Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 17 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728017--09654-2742935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 347 <Der ^orftcmÖ Öer OfraelUfföen Suttu3gemetnÖe SMncfcn. 3tn öfc JBüglicÖct der ßultusgemdntic! Dte fjoljen fteferfage ftefjen Beoor. TJodj mefjr afö fonft füfjfen toiv unä in Öfefer 3eft mit unfcrer reffgt'ofen ©emetnfajafi oerbun&en. 2ötr Sitten in Dtefen Sagen Öer ßnnnerung nfa?t nur Der efngefnen 33eÖürfttgen, fonöern aud> Der großen Tiot unferer ©emefnDe su geöenfen. 55fefe finö unferem CRufe fdjon gefolgt, aber noa? fange nfdjt genug, um Öem Dringenden 33et>arf 3U genügen. Äetner Öarf abfettö Mefben, wenn Öte ©emefnöe unö ffyre £tnrfcf)tungen erhalten toeröen (ölten I 3Dtr erneuern befyalb unfctc fjccslirfjc Qütt und ticing(uf)|tc!Hat)nung: UfeCgCßi f\\d)t öie an öa$ Jjuianjamt ju fiesafilenflen to pco?cnt ßultuäumlagen flurrfj fccitniUigc 2I6fütytung öon äjeUecen 5 präsent an öle Safte äec ßultuägememfle ttlunrfjen, poftfrijetffonto illündjen flr.i£4/ 3" ergangen! $r. Hcumtyer. dieses Wortes und im Bewußtsein seiner Verpflichtung Teschuwoh zu tun, jedem Nebenmenschen in der Teschuwoh helfen. Das göttliche Erbarmen ist die Quelle aller menschlichen Liebe; auf Gnade hoffen darf nur, wer anderen Liebe nicht weigert. Wann aber hätten wir Gnade und Liebe notwendiger als dann, wenn wir uns um das bemühen, woran mit besonderer Eindringlichkeit die hohen Tage uns mahnen: Teschuwoh. L. Baerwald Seelengebet und Trostworfe Aus der „Welt der Gebete" Es wird viel geklagt, daß uns der Zugang zu unseren eigenen Quellen überaus schwer gemacht ist. Ein großer Teil von uns hat selbst das Tor hinter sich mit einem hörbaren Knall vorschnell zugeschlagen; und seit der Zeit der Eltern und Voreltern war das Gesicht vieler nur nach außen gerichtet. Es geht hier nicht um Schuldfragen. Anklagen werden nicht erhoben. — Es ist richtig: Mit dem gesprochenen und geschriebenen Wort kann man nicht in einem oder in zwei Jahren eine, so vielfältige in sich gespaltene, wenig einheitliche Gemeinschaft wie die der deutschen Juden zu sich selbst zurückführen. Häufiger wie früher wird die Frage nach literarischen Hilfsmitteln an uns gerichtet; viele tuen diese Frage mit dem besten Willen, um wieder Kenntnisse zu erwerben, sich wieder zurecht zu finden. An der inneren Bereitschaft fehlt es nicht mehr. Wir können uns auch über Menge und Verschiedenartigkeit von Veröffentlichungen aller Art zu den Fragen der jüdischen Geschichte und Literatur, der jüdischen Gegenwart unseres Volkstums und unserer Religion nicht beklagen. Aber es gibt doch wenig Werke, die man mit der absoluten Beruhigung, hier etwas Bleibendes und wirklich jenseits des Tages Gültiges empfohlen zu haben, in die Hände aller Altersklassen, jeder Richtung und jedes Bildungsganges legen kann. Als eine hervorragende Leistung zur Rückführung der deutschen Judenheit zu ihren angestammten alten Gütern, hat sich immer mehr das liturgische Hilfsbuch des Ansbacher Rabbiners Dr. Elie Münk: „Die Welt der Gebete — Olam hathefilloth, Kommentar zu den Werktags- und Sabbathgebeten" herausgestellt. Von dem Werk war hier wiederholt die Rede. Es ist in diesen Blättern im vorigen Jahr von Rabbiner Dr. Ernst Jacob-Augsburg ausführlich besprochen worden. Je öfter wir das Buch zur Hand nehmen, desto mehr sind wir von Dankbarkeit bewegt für den großen Reichtum des hier Gebotenen. Es ist etwas von allem Literarischen und Gelehrten völlig Abseitiges, das uns bei diesem Werk anzieht, wir dürfen ruhig sagen, rührt und begeistert. Die Fülle des großen, einfach und schlicht vorgetragenen Wissens versteht sich bei einer Persönlichkeit wie Elie Münk, aus dem frommen und gelehrten Haus, von selbst. Aber wie hier alles, auch das längst bekannte, neu vorgebracht wird, die Einfachheit und Eindringlichkeit des Vortrages, der Beziehungsreichtum zum alten und neuen im besten Sinn arteigenen jüdischen Schrifttum, das Schmucklose, Uneitle, Phrasenlose dieser Sprache: Hier scheint uns das Buch gegeben, das wir heute brauchen, keine gelehrte Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, keine spekulativen Theorien und homiletischen Auslegungen, sondern die einfachen Texte mit strenger Gewissenhaftigkeit übersetzt, unter Darstellung ihres inneren Aufbaues und ihrer Gebrauchspraxis, der Gebetszeiten, der Gebetsfolgen und der inneren Zusammenhänge. Hier werden in der Tat „Die Tore des Gebets" wieder erschlossen. Der Verfasser vergißt in seinem Vorwort nicht hinzuzufügen, daß eine ernste Forschung sich der Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung bestimmter kabbalistischer Gedankengänge gerade für die Auffassung der Gebete nicht verschließen und sie folglich keinesfalls vernachlässigen darf. Nicht um Ursprung oder Zeitbedingtheit oder um das „Wesen" des Gebetes in moderner Kenntnisübermittlung, mit modernen Methoden und philosophischen Termini geht es, sondern um ein Buch des praktischen Gebrauchs für jedermann, der noch hebräisch lesen oder einem Gottesdienst Wort für Wort zu folgen vermag.