Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 16 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 333 2. Auffindung eines unbekannten Manuskripts Leon da Modenas In Ancona wurde von dem bekannten Historiker und Bibliographen Prof. Jesaja Sonne, der vom Verband der Jüdischen Gemeinden Italiens beauftragt wurde, die alten Bibliotheken in allen Jüdischen Gemeinden des Landes zu ordnen, ein bisher unbekanntes Manuskript des berühmten Historikers Leon da Modena, der von 1571 bis 1648 lebte, entdeckt. Das Manuskript enthält mehrere Arbeiten des großen venezianischen Rabbiners, die von hohem Wert für die jüdische Geschichtswissenschaft sind und eine Reihe bisher unbekannter Tatsachen über die Arbeiten Leon da Modenas und die Verhältnisse in seiner Zeit beleuchten. Prof. Sonne arbeitet an einer wissenschaftlichen Beschreibung des aufgefundenen Manuskripts. 3. Prof. Morals Zahnheilkundliche Bibliothek der Jerusalemer Universitäts-Bibliothek einverleibt Vor kurzem wurde der Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem die außerordentlich wertvolle etwa 1100 Bände umfassende zahnheilkundliche Büchersammlung des ehemaligen Professors an der Rostocker Universität Dr. Hans Moral einverleibt. Zu der Sammlung gehören auch zahlreiche Jahrgänge zahnheilkundlicher Zeitschriften in mehreren Sprachen. Vor kurzem erhielt die Universitäts-Bibliothek auch zwei Kisten mit wertvollen zahnheilkundlichen Büchern aus dem Besitz von Dr. Henry Wachtel in New York. 4. Ein Pseudonymen-Lexikon der hebräischen und jiddischen Literatur Im Heinrich-Glanz-Verlag ist ein von Dr. Chajes herausgegebenes Lexikon der Pseudonyme in der hebräischen und jiddischen Literatur erschienen. Das Lexikon, das 5145 Pseudonyme von der gaonischen Epoche im 10. Jahrhundert bis auf den heutigen Tag enthält, zeigt, wie stark neben der Tendenz der Autoren, ihre Namen in weitesten Kreisen bekannt zu machen, auch die entgegengesetzte, im Dunkel zu bleiben und hinter dem Werk zurückzutreten, in der jüdischen Literatur bemerkbar ist. In einem Geleitwort weist Dr. Chajes darauf hin, daß sich bei den Juden, die stets das Werk höher als den Verfasser schätzten, der Brauch herausgebildet hat, den Autor mit dem Namen des Buches zu bezeichnen. Pseudonyme dieser Art wurden in die Sammlung nicht aufgenommen, da ihre Zahl unendlich sei. Die Forschungen des Herausgebers haben zur Identifizierung der Autoren gewisser Werke mit Männern, die auf anderen Gebieten berühmt geworden sind, geführt. Diese Forschungen haben wertvolles historisches Material ergeben. In einigen Fällen setzt Dr. Chajes auch die Gründe auseinander, die zur Annahme des Pseudonyms geführt haben, so bei den berühmtesten Autoren der neueren Literatur Achad Haam (Ascher Ginsberg), Mendele Mocher Sforim und Schalom Alechem. 5. Die Zukunft der Universität Jerusalem. Berufungen jüdischer Gelehrter aus Deutschland Die Sitzung des Board of Governors der Hebräischen Universität Jerusalem wurde am 13. August in Zürich eröffnet. Das Mitglied des Kuratoriums Dr. Nathan Ratnoff, Präsident des American Jewish Physicians Committee, hat zunächst in Begleitung des New Yorker Arztes Dr. Golub in Palästina die Vorarbeiten zur Errichtung der geplanten Hadassah-Universitätsklinik eingeleitet. Von Jerusalem begab sich Dr. Ratnoff zur Sitzung des Kuratoriums in Zürich, um über den Stand dieser Angelegenheit zu berichten. Palästina wird bei der Sitzung außer durch den Universitätskanzler Dr.Magnes, durch die Mitglieder des Kuratoriums M. M. Ussischkin und Dr. Max Schioessinger, ferner durch Richter Gad Frumkin als Repräsentant der palästinensischen Gesellschaft der Freunde der Universität und durch den Universitätsarchivar S. Günsburg, ein Sohn Achad Haams, vertreten. Es ist zu erwarten, daß auf der Tagung, die unter der Leitung Dr. Chaim Weizmanns setht, neben der Frage von Beförderungen von Mitgliedern des akademischen