Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 17 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 354 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728017--09661-2742942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
354 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHÜHE Der Israelitische Verein zur Unterstützung mit Brennmaterialien bringt zur Kenntnis, daß Gesuche auf Zuteilung von Brennmaterialien für die kommende Heizperiode bis spätestens 15. September 1934 einzureichen wären. Er weist dabei darauf hin, daß später eingehende Gesuche keine Berücksichtigung finden können. Die Gesuche sind an Herrn Karl Löwenthal, Schützenstraße 6, zu richten. Der jüdische Kindergarten, Herzog-Rudolf-Straße 1, wurde während der Sommerferien renoviert und ist ab 3. September wieder wie bisher täglich (Montag bis Freitag) von 9—12 Uhr geöffnet. Anmeldungen im Kindergarten oder bei Frau Jeidel, Wagmüllerstraße 16, Tel. 29 68 90. |David Horn | Fern seiner Wahlheimat München ist Herr David Horn im Alter von 67 Jahren nach schwerem Leiden verschieden. Ein wahrhaft jüdisches Leben ist ausgelöscht. Es war erfüllt von höchster Treue und Liebe zum Judentum. Als langjähriges Mitglied der Gemeindevertretung, als Leiter der von ihm gegründeten Ostjüdischen Vereinigung, als tätiger, begeisterter Kämpfer für den zionistischen Gedanken — überall setzte David Horn seine ganze Person selbstlos für die Idee ein und war seinen Brüdern Helfer und Beispiel. Im vergangenen Jahre zwang ihn das Geschick, München zu verlassen, wo er 30 Jahre lang unermüdlich für das jüdische Gesamtwohl gewirkt hatte. Mit der Gattin und den nächsten Angehörigen trauert ein großer Kreis der jüdischen Gemeinschaft um einen der besten und edelsten Freunde. Aus bayerischen Gemeinden Amberg. Im Alter von 53 Jahren ist in Amberg Kaufmann Benno Weinschenk plötzlich durch Herzschlag verschieden. Herr Weinschenk hat sich um die Kultusgemeinde Amberg, wo er seit vielen Jahren das Amt des 2. Vorsitzenden innehatte, große Verdienste erworben. Seiner Initiative und seinen Bemühungen ist es zu danken, daß die Gemeinde Amberg eine eigene Begräbnisstätte erhielt; vorher mußten die jüdischen Beerdigungen in Sulzbach stattfinden. Das Geschick hat es gewollt, daß er als erster seine Ruhestätte im neuen Friedhof fand, der am Tage seiner Beisetzung eingeweiht wurde. Die Beteiligung an der Beisetzung war groß. Viele Feldkameraden, mit denen er vier Jahre Schulter an Schulter an der Front stand, gaben ihm das letzte Geleite. Die Vereinigung ehemaliger 6er, der er viele Jahre als treues Mitglied angehörte, ehrte ihn bei seinem Austritt, der durch die Zeit bedingt war, durch ein herzlich gehaltenes Schreiben, das die großen Verdienste und die treue Kameradschaft, sowohl im Felde wie auch nach dem Kriege, besonders zum Ausdruck brachte. Herr Weinschenk war mit dem M.V.Kr. ausgezeichnet. Kaufen Sie unsere «jiite ILIei«lmif| Itosciifekler Ba^e. 5 Binswangen in Schwaben. Anläßlich eines Besuches in seiner Heimatgemeinde hielt Herr Hauptlehrer Neuburger aus Philippsburg zwei Vorträge über den letzten Rabbi von Binswangen, J. A. Gunzenhauser s. A., sowie über die Bedeutung und Auslegung der wichtigsten Gebete an den Jomim-Noroim und des Alltages. Bei beiden Vorträgen war das Gotteshaus von sämtlichen Gemeindeangehörigen besucht, die den Worten des Sohnes ihrer Gemeinde aufmerksam und dankbar folgten. Bad Kissingen. Am Dienstag abend, den 7. August 1934, fand unter überaus großer Beteiligung der Gemeindemitglieder sowie der anwesenden jüdischen Kurgäste in der hiesigen Synagoge eine würdige Trauerfeier für den dahingeschiedenen Reichspräsidenten von Hindenburg statt. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Ephraim, der den Verblichenen als einen wahrhaft Großen feierte, der nicht nur das Schwert zu führen verstand, sondern vor allem dem Wiederaufbau Deutschlands seine ganze Kraft widmete. Seine Persönlichkeit war gestaltet durch tiefe Religiosität, durch wahrhafte Gottverbundenheit, die sich oft im Gebet bewährte und die ihn bis in die letzten Stunden zu unseren heiligen Psalmen und Propheten hinzog. Er war ein Held der Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Ritterlichkeit, auch uns Juden gegenüber, und so hielt er seinen jüdischen Frontkämpfern stets Treue gegen Treue. Die Feier war umrahmt von feierlichen Psalmvorträgen durch Herrn Lehrer Steinberger und von weihevollen Gesängen des Synagogenchors unter Leitung des Herrn H e y m a n n. Neumarkt i. Oberpfalz. Seinen 70. Geburtstag feierte am 26. August Herr Kultusvorstand A. Baruch. Herr Baruch wirkt seit Jahrzehnten in der Verwaltung seiner Gemeinde, mit der er aufs innigste verwachsen ist und für deren Wohl er sich in aufopfernder Weise eingesetzt hat. Aus dem Reiche Professor Eibogen 60 Jahre Am 1. September feiert der bekannte jüdische Geschichtsforscher Professor Dr. Ismar Eibogen seinen 60. Geburtstag. Professor Eibogen, der seit dem Jahre 1903 an der Lehranstalt (früher Hochschule) für die Wissenschaft des Judentums in Berlin tätig ist, wurde 1874 in Schildberg, Provinz Posen, geboren. 1893 bis 1899 besuchte er das Jüdisch-theologische Seminar und die Universität Breslau und wurde dann als Dozent an das Collegio Rabbinico Italiano in Florenz berufen. 1922 bis 1923 hielt er als Gastprofessor Vorlesungen am Jewish Institute of Religion in New York. Sein Hauptwerk „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", das auch ins Hebräische übersetzt wurde, gibt eine zusammenfassende Darstellung seiner eigenen und früherer Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Geschichte der jüdischen Liturgie. Seine ,,Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates" ist auch ins Englische und Schwedische übersetzt worden. In jüdischen wissenschaftlichen Vereinigungen und öffentlichen Körperschaften spielt Professor Eibogen eine hervorragende Rolle. An den Arbeiten der Reichsvertretung der deutschen Juden und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nimmt er regen Anteil. Er ist Vorstandsmitglied der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, der Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaft des Judentums und des Berliner Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Ferner gehört er dem Verwaltungsrat des Judaistischen Instituts der Universität Jerusalem an. An der deutschen und hebräischen Ausgabe der „Encyclopaedia Judaica" hat er als Fachredakteur