Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 21 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 452 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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452 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Heuer wählt die Dame ihre P E LZ*GA R D E R O B E direkt bei S. ORLJANSKY& Co., München, Neuhausersf r. 29 Jedes einzelne Pelzstück, das sie sich dort wählt, ist mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit so solide hergestellt, daß es viele Jahre als Schmuckstück und als Dauerwert ihre Wünsche befriedigt. Büch erschau J. Reznicov: Deutsch-hebräisches Wörterbuch, Breslau 1934. Wenn die paradoxe Behauptung Schopenhauers: man könne über Bücher Rezensionen schreiben, so lange man sie — nicht gelesen hat, auf irgendwelchem Gebiete Geltung hat, so ist es auf dem der Lexikographie. Es ist unmöglich, in 25 oder 30 Drückzeilen auf die Problemfülle eines. Wörterbuches einzugehen, denn die Betrachtung über seinen Inhalt verlangt eine Auseinandersetzung mit der Wiedergabe unzähliger Vokabeln. Ein Sprachlexikon kann also hier nur seiner Methode nach behandelt werden; und da ist nun in bezug auf die Reznicovsche Arbeit zu sagen: es ist dem erfahrenen Lehrer gelungen, vermittels organischer Verbindung zwischen Grammatik und Wortübersetzung das erste pädagogische Wörterbuch für Anfänger zu schaffen; eine Leistung, für die ihm Lehrer und Schüler dankbar sein werden. Dieses vorwegnehmende und zugleich abschließende Urteil soll begründet werden. Dem Wörterbuch ist eine eingehende Gebrauchsanweisung vorangestellt, welche den Zusammenhang einzelner Verben und Substantiva mit den der Gebrauchsanweisung folgenden Deklinations- und Konjugationstabellen klarlegt. Während andere Wörterbücher (Torczyner, Kedem, Menorah) nur den Inf. absol. beim Verb und den Nom. sing, beim Hauptwort angeben — Formen, mit denen gerade der Anfänger nichts anzufangen weiß, wegen der „berühmten" Unregelmäßigkeiten in den Flexionen und weil vor allem der Infinit, absol. im Sprechen nicht gebraucht wird — fügt R. jedem unregelmäßigen Haupt- und Zeitwort die wichtigsten weiteren Formeln bei; bei den regelmäßigen wird der Leser auf die Tabellen verwiesen. Es ergibt sich also ein organischer Zusammenhang; kein Nebeneinander, sondern ein Ineinander von Sprache und Grammatik. Es ist die vernünftige Anwendung modernster pädagogischer Errungenschaften, die besagen, daß jedes Sprachlernen nur dann Sinn hat, wenn es sich auf sinnvolle, d. h. zusammenhängende Gebilde bezieht, weil nämlich nicht das einzelne Wort, der Begriff, sondern der Satz (das organische Ganze also) das „ens realissimum" aller Logik (Rickert), also auch der sprachlichen Logik ist. Haben wir uns einmal die Flexionen, die ja nur im Satze Sinn haben, gemerkt, dann werden wir selbständig Sätze und mit der Zeit auch Aufsätze bilden. Für diesen allerdings nicht leichten aber unumgänglichen Weg leistet das neue Wörterbuch vorzügliche Hilfe und ist deswegen sehr zu empfehlen. Geld. Alraanach des Schocken-Verlages aui das Jahr 5695. Berlin (Schocken-Verlag) 1934/35. Der gelbe Almanach des eben abgelaufenen Jahres mit seinem reichen Inhalt ist uns ein wertvoller Besitz geworden; jeder einzelne Beitrag bot Anlaß und Anregung, einen Schritt weiter und tiefer zu dringen. Die Kostproben, die Auszüge und Leseproben erweckten zuerst Neugierde, machten viele betroffen und zwangen zum ernsten, dauernden Verweilen. Der neue Almanach übertrifft den Vorgänger noch an Treffsicherheit und Geschmack der Auswahl. Die liebevolle Betreuung unseres weitverzweigten und auseinandergerissenen jüdischen Schrifttums durch den Schocken-Verlag verdient unseren Dank und unsere Treue. Der Herold dieses Verlages ist sein jedes Jahr zu Rosch-ha-schanah erscheinender Almanach; wer ihn für 60 Pfennige erwirbt, macht sich und anderen ein kostbares Geschenk. Mit der Übersetzung des 22. Psalms von Buber „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" schlägt uns das kleine Buch gleich von Anfang an in seinen Bann. Es folgt Baechs geschliffener Beitrag „Das jüdische Jahr". Wolfskehls Gedichte, Bubers Gedächtnisaufsatz für „Bialik", die Probe aus B. Jacobs Genesis-Kommentar, ein Stück aus Maimonides, von Franz Kafka, von Agnon, Max Brods „Elegie an die abgefallenen Juden", zwei Briefe Bialiks, aus dem Konzept einer Rede Franz Rosenzweigs — nur wenige Beispiele aus der Fülle des Gebotenen! Zum Schluß die Wiedergabe aus einem alten deutsch-jüdischen Krakauer Druck von 1534 mit einer bibliographischen Beschreibung! — Das angeschlossene Bücherverzeichnis der bisherigen vom Schocken-Verlag herausgegebenen Bücher gibt ein Bild der erstaunlichen Vielseitigkeit dieses Hauses, dessen Bemühungen um die Wiedel erweckung jüdischer Kultur und Art schon heute als großes positives Signum unserer eigenen jüdischen Epoche angesehen werden dürfen. F. Die jüdische Volksidee bei den Propheten. Zu dem sehr beachtenswerten Aufsatz des Rabbiners Dr. A. Eckstein „Die jüdische Volksidee bei den Propheten" in der Nummer 18 der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung möchte ich ergänzend hinweisen auf die Ausführungen des Professors der Religionsgeschichte an der Universität Groningen, G. van der Leeuw, in seinem vor kurzem erst erschienenen Buche „Phänomenologie der Religion" (Neue theologische Grundrisse, herausgegeben von Rudolf Bultmann), Tübingen 1933, Verlag J. C. B. Mohr. In dem Kapitel „Nation und Menschheit" versucht van der Leeuw den Begriff der Nation zu umreißen, der erst sehr spät als Zusammenfließung des Stammes- und Imperiumsgedankens erstehen würde. „Zu ihr (der Nation) gehört neben der nicht einmal so wichtigen Blutverwandtschaft das gemeinsame historische Erlebnis, das Zusammengelebthaben. Das jüdische Volk ist das erste historische Beispiel einer Nation. Die anderen Völker des Altertums sind entweder Stämme oder Reiche. Beide halten sich für die eigentliche Welt, und ihre Herrscher haben kosmische Bedeutung. Ägypten und Babylon sind die Welt, aber sie sind keine Nationen. Israel, bedrängt M. & J. Ambrunn jetzt Tlieatinersfrasse 17 Elegante Herrenschneiderei u. Tuchhandlung