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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-10-15 · 20 (15.10.1934) · p. Seite 419

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
20 (15.10.1934)
Date
1934-10-15
Page
Seite 419 (sequence 7)
Language
German
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M-. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 419 Ihr Pelzwerk bei Kürschnermeister TELEFON 58160 (prihiliiif AUGUSTENSTR. 85/o Kaufen Sie den guten KR"-W 99 iiisiiifel ROSENFELDER Bayerstraße 5 Seit 1878 zu werden. Wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen, Fürchteten, eswäre eine vorübergehende Psychose. Aber unsere Bedenken waren unnütz. Nachdem im Bund 120 Schüler waren, organisierte der Bund die jüngeren Kinder, die in den unteren Klassen saßen, von der Vorschule aufwärts. Diese Kinder hatten es durch das Vordringen des gesprochenen Hebräisch in den Häusern leichter, hebräisch zu sprechen. Die Gruppe nannte sich „Gure Bne Jehuda" (die jungen Löwen Judas) und zählte über 40 Kinder im Alter von 6—9 Jahren. Acht Monate waren seit der Gründung des „Bund der Neun" vergangen, jetzt zählte der Bund schon 160 Kinder, die im aufe eines halben Jahres kein Wort Jiddisch über ihre Lippen brachten. Hebräisch redete man aus dem Schlaf, hebräisch aus dem Fieber während der Krankheit (tatsächliche Fälle), die Mütter lernten während dieser Zeit, wenn auch nicht sprechen, so doch verstehen. Die Allerkleinsten, die noch nicht zur Schule gingen, lernten hebräisch plappern, und es gibt heute viele Kinder von 3—4 Jahren, die ein staunenswertes Hebräisch schwätzen. Die Lehrerin, die diese ganze Geschichte erzählt, berichtet weiter, daß selbst nichtjüdische Kinder hebräische Ausdrücke lernten. Das Komitee will seine- Tätigkeit auf die Umgebung erweitern, die Gruppe eroberte die nahe Stadt L. und gründete dort im Laufe von einigen Tagen einen „Brith Rischonim", der 70 Kinder umfaßt, und auch die Stadt St. steht vor der Einnahme, die hebräische Schülerbewegung nähere sich schon der Stadt Pinsk. Die Lehrerin, Frl. Teitelbaum, glaubt an den Erfolg der Bewegung. „Wir meinten" — sagt sie, „daß dieser Hebraisierungsprozeß von den Großen auf die Kleinen übergreife, daß die Erwachsenen die hebräische Sprache verbreiten und die Kinder von diesen beeinflußt werden. Wir dachten <o, aber wir irrten. Die Arbeit muß von unten nach oben erfolgen, der geschilderte Versuch beweist dies....." Die palästinensische Presse berichtete anläßlich Prof. Heinrich Lowes 65. Geburtstag, Löwe wäre der erste Westjude gewesen, in dessen Haus hebräisch gesprochen worden wäre. Wann wird die jüdische Jugend in Deutschland soweit sein, die Frage des Hebräisch auch von dieser Seite aus anfassen zu können, sie vom hebräischen Sprachunterricht aus in das tagtägliche Leben des jüdischen Jugendlichen herüberzuführen und zu verlebendigen? All die geistigen Energien unserer Jugend, die sich zur Zeit der Vorherrschaft der Assimilation in unserem Leben auf fremden Feldern tummelten, sind frei geworden. Werden sie zum Nutzen der hebräischen Kultur, zum Segen der hebräischen Sprache, die das Gewand dieser Eigenkultur ist, genutzt werden? Bialik hatte eine hohe Meinung von den Westjuden. Hatte der Osten die zarten Keime der Schöpfungen der „Haskalazeit" entwickelt und die moderne hebräische Literatur geschaffen, so hat der Westen das Verdienst, die Wissenschaft des Judentums zur Welt gebracht zu haben. Die Aufgabe der zukünftigen Geschlechter