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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-01-01 · 1 (1.1.1935) · p. Seite 7

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
1 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 7 meindevorsitzende beschäftigte sich mit der Finanzentwicklung innerhalb der Münchener Kultusgemeinde, um anschließend noch auf die Verhältnisse des Landesverbandes und die Stellung zur Reichsvertretung, zu deren Führung er ein uneingeschränktes Bekenntnis ablegte, zu sprechen zu kommen. Eingehend schildert Dr. Neumeyer die Lage unseres Wohlfahrtswesens und dankte hierbei insbesondere Justizrat Dr. Wilhelm Levinger für seine selbstlose und hingebende Hilfe. Weiterhin berichtete der Vorsitzende über die Entwicklung der Münchener Volksschule, über den allgemein außerordentlich beifällig aufgenommenen erstenBayerischen Jugendführer-Schulungskurs und die Tätigkeit des „Jüdischen Kulturbundes in Bayern", dessen Vorsitz nunmehr Rechtsanwalt Dr. Perlmutter (München) übernommen hat. Mit einem Bekenntnis zu unserer doppelten Aufgabe des Aufbaues hier und im Heiligen Land schloß der Gemeindevorsitzende seine Darlegungen, die einen Einblick in die Lage der Gemeinde gaben und für die ihm die Versammlung aufs Herzüchste dankte. Der zweite Vorsitzende des Gemeindevorstandes Justizrat Dr. Carl O estreich legte der Versammlung einen ausführlichen Finanzbericht vor, in dem, wie auch in der anschließenden Aussprache, darauf hingewiesen wurde, daß die Gemeinde in hohem Maße auf die Ergänzungsleistungen zu den herabgesetzten Steuern angewiesen ist. Für jedes Gemeindemitglied erwächst hier die gebieterische Pflicht eines Opfers, um die Erhaltung der gemeindlichen Institutionen und Tätigkeit zu verbürgen. Die Gemeindevertretung und der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München, letzterer gleichzeitig auch als Steuerverbandsvertretung der Gemeinde, beschlossen hierauf anschließend die gemeindliche Kirchgeldordnung, die von allen Gemeindeangehörigen über 21 Jahren die Erhebung eines nach der Höhe des Einkommens gestaffelten Kirchgeldes vorsieht. Ergänzungswahlen zu gemeindlichen Ausschüssen, sowie Personalien schlössen die Sitzung der Körperschaften. Rosa Werner-Nähstube Unsere sehr verehrten Damen und Freunde machen wir höflichst darauf aufmerksam, daß unsere Näh-Nachmittage wieder mit 15. Januar 1935 beginnend stattfinden. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. 70. Geburtstag. Am 8. Januar 1935 begeht-eine eigenartige literarische Persönlichkeit den 70. Geburtstag: Siegfried Lichtens t a e d t e r, geboren in Bayersdorf (Mfr.) als Sohn des Kaufmanns und Talmudforschers Wolf Lichtenstaedter, studierte Sprachwissenschaft, dann Jurisprudenz, und trat nach seinem juristischen Staatsexamen in den bayerischen Finanzdienst, und zwar in die Rechnungskammer, eine Filiale des Rechnungshofes. Mit Erreichung der Altersgrenze ist Lichtenstaedter als Oberregierungsrat in den Ruhestand getreten. Die Schriften Lichtenstaedters liegen auf dem Gebiete der Völkerpsychologie und Politik, namentlich der orientalischen Völker, für die er schon auf der Universität durch umfassende sprach- und ethnographische Studien den Grund gelegt hatte. Allgemeine Bedeutung haben: Kultur und Humanität (1897) und Natur und Kultur (1909), die sich durch Scharfsinn und realistische Auffassung auszeichnen. Daran reihen sich Schriften über die türkische Frage: „Die Zukunft der Türkei" (1898) usw. Im Weltkrieg fand sein Vorschlag des „Bevölkerungsaustausches" Beachtung (Nationalitätenprinzip und Bevölkerungsaustausch, 1917 u. a.). Die Leser dieser Zeitschrift interessieren besonders FÜR DEN SKI.SPORT Ski-Anzüge 28.