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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-10-01 · 19 (1.10.1934) · p. Seite 391

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
19 (1.10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 391 Vom?7Ende der Humanifäfsidee11 Im Verlag Vittorio Klostermann in Frankfurt a. M. erscheint soeben das Werk des Bonner Privatdozenten Paul L. L a n d s b e r g , Einführung in die philosophische Anthropologie. Neben dem Buch von Paul Simon, Sein und Wirklichkeit (München, Hueber, 1933) die sauberste und eindrucksvollste Leistung des deutschen philosophischen Schrifttums der letzten Jahre. „P h ilosophische Anthropologie ist die begrifflich klärende Entfaltung einer Idee vom Menschen aus seiner Selbstauffassung auf einer betimmten Stufe seiner Menschlichkeit, und der Versuch, ihm den weiteren Weg seiner Bestimmung zu zeige n." Die Gedankenwelt Schelers wird man überall gegenwärtig finden. Die Wesensdeutung des Menschen wird hier als zentrale Erkenntnisaufgabe einer Gegenwart ergriffen, die den Wandel des Menschentums in der Geschichte der Menschen besonders deutlich zum Bewußtsein gebracht hat. Die vier Teile der neuen Landsbergschen „Einführung" enthalten außer der Begriffsbestimmung und der Herausarbeitung der besonderen Aufgabe und Notwendigkeit der Anthropologie gegenüber dem reichen Einzelwissen vom Menschen, das unser Jahrhundert besitzt, vor allem höchst lichtvolle Erklärungen der Motive der Selbstauffassung. Die Beunruhigung unseres Selbstbewußtseins durch jenes dialektische Auf und Ab von Selbstliebe und Selbsthaß, in dem heute das (nicht heuchlerische und scheinheilige) Individuum existiert, spielt hier eine besondere Rolle. Der dritte Teil zeigt, in wie verschiedener Weise menschliche Selbstauffassung entfaltet und ausgeformt werden kann; so werden die mythische, die poetische und die theologische Selbstdarstellung des Menschen in Betracht gezogen. Der vierte Teil erklärt die „innere Erfahr u n g". Es ist hier natürlich nicht von dem verengten und verfälschten Empirismus des 19. Jahrhunderts die Rede. Die Schranke bleibt die: Ob Baudelaire im Zustand der Berauschtheit, ob Nietzsche im „anormalen" Zustand seiner letzten Einsamkeit Wahrheit oder Wahn gesehen haben, kann nur beurteilen, wer ihre Erfahrungsarten selber kennt. Landsberg sagt: „Die ungeheure Vielfalt des Seins wie der Erfahrung muß einem Menschen einmal aufgegangen sein. Ist das nicht der Fall, so kann jemand ein sehr wertvoller Staatsbürger sein, zur Philosophie hat er so wenig Zugang, wie ein Regenwurm zu einer Symphonie." Trotz alledem halten wir den folgenden kurzen Abschnitt für geeignet, einen ersten Begriff von dem neuen Werk Paul L. Landsbergs und von seinem Geist zu geben. Man kennt das Schlagwort vom Ende der Humanitätsidee und die hilligen Spöttereien über „Humanitätsduselei". Wie weit die klassische Humanitätsidee der Kant, Lessing, Herder, Goethe, Schiller, Humboldt — um nur die größten deutschen Vertreter zu nennen — durch die titanische Gestalt des Übermenschen, die Verkündigung Nietzsches, in eine Krisis getrieben ist, wie weit sie unserem heutigen Wissen vom Menschen noch entspricht, insbesondere die Fruchtbarkeit unserer historischen Erfahrungen, z. B. des Weltkrieges, zu deuten vermag: das sind ohne Frage tiefe und überaus erregende Probleme. Wenn wir einmal wirklich und ernstlich den naturalistisch-materialistischen Wust der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aufgeräumt haben werden, so werden wir auch die eigentliche Größe des Idealismus der Humanitätsidee und des dazu Wandansicht der Synagoge des Samuel Abulafia in Toledo Zu dem Aufsatz von Prof. Landsberger (Vortrag am Donnerstag, den 4. Oktober, im „Museum") gehörigen Ethos wieder vor Augen haben, das Solidarität mit Allen, die dieser Idee dienen, mit streng individueller Bildung zu vereinen sucht. Es wird dann möglich sein zu fragen, ob in dieser, von Sympathie für die Menschheit getragenen Auffassungsweise nicht gerade die wesentliche Mitte getroffen wird zwischen naturalistischer Erniedrigung und titanischer Überhebung des Menschen und ob der Mensch nicht gerade aus dies'er Humanitätsidee lernen könne, sich in der richtigen Ehrfurcht zu dem zu stellen, was über ihm, unter ihm, mit ihm und in ihm ist. Die philanthropische Humanitätsidee Herders stammt keineswegs aus Ressentiment, aus Weichlichkeit, aus Bedürfnis nach Optimismus oder aus einer Täuschung über den empirischen Menschen. Ihr wahres Ethos liegt in einem klaren, gefühlsmäßigen Ergreifen dessen, was aus jedem Menschen im einzelnen und aus der Menschheit im ganzen werden Moderner Chanukkah-Leuchter aus Zedernholz Aus der Kolonie Sichron-Jacob in Palästina Zu dem Aufsatz von Prof. Landsberger (Vortrag am Donnerstag, den 4. Oktober, im „Museum")

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