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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-12-15 · 24 (15.12.1934) · p. Seite 533

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
24 (15.12.1934)
Date
1934-12-15
Page
Seite 533 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 533 Aus bayerischen Gemeinden Würzburger Altersheim W ii r z b u r g. Am 1. Nov. 1934 wurde in schlichter Weise das Altersheim Konradstraße 3 in den Räumen der Anstalt seiner Bestimmung . übergeben. Der Vorsitzende, Herr Sigmund Seligsberger, gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der Stiftung, welche in diesem Jahre ihr 50iähriges Bestehen feierte und schilderte vor allem den Werdegang des neuen Heims. Das Altersheim, welches 50 Personen faßt und bis auf wenige Plätze belegt ist, ist ein geschmackvoll ausgestattetes, praktisch angelegtes und geradezu mustergültig geführtes Haus. Die Weiherede hielt tiefdurchdacht und zu Herzen gehend, Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover. Namens der israelitischen'Kultusgenieinde beglückwüschte der 1. Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Haas, die Verwaltung zu diesem Werk edler Menschenliebe und im Auftrag der Stiftungsverwaltung dankte Herr Ignaz Rindskopf dem Vorsitzenden, Herrn Seligsberger, für seine, m'it unermüdlichem Fleiße und zielbewußter Führung, geleistete Aufbauarbeit. An die Eröffnungsfeier schloß sich unter Führung von Herrn Reg.-Baumeister Schwab, der in gewissenhafter Weise die Umbauten leitete, ein Rundgang an. Aus der Gemeinde Augsburg Chanukka-Feier und erster Werbeabend des Bundes junger Juden (B. J. J.) in Augsburg Am 7. November 1934 sprach im Trausaal der Synagoge auf Einladung der Gemeindeverwaltung, Herr Kurt Bergel aus Frankfurt a. M. über die Frage: „Welche erzieherischen Aufgaben stellt uns die jüdische Jugend?" Unter Zugrundelegung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Umschichtung, wie sie sich — aus den bekannten Gründen — als netwendig ergeben hat, wurden Aufgaben und Ziel der heutigen jüdischen Jugend eingehend dargelegt. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. Am nächsten Tag war der Jugend auf ihren Wunsch Gelegenheit gegeben, sich mit dem Redner in einer Arbeitsgemeinschaft weiter über das Thema zu unterhalten. Am Sonntag, den 2. Dezember, wurde von den Junggruppen des B. J. J. für die gesamte Jugend von 4 bis 17 Jahren eine Chanukka-Feier abgehalten. Die Leitung lag in der Hand des Ortsleiters der Junggruppen Ernst Cramer. Er verstand es ausgezeichnet, die Jugend in strammer Disziplin zu halten und den richtigen Ton für die jeweilige Altersstufe zu treffen. Nach dem entzünden der Menorah und gemeinsamen Gesang des „Moaus-Zur" lauschte die am Boden „lagernde" Jugend aufmerksam der vom Ortsleiter an sie gerichteten Ansprache. Von den hierauf folgenden Darbietungen fanden besonderen Beifall: Die stramme Meldung des Leiters der Jungensgruppe von 10 bis 17 Jahren, Hans Reiter, und deren ..Wanderlied", desgleichen der exakte Sprechchor der Gruppe Ernst Günzberger (Jungens von 6 bis 16 Jahren). Von den Mädels erfreute die Gruppe Dora Landauer durch drei Lieder, darunter besonders den Kanon: „Himmel und Erde müssen vergehen, aber die Musici bleiben bestehen."; ferner die Gruppe Marianne Untermayer durch einen Bauernreigen in Tiroler Tracht und die Gruupe An ni T r i e s t durch das gut gelungene Theaterstück „Das goldene Trendelchen", insbesondere der originelle „Zauberer" und das reizende „Ballett". Nicht vergessen sei der Vortrag einiger hebräischer Lieder und eines Gesängsolos mit Violinbegleitung. Den Schluß bildete das gemeinsam gesungene Bundeslied, worauf die Verteilung der von den Junggruppen selbstgespendeten Chanukka- Gaben erfolgte. Der Einladung zu dieser Chanukka-Feier hatte auch die Ortsgruppe