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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-12-15 · 24 (15.12.1934) · p. Seite 535

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
24 (15.12.1934)
Date
1934-12-15
Page
Seite 535 (sequence 19)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 535 gründe gehen. Blätter fallen ab — aber der Stamm bleibt. — Frankfurt taucht auf mit seiner Judenstadt und seinen „ewigen" Talmudschülern. Im zweiten Teil des unerschöpflich reichen Buches bildet die uralte Gemeinde Prag "den Schauplatz des Geschehens. Alles ordnet sich im Kreis um den Sohn des Itzig ben Elieser, den jungen schönen Perez, dessen wohlklingende Stimme und dessen großes Wissen den reichen Jesaia Wechsler bewogen hat, ihn trotz seiner Jugend als Chasan nach Prag berufen. Dort lebt er gefahrvollste Tage, da die alte heilige Gemeinde 1745 aus Prag vertrieben wird. — Warum? Weil der König von Preußen mit der Kaiserin von Österreich Krieg führt? Was haben die Juden damit zu schaffen? Keiner weiß es. Ein Sündenbock muß gefunden werden, eine Ablenkung für die aufgepeitschten Volksinstinkte — die Juden sind die Schwächsten, sie müssen gehen. Umsonst, daß Graf Schaffgotsche zu Graf Kolowrat sagt: „Wo steckt unser Handel mit dem Ausland? Wo bleibt die Regelung unseres Geldwesens?" — Nach Wien muß der Graf berichten, daß „nicht ohne dem größten Herzeleid und Betrübnis die Schlüssel von Synagogen, Judenschulen und Rathaus dem allergnädigst konstituierten Exekutions-Kommissario behändigt wurden". — In diesem Unglück der Gemeinschaft, geht die zarte Liebesgeschichte des jungen Perez und der schönen Hendele zu Ende. Im Schnee sterben sie zusammen, die das Leben nicht mehr vereinigen konnte. Aber um sie herum lebt und wispert eine Vielfalt von Judenköpfen, Männer und Frauen. Alle diese verbogenen und verkrümmten Gestalten einen sich in dem Aufblick zu dem einen, der allein die Rätsel des jüdischen Weges kennt. Darum darf dieser Weg ohne Ende dennoch ein Weg des Lebens genannt werden. Und das ganze Jetzt Die mollige Hausjacke von ROSENFELDER Bayerstraße 5 Seit 1878 Buch, in dem doch viel mehr von Leid als von Lust die Rede war, schließt mit einem Dank an das Leben. „Wie tief muß der Sinn des Lebens sein, daß wir seinethalben so viel tragen müssen" sagt Abraham. Gewiß, dies Buch ist nicht frei von künstlerischen Schwächen. So einhellig die Charaktere gestaltet sind, so unsicher ist manchmal ihre Sprache. Schon daß die Juden im deutschen Ghetto zu Frankfurt am Main im 18. Jahrhundert die heilige Sprache in sefardischer Aussprache reden, ist ein Stilfehler, der sich nur durch die Anpassung an heutige Lernbegierige erklärt. Daß es aber manchmal, wen« sie Deutsch reden, klingt, als hätten sie bereits die Bücher jüdischer Philosophen gelesen, das ist bedauerlich. — Und dennoch: der Schönheit des Buches tut es keinen Eintrag. — Vor kurzem hat ein anderer jüdischer Dichter aus dem Osten sein Buch mit einem Dankgebet beschlossen: „Ich danke Dir, Herr mein G'tt, daß Du mich gewürdigt hast, dieses Buch zu schreiben." — Dieses Dankgebet steht ungeschrieben auf jeder Seite dieses jüdischen Romans. Bertha Badt-Strauß. Jüdischer Tum-11. S|H>rtvcrciii Weihnachtsierien Vom Montag, dem 24. Dezember bis Mittwoch, den 2. Januar bleibt die Turnhalle für den