- 38.- 48.- 58.- Ski- Blusen 9.- 11.- 16.50 18.- Ski-Knicker 13.- 18.- 23.- 28.- BAMBERGER & HERTZ die zuverlässigen Kleiderfachleute die zahlreichen Schriften Lichtenstaedters, die sich mit dem Judentum befassen. Lichtenstaedter beteiligte sich, an der Diskussion über „Bibel und Babel" (1903, 1922), sowie über die Schächtfrage (1927 ff.). Köstlich ist seine 1926 erschienene Satire: „Antisemitica". Ernst, allzuernst treten andere jüdische Schriften auf: „Jüdische Religion" (1921), „Praktisches Judentum" (1931), „Jüd. Politik" (1933). Dem Zionismus gegenüber rtömmt Lichtenstaedter eine kritische Stellung ein (1918, 1920). Der Verbreitung der Schriften Lichtenstaedters hat Eintrag getan der Umstand, daß sie lange Zeit pseudnonym erschienen, und zwar unter verschiedenen Pseudonymen (Mehemed Emin Effendi, Ne'man); ferner daß sie, mit Ausnahme der beiden an erster Stelle genannten, meist der Gelegenheitsliteratur angehören; endlich die Rigorosität seiner Forderungen: Mahn- und Scheltworte (1933), zumal wenn sie ausgiebig nach allen Seiten erteiltwerden, sind eben im allgemeinen nicht beliebt. Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre, schon deshalb, damit er Zeit findet, sein allzu zersplittertes Lebenswerk durch straffe Zusammenfassung derjenigen Gedanken zu krönen, die von bleibendem Wert sind. Dabei will ich nicht mit dem Bekenntnis zurückhalten, daß nach meiner Ansicht die Stärke Lichtenstaedters in der politischen Satire liegt. Schon jetzt sei Freunden dieser Literaturgattung, außer der oben erwähnten Schrift „Antisemitica", empföhlen: „Das neue Weltreich", 1902, „Moralische Erzählungen", 1914. Arthur Cohen Sterbegeldversich erung Die Fälle, in welchen die Chewra ihre Barauslagen für die Beerdigung seitens der Hinterbliebenen nicht erhalten kann, mehren sich in erschreckendem Maße. Diese Auslagen sind in München, soweit wir feststellen konnten, geringer als in den übrigen Großgemeinden und liegen niedriger, als die vom Münchener städtischen Bestattungsamte — mit Ausnahme der Armenklasse — erhobenen Beerdigungskosten. Trotzdem wirken sich die wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Gemeinde derartig ungünstig aus, daß ein Weg gefunden werden muß, die Chewra in ihrer seit 130 Jahren bewährten Leistungsfähigkeit zu erhalten. Es würde nicht genügen, daß jedes Gemeindemitglied es sich zur Pflicht mache, diesem ältesten Münchener Verein als Mitglied anzugehören, um so mehr als jeder Gemeinideangehörige die Dienste des Vereins einmal wird in Anspruch nehmen müssen. Es muß darüber hinaus auch dafür gesorgt werden, daß die mit dem letzten Liebesdienste verbundenen geldlichen Aufwendungen, welche Barauslagen der Chewra darstellen, dem Vereine wieder ersetzt werden. Wir haben zum Schutze des Vereins vor Verlusten in Erwägung gezogen, die Vornahme der Beerdigung von der vor- Zum Jahreswechsel: Kalender, Geschäftsbucher Registraturen usw. MAIERSCHE PAPIERHANDLUNG INHABER RUDOLF STERN Gegründet 1882 Karlstrasse 8, Ecke Barerstrasse - Telefon 57624

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