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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-09-17 · 18 (17.9.1934) · p. Seite 370

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
18 (17.9.1934)
Date
1934-09-17
Page
Seite 370 (sequence 6)
Language
German
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370 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig f lUßlßMer C*Jt#- mündjm. hnXaroalai tigen jüdischer Herkunft manchmal vernachlässigt wurden. Auch ein Stück bayerischer jüdischer Geschichte ist mit der Gestalt Oscar Wassermanns verbunden. Das Bankhaus A. E. Wassermann, dem er entstammt, blickt auf eine lange ehrenvolle bayerische Tradition zurück. Den Namen Wassermann hat die Familie schon im 17. Jahrhundert geführt. Der Regensburger Schutzbrief von 1692 schützte die Familie nicht vor den Verfolgungen, bis sich die Wassermanns in dem schwäbischen Städtchen Harburg an der Wörnitz niederlassen konnten, wo der Fürst von Oettingen-Wallerstein die Emigranten aufnahm. Elkan Wassermann zu Harburg wurde durch eine Urkunde des Fürsten von Wallerstein vom 18. März 1785 als Salzfaktor des Fürstentums bestellt. Auch sein Sohn, Amschel Elkan Wassermann bekleidete das gleiche Amt beim Fürsten Krafft Ernst von Oettingen-Wallerstein. Am Hof dieses Fürsten konnte Amschel schon 1783 sein Bank- und Warengeschäft gründen, das in den napoleonischen Kriegen einen großen Aufschwung nahm. 1848 wird das Bankgeschäft von Wallerstein nach Bamberg verlegt. Die Enkel Angelo und Emil Wassermann treten in königlich bayerische Dienste. König Otto von Griechenland, der Sohn König Ludwigs I. v. Bayern, überträgt der Firma die Geschäfte seiner Kabinettskasse. Im Jahre 1866, als der Einmarsch der preußischen Truppen befürchtet wird, erhält die Firma A. E. Wassermann zu treuen Händen die Bestände der Königlich Bayerischen Staatsbank zu Bamberg. Seitdem hat das Haus Wassermann das Vertrauen der bayerischen Regierung. Die besonderen Verdienste um das bayerische Königshaus verschafften Angelo Wassermann den bayerischen Adelstitel. Angelos Sohn, August von Wassermann, ein Vetter des eben Verstorbenen, entdeckte die nach ihm benannte Blutreaktion und macht den Namen Wassermann unsterblich. Oscar Wassermann, am 4. April 1869 als Sohn Emils, des Bruders Angelos, in Bamberg geboren, trat zunächst nach einer Lehrzeit in München bei dem verwandten Bankhaus J. L. Feuchtwanger In das Bamberger Stammgeschäft ein, bis er die Mitleitung der Berliner Filiale übernahm. 1912 wird er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. Seine Tätigkeit in den letzten 20 Jahren, zum Schluß die von ihm durchgeführte Fusion der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft und die Überwindung der großen Krise des Jahres 1931, gehören der neueren deutschen und europäischen Wirtschaftsgeschichte an. In den wichtigen Geschäftsberichten, die Wassermann selbst abfaßte, in den neueren Werken von Solmssen, Zielenziger u. a. mag man diese Epoche, in der Wassermann eine wichtige Rolle spielte, nachlesen. Wo es galt für das große allgemeine Wohl zu wirken, fehlte Oscar Wassermann nie. Er hat sich vor allem — ohne mit Dank oder Ehrungen zu rechnen, die ihm stets gleichgültig waren — jederzeit in die ersten Reihen der Vorkämpfer für das Judentum gestellt, unter voller Wahrung seiner deutschen Gesinnung. Die Förderung des jüdischen Aufbauwerkes im Heiligen Land, seine stete Hilfsbereitschaft, sein Mut, auch wo es unpopulär war, als Jude aufzutreten und Gutes zu wirken, sichern dem Verewigten einen Ehrenplatz in der deutsch-jüdischen Geschichte des letzten Menschenalters. F. Aus der Zeiff bevor unsere \ Zu der Neuausgabe von Tend Der Schocken-Verlag bereichert seine schöne Sammlung, die sich mit ihren ersten neun Bändchen jedes jüdisch fühlende Herz erobert hat, durch drei neue prächtige Stücke (der geringe Preis von RM. 1.25 bei wirklich erlesener Ausstattung, die der geglückten Auswahl entspricht, macht jedem von uns die Anschaffung für uns selbst und um anderen Freude zu machen, leicht). Die drei neuen Bände seien hier vorgestellt: „Von der Franckfurter Juden Vergangenheit (Sitten und Bräuchen), Aus Johann Jacob Schudts «Jüdischen Merckwürdigkeiten anno 1714»", ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Efraim Frisch. — Martin Buber, Geschichten von Engeln, Geistern und Dämonen. — „Sprichwörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit", aufgezeichnet aus dem Munde des Volkes und nach dem Sinn erläutert von Abraham Tendlau. Zu der neuen Sprichwörter-Sammlung einige Bemerkungen: KÜChenmelSt8f Weinessig I für Salate und zum Einmachen. Magister München 7 B orfahren Staatsbürger wurden aus Sprichwörtersammlung Wer die gekürzte Neuausgabe des alten Tendlau aufschlägt, wird gebannt weiterlesen. Nicht ohne widerstreitende Gefühle wird man das kleine Buch weglegen. Man muß sich, um nicht von Trauer, vielleicht sogar von einem nicht zu besiegenden Unwillen, ja Widerwillen gefangen zu werden, Folgendes klar machen: Hier spricht die Kleinwelt unserer deutschen, wir können sagen unserer süddeutschen, Vorfahren, wie sie vor hundert Jahren, nach drei Jahrhunderten eines furchtbaren Niederganges (wie er in seinem vollen Ausmaß bis jetzt noch nicht klar genug beschrieben wurde), seelisch, geistig, gesellschaftlich, wirtschaftlich verfaßt waren. Sehen wir diese 121 typischen Redensarten, ihren Geist und ihre Form recht genau — unbestechlich genau, ohne Sentimentalität — an! „Das haasst mer: Seinen Seechel für Bruch weggebe'!" — Oder ein anderes Beispiel: „E verschütte Bsom-Büchs'!" — „Er eßtRettig un sie Radiescher!" — „Er hot 's Masel vom Goj!" Bedarf es wirklich der m.unitiösen Wort-und Sinnerklärungen des damaligen Wiesbadener Bezirksrabbiners aus dem Jahre 1860, um diese Wendungen noch zu verstehen. Gehen sie nicht noch in unserer Mitte um? — Schwieriger vielleicht, wenn auch nicht weniger bezeichnend, die nachfolgenden

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