gesamten Turn- und Sportbetrieb geschlossen. (Waldlauf und Sylvester siehe unten stehend.) Beitragszahlungen Mit dem 31. Dezember 1934 findet eine Kontrolle der Beitragszahlungen statt. Wer mit Beiträgen — auch Sonderbeiträgen der Abteilungen Schwimmen, Ski usw. — im Rückstand ist, zahle vorher. Nach dem 1. Januar werden die Rückstände mit aller Schärfe eingezogen. Chanukka-Feier Von Vorführumg zu Vorführung wachsende Begeisterung war das Kennzeichen der Chanukka-Feier vom. 2. Dezember, die wegen des starken Andrangs wiederholt werden mußte. Leuchtende Augen der Kinder, brausender Beifall der Erwachsenen, begleiteten jede Nummer. Was in künstlerischer und turnerischer Beziehung geboten wurde, bewies, daß der Turnverein trotz der kurzen Zeit seines Bestehens den Aufgaben, die er sich gestellt hat, nach jeder Richtung gerecht wird und alle Erwartungen in hohem Maße erfüllt. Mit dem von Frl. Weil mit hoher musikalischer Auffassung und sicherm Können gespielten Marsch aus Judas Makkabäus von Händel begann das reichhaltige Programm. Der von Klaus Schweizer deutlich und betont gesprochene Prolog, der die Gedanken des Festes wiedergab, führte zum Entzünden Für den Wintersport: Ski-Bekleidung für Herren, Damen und Kinder / Flotte Skihemden u. Pullover Reise« u. Sportkleidung Prielmayerstraße 1 beim Hauptbahnhof Telefon 51138 der Lichter. Ein origineller Gedanke war es, eine der drei Menorahs als lebendes Bild von Knaben stellen zu lassen. Die Segenssprüche wurden von Schaalmann, Fürth und Ziegler im Sprechchor gesagt. Es folgte der gemeinsame Gesang des Moos-Zur. Oberspielleiter Groß trug nun zwei Gedichte vor, die vielleicht etwas zu ernst stimmten, aber die hohe Vortragskunst des Bühnenkünstlers zeigten. Dieser hatte auch das Chanukkamärchen „Der. Mutter Traum" von Oberlehrer Dr. Keßler einstudiert. Das schon vor mehreren Jahren verfaßte Stück paßt so recht in unsere Zeit mit ihrer besonderen Betonung des Jüdischen. Die Darsteller gaben sich alle Mühe, die Gedanken des Dichters in künstlerischer Weise wiederzugeben. Frl. Gerda Haymann gab der mütterlichen Liebe und Sorge den rechten Ausdruck: harmlos und natürlich spielte Berti Stein das Kind, während Herr S. Günzburger die Worte des Propheten Elia klug und bedacht sprach. Gut wirkte der von Frl. Jordan einstudierte Reigen der die 22 Buchstaben darstellenden Mädchen, die auch ihre Verse deutlich und ohne jedes Lampenfieber zum Vortrag brachten. In der Pause erhielten alle Kinder Düten, die mit Obst und Leckerbisser gefüllt waren und natürlich freudig entgegengenommen wurden. Der turnerische Teil wurde mit dem Militärmarsch in Es-dur von Schubert eingeleitet, in dem Fr. Dr. Bretzfelder und Frl. Weil ein treffliches Zusammenspiel zeigten und ihre hohe Musikalität verrieten. Die männliche Jugend zeigte nun in drei von H. Koronczyk einstudierten Pyramiden, darunter einer Leiterpyramide, die große Kunst der ruhigen KörperbeherrunuuuunuiimnntniuutnnniuiuiuiuuunniiniuiuniniuunniiiiituinuHinuHuuniiHinuitnuuiuuunnnnininnnuiin IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilllllllllllM REICHENBACH-BAD Reichenbachslraße 8/1, Telefon 28781 erhalten Sie Wannenbäder xa 50 Pfg-, aJle Heilbäder, Massage, Höhensonne, Schlankheitsvibration, fachgemäße Fußpflege. 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