wird es sein, diese Kräfte zu vereinen. Bialik hat auch die Gefahren der hebräischen Bewegung gesehen, die Leere und Oberflächlichkeit des Hebräischplapperns hat ihn mit Sorge erfüllt; er wandte sich scharf gegen die hebräische Assimilation (Hajahaduth bagola), die sich mit dem Sprechen begnügt und das Buch, das die Zeiten des Galuth Symbol des Juden war, vernachlässigt. Gewiß, das gesprochene Hebräisch hat seit 50 Jahren einen Siegeszug angetreten, es hat in Palästina zur Zeit Dr. Paul Nathans um den „Hilfsverein" gekämpft, für die Einführung des Hebräischen als Unterrichtssprache, Schulen und Zeitungen, Theater und Universitäten, Vorträge und Kindergeschrei, alles ist im jüdischen Palästina hebräisch; auch in Polen und Litauen und in Bulgarien, wo ein Netz hebräischer Schulen besteht, lernen Zehntausende jüdischer Jugend hebräisch. Selbst im Westen, in England, veranstaltet der Brith Olamith Iwrith jetzt eine hebräische Woche, aber das ist nur der Anfang, nicht das Ziel. Die Sprachbewegung schafft die Voraussetzungen der hebräischen Erziehung, gibt die Möglichkeit sprachlicher Vertiefung, aber vergessen wir nicht das jüdische Buch! Der Dissimilationsprozeß in Deutschland darf darüber nicht täuschen, daß im Osten das Jiddische zugunsten des Polnischen und Russischen zurückgedrängt wird, jüdische Jugend geht merklich oder unmerklich dem jüdischen Volkskörper verloren, der nationale Gegenprozeß muß in der Erziehung eine geeignete Waffe haben, dem Auflösungsprozeß entgegenzuwirken. Die Fesfaufführung von Stefan Zweigs „Jeremias" im Berliner Kulfurbund Deutscher Juden am 7. Oktober 1934 zugunsten des Zentralausschusses der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau. Beginnende „Saison"? Nein. Beginnender Winter als Zeit der größeren Not, Fortsetzung und Steigerung der wohltätigen Arbeit waren die Beweggründe zu der Festaufführung von Stefan Zweigs „Jeremias" im Rahmen des Berliner Kulturbundes. Der Reinertrag des Abends floß dem Fonds des Zenralausschusses der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau zu. Vor Beginn der Vorstellung sprach Dr. Siegfried Moses, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, und Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des Centrai- Vereins deutscher. Staatsbürger jüdischen Glaubens. Wie der £entralausschuß in seiner Aufbauarbeit keinerlei weltanschauiche Richtungen kennt, so vereinigten sich die beiden Ver- .eter zweier jüdischer Anschauungen an diesem Abend in deichem Wollen: beider Worte warben um die Hilfe derer, öie sie noch leisten können, für die, die ihrer bedürfen. Dr. Moses betonte den Kampf des Jeremias um die Seele des jüdischen Volkes, der heute wie damals ein geistiger und realer Kampf ist; heute hat der geistige Kampf seinen Standort in den Kulturorganisationen, von den Zionisten wird er geführt im Hinblick nicht nur auf Palästina, sondern auf Erez Israel; der reale Kampf dagegen um die äußere Not des jüdischen Lebens vereint alle Richtungen im Streben um das gleiche hohe Ziel schaffender Hilfe. Die Nöte können nur gelindert werden, wenn alle Juden der Überzeugung sind, daß die Hilfsarbeit ihr eigenstes Anliegen ist und sie sich dem Kampf nicht versagen dürfen. . . ' Justizrat Dr. Brodnitz gedachte zu Beginn seiner Rede rückblickend der erhebenden Tat der Gründung des Zentralausschusses, um die sich Männer wie Ludwig Tietz, Karl Melchior und andere führende Persönlichkeiten der Gemeinde

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