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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-10-01 · 19 (1.10.1934) · p. Seite 390

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
19 (1.10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 390 (sequence 2)
Language
German
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390 Bayerische Israelitische Ijemeindezeitung "Nr. 19 Sederplatte aus Zinn Zu dem Aufsatz von Prof. Landsberger (Vortrag am Donnerstag, den 4. Oktober, im „Museum") selber gekommen ist, so mußte zu allererst die Herkunft von Himmel und Erde vorausgeschickt werden. Das ist der eigentliche Grund, warum die Genesis mit einer Schöpfungsgeschichte beginnt, und dieser Zweck hat die Ausführung im einzelnen bestimmt. Sie läuft auf den Menschen hinaus, denn er wird der Träger der toledot und aller Geschichte sein. Also wird die Entstehung des Bodens, auf dem, und der Umgebung, in der er wirken soll, geschildert, d. h. es wird beschrieben, wie diese Erde, auf der er leben und herrschen, arbeiten und ruhen soll, für ihn zurechtgemacht wird, — die Entstehung der Tiere, die ihm dienen, — der Pflanzen, von denen er sich nähren soll, — der Gestirne, die ihm zu leuchten haben, — das Heraustreten der von ihm zu bewohnenden Erde aus den Wassern, — und vor den Ortsbereichen und ihren Bewohnern als Erstes das Licht, das Maß der Zeit. Dies alles in dem Rahmen eines Sechstagewerkes, nicht um die Schöpfung als einen Geschichtsver- "8*0* w*n twy mm w Der Sündenfall Aus einer französ. Bibel des XIV. Jahrhunderts (Brit. Museum) Zu dem Aufsatz von Prof. Landsberger (Vortrag am Donnerstag, den 4. Oktober, im „Museum") lauf darzustellen und ihre Chronik zu schreiben, sondern um das Weltall nach seiner sinnvollen Gliederung und der Verschiedenheit seiner Werkstücke vor uns aufzubauen und mit der Ruhe am Eingang des siebenten Tages, der um deswillen gesegnet und geheiligt ist, zu schließen. Die Erzählung will also (wenn es überhaupt nötig ist, dies festzustellen) nicht wissenschaftliche Spekulationen und Definitionen geben, sondern dient dem praktisch-religiösen Interesse, den Sinn der Welt aus ihrer Herkunft begreiflich zu machen und dem Menschen seine Stellung auf der Erde anzuweisen. Das Sechstagewerk, das dem Menschen sein Haus baut und einrichtet und ihn an den gedeckten Tisch setzt, beginnt aber erst mit dem zweiten Verse. Von hier ab geschieht es, daß die Erde zubereitet wird, desgleichen derjenige Himmel, der für das irdische Leben des Menschen die Ergänzung bildet: das sichtbare Firmament, unter dem die Vögel dahinfliegen, an dem die leuchtenden Gestirne haften und über dem die Wasser aufbewahrt sind, die, sei es als Segen, sei es als Strafmittel und Geißel herabkommen. Nicht das All geschaffen hat Gott in diesen sechs Tagen, sondern Himmel und Erde gemacht. Daß zwischen diesen Begriffen NTH und n&'V ein Unterschied gemacht werden soll, hat die Thora deutlich zu erkennen gegeben, indem sie sie nebeneinander stellt und auf ihr gegenseitiges Verhältnis aufmerksam macht. Das Verbum n&y bezeichnet das zweckvolle Herstellen, bei welchem einer Sache eine bestimmte Eignung und Wirkungsweise mitgegeben wird, daher es nicht nur dem Menschen, Goldzwischengläser aus den jüdischen Katakomben zu Rom 3. Jahrhundert n. Chr. Zu dem Aufsatz von Prof. Landsberger (Vortrag am Donnerstag, den 4. Oktober, im „Museum") sondern als naturgemäße Entwicklung auch den Pflanzen zugeschrieben werden kann. Eine solche uranfängliche Schöpfung aus dem Nichts durch Gott, im Gegensatz zu Entwicklung oder Herstellung aus oder Zeugung durch ein bereits Vorhandenes, gedacht, gelehrt und in lapidarer Kürze mit ihrem ersten Satze an die Spitze gesetzt zu haben, ist die erste Großtat' der Thora, des religiösen Genius Israels. Alle andern Kosmogonien lassen die Welt aus einem von Ewigkeit her daseienden Urstoff entstehen oder gebildet werden, und keine andere Religion oder Philosophie hat diesen letzten Schritt gewagt. Erst durch diese Lehre wird Gott aus dem bloßen Weltbildner der unbedingte Herr des Alls. Kein Satz konnte würdiger sein, das Buch der Bücher zu beginnen, und nur ein gänzliches Durchdrungensein von der absoluten Obmacht Gottes und die entschiedenste Konsequenz des religiösen Denkens konnte ihn hervorbringen. Der Erkenntnis ist er ebenso verschlossen wie das unbegreifliche Wunder der Freiheit des Willens als ein außerhalb der Kausalität stehender neuer Anfang und wie diese, wenigstens nach der Auffassung der Thora und des Judentums, ein Postulat der praktischen (religiösen) Vernunft, „das Fundament der Fundemente" (Maim. Jad Chasaka erster Satz, More II 13 30). Um den Sinn zu treffen, muß man einen Nachdruck auf das zweite Wort legen: Im Anfang schuf Gott.

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