Lehrkörpers und Problemen der Erweiterung der Universität, die Erörterung eines Berichtes einen breiten Raum einnehmen wird, der von einer Kommission zur Prüfung der Universitätsverwaltung und Ausarbeitnug von Vorschlägen zu ihrer Reorganisation erstattet wurde, der Sir Philip Hartog, Dr. Ratcliff Salaman und Prof. Louis Ginsberg angehören. Dr. Magnes und seine SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEAT1NERSTRASSE 17 Spezialität: BALL Y-SCHUHE Mitarbeiter haben eine Antwort auf diesen Bericht verfaßt. Es sind auch Berufungen hervorragender jüdischer Gelehrter aus Deutschland auf leitende Posten an bestehenden oder neu zu errichtenden Abteilungen zu erwarten. Die Berufungen sollen zunächst für drei Jahre erfolgen, doch ist Universitäts.- kanzler Dr. Magnes bemüht, eine Erhöhung der Vertragsdauer auf fünf Jahre durchzusetzen. 6. Neue archäologische Funde in Transjordanien Wie der „Osservatore Romano" meldet, führte eine Gruppe von Gelehrten verschiedener archäologischer Institute einige Sondierungen in den Beduinengebieten auf der Jerusalem gegenüberliegenden Seite des Jordans durch. Die ersten Grabungen wurden in der Nähe von Gebal Siagah, dem Berge, von dessen Gipfel Moses vor seinem Tode das Gelobte Land schauen durfte, vorgenommen, weil schon im vergangenen Jahre die franziskanische Scuola Biblica dort wichtige Funde zu verzeichnen hatte. Auch diesesmal waren die Grabungen von Erfolg gekrönt und förderten einige Tongefäße zutage, aus denen die Gelehrten die erste kulturelle Besiedelung dieses Gebietes für das zwanzigste bis achtzehnte Jahrhundert v. Chr. feststellen zu dürfen glauben. Nach dieser Zeit folgte eine Periode von fast fünfhundert Jahren, während der nur Nomadenstämme dort ihre vorübergehenden Wohnsitze aufschlugen. In den nächsten drei Jahrhunderten fand allerdings eine weit intensivere und ständigere Kultivierung der Gegend statt. Weitere Funde in der näheren Umgebung von Edom gestatteten mit einer gewissen Bestimmtheit, die sagenhafte transjordanische Metropolis ausfindig zu machen und ihren vermutlichen Standort zu bestimmen. Sie dürfte in der Nähe von Petra, dem heutigen Tawilan, von der Bibel Borzrah genannt, liegen und wurde von Edomitern bewohnt, denen dann die Nabateer und später die Araber folgten. Aus dem Verbände Justizrat Hommel scheidet aus dem Verbände Wie den Lesern der Zeitung bekannt, ist Herr Justizrat Dr. Hommel-Schweinfurt wegen Übersiedelung nach Palästina aus dem Rate des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und dessen Präsidium ausgeschieden. Mit großem Schmerze entläßt der Verband diesen Mann aus seinen Reihen. Seit seiner Gründung hat er in der vordersten Reihe die Verbandsaufgaben erfüllt und der Arbeit der Gemeinschaft ihr Gepräge gegeben. Er ist der beste Helfer der Land- und Mittelgemeinden gewesen, die Entwicklung des Verbandes und seiher Gesetzgebung ist wesentlich von ihm getragen worden. Er wird auch aus der Ferne dem Verbände seinen Rat zur Verfügung stellen. In die neue Heimat geleitet ihn der heiße Dank des Verbandes für seine treuen, unermüdlichen Dienste. Möge er eine freundliche Erinnerung bewahren an das Werk, das er in unserer Mitte geschaffen und möchten ihm noch viele Jahre geistiger und seelischer Kraft im Kreise seiner Familie beschieden sein. Dr. N. Neustadt a. d. Hardt. Herr Emil B e h r, der seit einigen Jahrzehnten an der Spitze der Gemeindeverwaltung steht und liier eine sehr verdienstvolle Tätigkeit entfaltet, beging soeben unter herzlichster Anteilnahme der Gemeinde und der pfälzischen Judenheit seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar ist auch seit vielen Jahren Mitglied der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und hatte an der Gründung des Israelitischen Altersheims der Pfalz hervorragenden M. JilLBERTHAll <& CO. KAUFIXGERSTRASSE lO Das Haus für hübsche Geschenke in Uli reu » Schmuck Silberwaren