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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-12-01 · 23 (1.12.1934) · p. Seite 495

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
23 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 495 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 495 innerungsfeuer an den Heldenkampf einer kleinen tapferen Männerschar, Glaubensstrahl an die Unbesieglichkeit des jüdischen Seins und Sinns in der Welt. Wenn die Menorah wieder brennt, hat sie in diesem Jahre einen weiteren Leuchtkreis als in vielen früheren. Hunderte von jüdischen Müttern habe früher ihren Kindern den christlichen Weihnachtsbaum zum Geburtstag des christlichen Heilands angezündet und ihn vor sich selbst und den vorwurfsvollen Augen jüdischer Freunde zu einer rein deutschen Sitte, einem Wintersonnenfest, dem Wiederkehren der toten Sommersonne und des Sommergottes umgedeutet, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, daß sie damit statt einer christlichen einer ualt heidnischen Sitte anhingen — und das machte ihre Haltung vor jüdischen Augen nicht besser. In diesem Jahre werden diese jüdischen Mütter zu solchen Anleihen schon zu stolz geworden sein. In diesem Jahre werden sie sich auch nicht mehr hinter die Ausflucht verstecken: „Warum soll mein Kind die Vorfreude auf das Fest, das Glück der Bescherung, all den heimlichen, holdseligen Zauber entbehren müssen, warum soll es seine Kameraden darum beneiden?" Wo die Menorah brennt, wird es keinen Weihnachtsbaum entbehren. Wenn die Menorah brennt..... Das Wort von der Mutter geheimnisvoll gesprochen, weckt Erwartungen, weckt selige Ungeduld, bis der Rausch Chaudesch des Kislev gekommen ist. Am 24. Kislev — dann! Dann zünden wir zum erstenmal die Menorah an, dann brennt auf ihren Armen das erste Lichtchen, dann steigert sich der Lichterglanz von Abend zu Abend, bis endlich der ganze Leuchter mit acht Flammen die Festhöhe bestrahlt. „Was wünscht ihr euch denn?" — Es ist eine Frage, auf die jüdische Kinder genau so gespannt warten wie alle anderen, und ein Wunschzettel läßt beim Ghanukkahfest noch viel mehr Möglichkeiten offen. E i n Lichtchen hat ja doch gar nicht so viel Schenkgewalt wie drei oder sieben oder gar alle acht! Darum muß jeder Abend etwas von den Wünschen wahr machen und der letzte endlich die ganz große Steigerung erreichen. Aber vom Schenken allein wird Chanukkah noch nicht hell. Es gibt zarte kleine Privilegien, mit denen man den Kindern besondere Gunst erweisen muß: sie selbst dürfen die Menorah für den Abend zurecht machen und sie dann den ganzen Nachmittag in schöner Bereitschaft stehen sehen; wo gar zwei Buben daheim sind, muß jeder seine eigene haben und neben dem Vater stolz die Berachah sprechen; damit aber die Mädchen das nicht als eine Zurücksetzung empfinden, sollte man ihnen dann die Bereitung des Festes überlassen und damit gleich dartun. daß eben dies die schöne und auszeichnende Stellung der jüdischen Frau ist: Bringerin des Fests für die andern zu sein. In vielen Orten ist es Sitte, daß man, solange die Menorah noch nicht mit allen Lichtern brennt, zu den zweien oder dreien usw. des Abends am unteren Ende des Leuchters ein kleineres Licht anzündet, zum Gedächtnis und zur Feier der Toten in Israel. Die hohe Würde, die darin liegt, mischt in den Glanz und den Scherz des Festes eine wunderbare Stille, und so kann man auch die acht Abende wechselvoll nach Fröhlichkeit und besinnlichem Ernst gestalten. Wenn hier nur davon die Rede war, wie man jüdischen Kindern das Chanukkahfest lebendig machen könne, so geschah dies, weil früher die Kinder den Müttern die Gründe für die Flucht in eine fremde Sitte liefern mußten. Aber Chanukkah ist nicht nur ein Fest für die Kinder. Wir pflegen seit vielen Jahren am Ausgang des Schabbos Chanukkah zusammenzukommen, ein Freundeskreis ohne Kinder, und für diesen Abend bereiten wir Gaben mit widmenden und neckenden Versen vor. Dem Beschenken geht das feierliche Entzünden der Menorah und das gemeinsame „Moaus zur" voraus, fast immer auch ein ernstes Gespräch, das sich an den Brauch, an die Geschichte, an die Literatur des Chanukkahfestes anknüpft. Wenn die Menorah brennt, geht die Erinnerung an die Wunder unseres geschichtlichen Weges durch unsere Häuser. Wenn die Chanukkahlichter strahlen, glauben wir heiß dem Segensspruch: der Wunder an unseren Vätern getan, in jenen Tagen, um diese Zeit." Wunder erfahren heiße uns: Kraft und Frieden erlangen! Martha Wert h e i m e r. Die Pflege des Hebräischen im Miffelalfer und in der Gegenwarf Zu David Kimchis 700. Todestag Von Rabbiner Dr. Bruno Finkelscherer Der Verfasser dieses Aufsatzes hat sich durch seine sorgfältige Arbeit „Die Sprachwissenschaft des Josefibn-Kaspi" (Göttingen 1930), die in diesen Blättern nach Erscheinen besprochen wurde, als guter Kenner des hier behandelten Stoffes erwiesen. Unter dem Einfluß der arabischen Grammatik entwickelte sich bei den jüdischen Gelehrten des Mittelalters jene grammatische Theorie der hebräischen Sprache, die bis heute die semitische Philologie und damit auch die hebräische Sprachwissenschaft beherrscht. Es geht hier Münchener Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes i. B. 6. Dezember Museum: Rezitationsabend Edith Herrnstadt-Oettingen (Berlin) 20. Dezember Hauptsynagoge: Symphoniekonzert; Solistin Charlotte Rosen (Berlin) 10. Januar Museum: Vortragsabend Rabbiner Dr. Joachim Prinz (Berlin)

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