Memmingen erfreulicherweise zahlreich Folge geleistet. Zu dem am Montag, den 3. Dezember 1934, mit dem Motto „W i r wollen junge Juden sei n" von der Älterengruppe des B. J. J. veranstalteten ersten Werbeabend mit Chanukka-Feier, war ein sehr zahlreiches Publikum erschienen, darunter Herren der Verwaltung der Kultusgemeinde, der Bezirksrabbiner und die Lehrerschaft. Nach dem Entzünden der Menorah (Erich Teutsch) und gemeinsam gesungenem M o de-Korsettenha us empfiehlt seine S pezialabteilung vorm.MaxLoweathal Gegr. 1885 für individuelle Massanlertigung München, Kaufingerstr. 31 Telefon 13217 „Moaus-Zur" machte sich Herr Bezirksrabbiner Dr. Jacob zum Dolmetsch der Gäste. Der Grundgedanke des Abends wurde am besten illustriert durch den von Lotte Hei mann verfaßten und vorgetragenen „Prolog", durch den Vortrag zweier Gedichte, verfaßt und zu Gehör gebracht von Berti Zinn e r : ..Unser Gruß" und „Glaube", das Referat von Sigmund Levi über die Bedeutung des Mottos „Wir wollen junge Juden sein", die ausführlichen Darlegungen des gesamtverantwortlichen Leiters des Bundes Hein Einhorn über „Aufgaben und Ziel des Bundes" und die selbstverfaßte Chanukka- Legende von Ernst Cramer. Der „Arbeitskreis" sang mehrere hebräische und deutsche Lieder und brachte zum Schluß einen Sprechchor aus „Jeremias" von Stefan Zweig. Alle Darbietungen fanden, weil g e g e n w a r t s n a h und gedankenreich, wohlverdienten Beifall. Zum Schlüsse sei neben dem Dank und der Anerkennung für diesen Abend der Wunsch geäußert: Mögen dem B. J. J. Irrwege jüdischer Ideologien erspart bleiben! Möge er weiter arbeiten mit der gezeigten Einmütigkeit und Begeisterung! Dr. E.Fränkl. Jüdische Bezirksdarlehenskasse für Schwaben e. V. Die in Augsburg vor einiger Zeit gegründete Jüdische Bezirksdarlehenskasse für Schwaben e. V. gewährt an Mitglieder der jüdischen Gemeinden im Regierungsbezirk Scwaben kurzfristige Darlehen kleineren und mittleren Umfangs gegen bankmäßige Deckung (am besten zwei gute Bürgen). Nähere Auskünfte, wie auch Beratung in Kredit- und Wirtschaftsfragen. erteilt die erwähnte Kasse schriftlich oder mündlich nach vorheriger Anmeldung in der Gemeindekanzlei Augsburg. Haiderstraße 8/0. Büdiersctiau S. B. Weinryb, Neueste Wirtschaftsgeschichte der Juden in Rußland und Polen. M. und H. Marcus. B r e s 1 a u 1934, IX u n d 252 S S. Kulischers Russische Wirtschaftsgeschichte, deren erster Band 1925 erschienen ist. läßt mit der Fortsetzung noch immer auf sich warten. Die Lücke füllt gegenwärtige Arbeit wenigstens teilweise aus, indem sie das Wirtschaftsleben der Juden in Rußland und Polen von der ersten polnischen Teilung an bis zur Gegenwart, also ein nicht unerhebliches Segment der von Kulischer bis zum 17. Jahrhundert geführten ..Russischen Wirtschaftsgeschichte" schildern will und in dem jetzt vorliegenden i. Bande bis zum Tode Alexander II. (1881) wirklich darstellt. Wenn Brasch einst Kulischers Werk als Ereignis begrüßt hat, vor allem, weil es von einem der slawischen Sprachen mächtigen Fachmann mit Sachkenntnis verfaßt war. während dies Gebiet für einen Nichtkenner dieser Sprachen bisher verschlossen war, so kann das Gleiche für Weinrybs tüchtige Arbeit gesagt werden, zumal sie nicht nur das ungemein zerstreute, bisher erschienene Material zusammenträgt, sondern auch durch archivalische Forschung ergänzt und unterbaut, vor allem aber es, in einer übersichtlichen Einteilung geordnet, in ruhiger, klarer, wissenschaftlicher und doch verständlicher Weise dem Leser vorführt. Die Darstellung beginnt in zutreffender Feststellung mit der ersten Teilung Polens, die dem russischen Reiche den Hauptteil seiner Juden zuführt und endigt am Schlüsse des 1. Bandes mit der Ermordung Alexander II. (1SS1), die in eine Wirtschaft-

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