Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 16 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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334 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig UMfelder* CmJki ttlündva. imflamttal Anteil. Herr Behr steht seit der Gründung des Heims an leitender Stelle in der Verwaltung des Heims. Seit Bestehen des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz gehört Herr Behr dem erweiterten Ausschuß des Verbandes an. Mögen dem verdienstvollen Jubilar an der Seite seiner verehrten Gattin noch viele Jahre in Gesundheit und Rüstigkeit beschieden sein! Aus der Gemeinde München Jacques Rosenthal 80 Jahre! In größter Zurückgezogenheit beging, wie wir erst jetzt erfahren, der Hof-Antiquar Jacques Rosenthal am 17. Juli seinen 80. Geburtstag. Die Bedeutung dieser Persönlichkeit für Wissenschaft und Antiquariat im In- und Ausland kann kaum überschätzt werden. Wer sich mit dem Achtzigjährigen in allerletzter Zeit fachlich unterhalten konnte, bewunderte seine erstaunliche Gedächtniskraft und sein scharf ausgeprägtes Urteil. In seiner Person verkörpert sich in einzigartiger Weise die fruchtbringende wechselseitige Beziehung zwischen Wissenschaft und Antiquariat. Dem Fachblatt des deutschen Antiquariats entnehmen wir über den Lebensgang des Jubilars die folgenden Ausführungen: Seit seinem 16. Jahr der Welt des Buches verfallen, war er bereits mit 18 Jahren Teilhaber bei seinem 14 Jahre älteren Bruder Ludwig, für dessen Firma er in den 80er Jahren auf zahlreichen und langen Auslandsreisen geschäftliche Verbindungen anknüpfte und pflegte, und auf denen er sich alles fehlende Wissen und Können aneignete (so z. B. in Paris bei L. Delisle, dem gelehrten Paläographen und Vorstand der Bibliotheque Nationale). Uber ein .halbes Jahrhundert mit Schrift und Druck und ihrem Werden verwachsen, fast 40 Jahre an der Spitze eines Unternehmens, das sich Geist, Wissenschaft und Tradition verpflichtet fühlte, ist es kein Wunder, wenn Jacques Rosenthal außer mit seinen Fachkollegen mit den bedeutendsten wissenschaftlichen Instituten und Gelehrten der ganzen Welt in persönlichen und geschäftlichen Beziehungen steht. Konr. Haebler, Graf Alex. Apponyi, P. Durrieu sind berühmte Autoren seines Verlags, in den „Beiträgen zur Forschung" (N. Folge seit 1927) kommen alte und junge Gelehrte zu Wort (der Sohn, Dr. Erwin R., erweist sich hier als würdiger Nachfahre), und im Antiquariat selbst haben junge und werdende Menschen in alten und neuen Tagen in gleicher Weise gelernt, was strenge, hingebungsvolle und verantwortungsbewußte Arbeit heißt und bedeutet, und ihre spätere Tätigkeit fiel ehrenvoll auf ihren Lehrmeister zurück. Qualitäts-Zigarren! Alfred KlOpffer Maximiliansir&ooo 1 u Fernruf 27 0 39 Das deutsche Antiquariat und die deutsche Wissenschaft haben dem Jubilar sehr viel zu danken. Sie mögen es ohne Ressentiment tun, denn die Lebensarbeit dieses Mannes hieß: Pflege der Tradition und Dienst am deutschen Geist. In diesen Blättern dürfen wir noch hinzufügen, daß aus dem Antiquariat von Jacques Rosenthal Kataloge .über alte und seltene Hebraica und Judaica von wissenschaftlich besonders hohem Wert hervorgegangen sind, daß sich in seinem Haus auch jüdische Gelehrte Rat und Wissen geholt haben. Die' innigsten Wünsche der Gemeinde München begleiten den Jubilar und seine Familie auf seinem weiteren Lebensweg. Zum Hinscheiden von Frau Paula Lonnerstädter Durch das allzu frühe Hinscheiden der Leiterin des Israelitischen Pensionats an der Kaulbachstraße, Frau Paula Lonnerstädter, hat die Anstalt der Kultusgemeinde einen schweren Verlust erlitten. Die Verewigte hat das Pensionat in vorbildlicher Weise hauswirtschaftlich geleitet. Ihr Andenken wird von der Gemeinde und den Pensionären in Ehren gehalten. Max Krämer 70 Jahre Am 25. August vollendet Herr Max Krämer. Trautenwolfstraße 4, das 70. Lebensjahr. Wo es um die verständnisvolle Pflege des Schönen und Guten in früheren glücklicheren Jahrzehnten ging, konnte man mit seiner tätigen und begeisterten Teilnahme rechnen. Ein Jugendlicher trotz 70 Jahre geht Max Krämer an der Seite seiner liebenswerten Lebensgefährtin ins achte Lebensjahrzehnt. Aus bayerischen Gemeinden Kitzingen. Am 26. August begeht Herr Isidor U11 m a n n , 1. Vorstand der israelitischen Gemeinde Kitzingen, in körperlicher und geistiger Frische den 70. Geburtstag. 101 Jahre alt Die älteste Einwohnerin Nürnbergs^, eine der ältesten, wenn nicht überhaupt die älteste Glaubensgenossin in Deutschland, Frau Helene Kahn, geb. Hirschmann, feiert am 25. August ihren 101. Geburtstag. Ganz selten nur ist es Menschenkindern vergönnt, diese Altersstufe in solch geistiger Frische zu erreichen. Frau Helene Kahn liest mit größtem Interesse täglich ihre Zeitung und verfolgt das politische Geschehen und alle Tagesneuigkeiten mit lebhafter Anteilnahme und hellem Verständnis. Dabei ist sie trotz ihres hohen Alters keineswegs untätig. Sie hilft der 76jährigen Tochter den Haushalt versehen, sie strickt Strümpfe für Enkel und Urenkel, ja, ihre Augen gestatten ihr sogar noch Kreuzsticharbeit. Aus Steppach bei Augsburg stammend, heiratete sie nach dem schwäbischen Ludwigsburg, wo ihr Gatte als Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde wirkte. Berthold Auerbach verkehrte dort als Freund des Hauses. Die Kriege von 1866. 1870/71 und den Weltkrieg hat sie erlebt. Nach des Gatten Tod siedelte sie 1878 nach Nürnberg über, wo sie seit nunmehr 56 Jahren lebt. Tochter, Enkel und Urenkel feiern das seltene Fest des 101. Geburtstags mit der Jubilarin, die sich ihrer geistigen Regsamkeit und Lebendigkeit weiter erfreuen möge. H. Aus dem Reiche Zum Tode des Reichspräsidenten Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat an das Büro des Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: „Tiefe innige Trauer um den Heimgang des Reichspräsidenten erfüllt die deutschen Juden. Als ein Mann, dessen Persönlichkeit dem Gedanken der tapferen Pflicht seine Wirklichkeit gab, als ein Mann, der dem Alter, das die Bewährung eines Lebens erwarb, seine Größe verlieh, als ein Mann, der das gemeinsame Ganze immer sah, immer auf das Vaterland, das alle umschließt, den Blick richtete, als ein Mann der Ger (Fortsetzung auf Seite 337)