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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-12-01 · 23 (1.12.1934) · p. Seite 499

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
23 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 499 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 499 er sich beschränkt, gestaltet er mit der exotischen Pracht einer Märchenwelt und mit einer plastischen Eindringlichkeit, die von einem Stück Wirklichkeit ausgeht. Hinter Ereignissen, die an den Stromkreis moderner Zivilisation angeschlossen sind, reckt sich der Urwald, hinter den Erscheinungen der Zivilisation spuken die Atavismen aus einer Zeit, ehe die Rasse .,Südamerikaner" entstanden war, Elementarstes bricht auf, das sich den Bereichen der Humanität entzieht. Ob es sich um einen europäischen Geschäftsmann handelt, den die tropische Atmosphäre nach sieben Jahren verändert, um einen christianisierten Neger, dessen Glauben sich in der Begehung von Götzenkulten äußert oder um ein indianisches Halbblut, das plötzlich aufbegehrt, weil sein Begleiter, ein junger Europäer, ihm den Mantel nicht trägt — in dem Mädchen empört sich das Blut der Indianer, die sich einst gewehrt hatten, den weißen Herren etwas zu tragen. — immer fesselt Jacob als Schilderer neuentdeckter Landschaft und philosophischer Betrachter menschlichen Daseins. Und das Novellentrio „Treibhaus Südamerika" bildet selbst ein Büchertrio mit Jacobs „Flötenkonzert der Vernunft" und den „Dämonen und Narren". Dr. Lutz Weltmann Die Volkszählung von 1933 Von Prof. Dr. A. Cohen (München) Bei der Volkszählung des Königs David — wohl der ältesten uns bekannten — sprach sein Feldherr Joab (Chronik I, 21): „Der Herr tue zu seinem Volk, wie sie jetzt sind, das hundertfache!" Die Bedeutung einer Volkszählung wird richtig erkannt. Auch heute bedarf es keines Lehrbuchs der Statistik, um einzusehen, wie viel von einer großen Volkszahl abhängt. Warten doch nicht nur die Oberhäupter der Städte, sondern auch die gewöhnlichen Zeitungsleser mit Spannung auf die Ergebnisse der letzten Volkszählung, um mit Stolz verkünden zu können, daß ihre Stadt, sagen wir, von der 11. auf die 10. Stelle gerückt ist. Es ist eine Prestigefrage! Besonders für die Juden kommt es viel auf die Zahl an, denn die andere statistische Größe, die neben der Personenzahl auf der ersten Seite der statistischen Jahrbücher prangt, die Bodenfläche, kommt seit beinahe 2000 Jahren für die Juden nicht mehr in Betracht. Aber auch nüchternen Bedürfnissen dient die Volkszählung. Denn die Beiträge der unteren Gemeinwesen zu den höheren können nicht gut anders bemessen werden, als nach der Bevölkerungszahl, und so richten sich z. B. die Beiträge der Landesverbände zur Reichsvertretung der deutschen Juden nach der Anzahl der Juden, die in dem Lande wohnen. Seit der Reichsgründung hat in Deutschland alle fünf Jahre eine Volkszählung stattgefunden, zuletzt 1910, seit dem Kriege nur zwei: am 16. Juni 1925 und am 11. Juni 1933. In den letzten Wochen sind einige vorläufige Ergebnisse der Volkszählung von 1933 amtlich veröffentlicht worden, für das Reich in der vom Statistischen Reichsamt herausgegebenen Halbmonatsschrift „Wirtschaft und Statistik" vom 1. Oktober 1934. In Nr. 21 der „Bayer. Isr. Gemeindezeitung" sind die die bayerischen Juden am meisten interessierenden Ziffern mitgeteilt worden, und in der vorigen Nummer 22, Seite 470, befindet sich eine kleine Tabelle, worin die Ziffern übersichtlich zusammengestellt sind. