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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-10-01 · 19 (1.10.1934) · p. Seite 393

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
19 (1.10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 393 Trotz eines mehr als ausgefüllten Tagewerkes ließ der Bienenfleiß des Heimgegangenen noch rechtswissenschaftliche Werke entstehen, die seinen Namen auch kommenden Juristengeschlechtern erhalten müssen: Als der Weltkrieg ausbrach, schuf er mit sicherem Blick für die Bedürfnisse der neuen Zeit das tiefgründige Buch über „Die Einwirkung des Krieges auf das Privatrecht". Nach dem Krieg, als mehr denn je ein Ausgleich zwischen Gläubiger- und Schuldnerinteressen zu suchen war, diente er dieser volkswirtschaftlich unerläßlich gewordenen Synthese durch seinen ausgezeichneten, aus der Rechtsfindung der letzten Jahre nicht hinwegzudenkenden Kommentar zur Vergleichsordnung. Nur seinem Verdienst gemäß kam Geheimrat Dr. Mayer zu den höchsten Würden, welche die Rechtsanwaltschaft zu vergeben hat. Über zwei Jahrzehnte gehörte er dem Vorstand der Anwaltskammer, zuletzt und bis zum Frühjahr 1933 als stellvertretender Vorsitzender an. Oft präsidierte er dem Ehrengericht der Anwaltskammer, stets bemüht, die hohe Würde des Standes zu wahren und ihn von allen auf eine mehr gewerbliche Berufsausübung hinauslaufenden Tendenzen freizuhalten. Immer kam aber auch hierbei das Grundgütige seines Wesens, sein tiefes Verstehen um menschliches Fehlen zum Ausdruck. Als Vorstandsmitglied der Hilfskasse der deutschen Rechtsanwälte ist er zahllosen seiner Kollegen und ihren Familien mit persönlicher Aufopferung hilfsbereit zur Seite gestanden. Als wahrer Weiser fand der Verstorbene den einzigen, echten Lebensgenuß in den allerdings karg bemessenen Feierstunden, die er seiner Famalie und der Tonkunst widmete. Auch hier lockte ihn der edelste Zweig des Musikgenusses: das mitisdiaffende Kammermusikspiel. Ganz seinem sonstigen Wesen entsprechend, ging er in sich bescheidender Unterordnung auch hier voll auf in dem Werke, das er miterstehen half. In diesen Weihestunden näherte er sich jenen höheren Sphären, in welche er ietzt für immer eingegangen ist. Ehre seinem Andenken! Oe. Zur Geschichte des les ^ynagogenbaus Von Theodor Z. Harburger -Tiberias Die Geschichte des Synagogenbaus ist seit geraumer Zeit ein Gebiet jüdischen Wissens, das auf starkes Interesse der Öffentlichkeit rechnen darf. Zwei neue Veröffentlichungen der jüngsten Zeit beweisen dies aufs Neue. Unter dem Titel „Ancient synagogues in Palestine and Greece"1 faßt der verdiente Archäologe der Jerusalemer Universität, E. L. S u k e - n i k , der durch die von ihm geleitete Freilegung der Synagoge von Beth Alpha und andere Ausgrabungen schon seit Jahren wertvolle Beiträge zur Kenntnis der nordpalästinensischen Synagogen beigebracht hat, die von ihm im Rahmen der „Schweich lectures of the British Academy" im Herbst 1930 gehaltenen Vorträge zusammen. An Hand zahlreicher vorzüglicher Photographien und Textfigüren zeigt er eine klare Entwicklungslinie des frühesten Synagogenbaus auf. Wenn auch die ältesten erhaltenen „klassischen" Synagogenbauten erst aus der späteren hellenistischen Periode stammen und nicht vor das zweite nachchristliche Jahrhundert zurückreichen, so geben doch ihre Reste eine recht gute Vorstellung dieser Kultbauten, die sich der Form des herrschenden Bautyps für Versammlungs- 1 E. L. Sukenik, Ancient synagogues in Palestine and Greece. London, published for the British Academy by Humphrey Milford, Oxford University Press. Amen House, E. C„ 1934. 90 Seiten, 19 Textfig., 20 Tafeln. •/"V^/^/^^v^/*^^ MANFRED STURMANN Was sind wir anders Was sind wir anders, Die uns der Zufall treibt Über die Falten der Erde, Als Eintagsflug Im leuchtenden Jahr. Unter uns lauern Die schwarzen Grüfte Unsrer Vermessenheit, Und die lächelnde Wange Streift der verborgene Tod, Eh' sie es ahnt. Einmal werden wir fallen Wie Vögel vom tödlichen Blei der Verfolger, Ehe wir sagen können, Was uns erhielt Im gütigen Licht. Aus dem neuen (bei Hesse & Becker in Leipzig erschienenen) Gedichtband „Wunder der Erde". Aus der lyrischen Produktion von fünf Jahren wählte der Dichter eine Folge von Gedichten aus, die in Form und Reife seine früheren Dichtungen übertreffen. „Wunder der Erde" — das ewige Preislied an die Landschaft, in hymnischen Strophen, in zarten Liedern wird es hier gesungen: der städtische Mensch findet den Eingang zur Landschaft, gibt sich ihr hin und ist selig eins geworden mit Scholle und Baum, mit Berg und Meer. •Sl^/^/^^:^^^^ häuser und Ratshallen, der antiken „Basilika", bedienten. Obschon wir über ihre Vorgänger, die „Gottesstätten", die seit der Reform Esra's überall im Lande, besonders häufig wohl in den von Jerusalem weiter entfernten Landstrichen bestanden, in keiner WTeise unterrichtet sind, so dürfen wir doch wohl vermuten, daß sie unbedeutende, vielleicht auch aus nicht besonders witterungsbeständigem Material gefügte Bauten waren, weil sich von ihnen bis jetzt keinerlei Spuren haben finden lassen. Jedenfalls führte erst das Einströmen der hellenistischen Kultur und der Zuwachs an Proselyten aus dem Kreise der Griechen und gräzisierten Syrer zur Anlage stattlicherer Bauten und zur Anwendung der im vorderen Orient überall siegreichen griechischen Baukunst. So entstand u. a. die Synagoge von Kapernaum, das bekannteste und besterhaltene der galiläischen Gotteshäuser, das durch die verständnisvolle Mühewaltung des verstorbenen Paters O r f a 1 i, O. F. M , zu einem kleinen, aber instruktiven Teil wieder aufgerichtet wurde. (Vergl. Abbildungen.) Daß gerade diese Landschaft—Galil-ha-Gojim nannten die Alten die Nordprovinz Palästinas im Hinblick Küchenmeister Weinessig I für Salate und zum Einmachen. Magister Mönchen? ■

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