpferisch gewordene totale Judentum selbst. Mit dem geflügelten Herzlwort „Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen..." schloß der Redner seinen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag, an den sich das Absingen der Tikwah schloß. Am Nachmittage sprach Dr. Elk im Kreise der zionistischen Jugend über religiöse Probleme im palästinensischen Jischuw Ben-Ohorin. Marionettenspiel des Münchener Künstlers Alfons Rosenberg im Frankfurter Kulturbund. Das Marionettenspiel vom Prager Golem, dessen Text und Figuren der Münchener Künstler Alfons Rosenberg geschaffen hat, ist einem Münchener kleineren Kreis anläßlich des Schulungskurses im November 1934 vorgeführt worden. Der Kulturbund Rhein-Main veranstaltete im Rahmen der Chanukka-Kunstschau in Frankfurt a. M. einen Tee-Nachmittag, dessen gesellschaftlicher Rahmen um das Spiel Rosenbergs geordnet war. Wir entnehmen darüber dem Frankfurter Gemeindeblatt: Die Aufführung des Marionettentheaters von Alfons Rosenberg (München), einer Sonderveranstaltung des Kulturbundes innerhalb der Chanukka-Kunstschau, zeigte in fünf Bildern Irrtum und Schuld des Hohen Rabbi Low, das verzweifelte Suchen des unseligen Golems nach Gott und Heimat, den Durchbruch seine Dämonie. Die alte Sage als Legendenspiel wirkte darum so erschütternd und lebensnah, weil die Marionetten als handelnde und leidende Individuen und nicht als Typen ihren geheimnisvollen Geist verlebendigten. Von tiefer Einfühlung und feinem künstlerischem Stilempfinden sprachen die charakteristischen holzgeschnitzten Puppen, vor allem Rabbi und Golem, die Dekorationen des Studierzimmers, das die Faustparallele nur noch sinnfälliger machte, der Erweckungsprozeß des Golems mit Hilfe der Naturgeister am Ufer der Moldau und der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.