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der Juden in Bayern am 11. Juni 1933 41 939 betragen hat, und daß sie seit 1925 um 7224 gesunken ist, d. h. um 14,66 Prozent. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist von 0,66 Prozent auf 0,54 Prozent zurückgegangen. WARME HAUSJACKEN Herbst* und Winterneuheiten im Spezialgeschäft für Damenbekleidung BEEIHHHECTEEIMmIEC München, Dadiauerstr. 9 (nebenKaffeeUngerer) Mollige Hausjacken 13.— 18.— 23.— 28 — Hausmarke „Z 722" 6 schöne Farben . 23.— Mollige Schlafröcke 18.— 28.— 38.— 48.— BAMBERGER & HERTZ Die zuverlässigen Kleiderfachleute Das bayerische Statistische Landesamt beabsichtigt für die nächste Zeit eine Veröffentlichung, worin das Religionsbenkenntnis der bayerischen Bevölkerung durch deren Gliederung nach Konfessionen behandelt wird. Dann wird auch die Frage zu prüfen sein, wie sich die bayerischen Juden auf die Kreise (Regierungsbezirke) verteilen. Schon jetzt aber können wir die Ziffern für einige bayerische Gemeinden, in denen sich eine erhebliche jüdische Bevölkerung befindet, dem Leser vorsetzen. Zum Vergleich drucken wir die entsprechenden Ziffern für 1925 ab. Die dritte Kolumne drückt die Zunahme (+) oder Abnahme (—) aus, die vierte das (Zuwachs- oder) Verlustprozent, die fünfte den Anteil an der Gesammtbevölkerung, ebenfalls in Prozenten. Gemeinde 1925 1933 weniger % der % Einwohner zahl München 10 068 9005 1063 11 1,2 Nürnberg 8603 7502 1101 13 1,8 Würzburg 2261 2145 116 5 2,1 Fürth 2504 1990 514 20 2,6 Ludwigshafen 1211 1070 141 12 1,0 Augsburg 1203 1030 173 14 0,6 Bamberg 972 812 160 16 1,5 Kaiserslautern 744 648 96 13 1,0 Landau (Pfalz) 732 596 136 20 3,5 Aschaffenburg 643 591 52 8 1,6 Pirmasens 651 574 77 12 1,2 Regensburg 478 427 51 10 0,5 Schweinfurt 414 363 51 12 0,9 Kitzingen 421 360 61 15 3,2 Kissingen 504 344 160 32 4,0 Ichenhausen 356 309 47 13 12,4 Speyer 335 269 66 20 1,0 Bayreuth 304 261 43 14 0,7 Frankental 235 212 21 9 0,8 Ansbach 232 197 35 15 0,9 Zweibrücken 184 149 35 20 0,7 Treuchtlingen 119 119 — — 2,8 33 172 2S 973 4199 12,6 Auch in diesen von den bayerischen Juden vorzugsweise bewohnten Städten ist die jüdische Bevölkerung zurückgegangen (mit einer einzigen unerheblichen Ausnahme). In 8 Städten von 22 ist das Abnahmeprozent größer als im Landesdurchschnitt. Im Ganzen ist aber doch das Abnahmeprozent geringer als bei den bayerischen Juden überhaupt, nämlich 12,6 gegen 14,66 Prozent. Aus der Tabelle ergibt sich ferner, daß der Zug nach der Stadt, besonders der Großstadt, der sich bei den Juden in den letzten Jahrzehnten in noch höherem Maße findet, als bei der Gesamtbevölkerung, und dessen ungünstige Wirkungen für die Eugenik der Juden in Nr. 12 des Jahrgangs 1933 (vom 15. Juni) in dem Artikel „Die Großstadt als jüdisches Schicksal" beklagt worden sind, auch seit 1925 angehalten hat. 69 Prozent der jüdischen Bevölkerung Bayerns wohnen in den erwähnten 22 Städten, und diese Tendenz hat seit 1925 noch

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