Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 16 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Heuer wählt die Dame ihre PE LZ#GAR DE ROBE direkt bei S. ORLJANSKY& Co.r München, Neuhauserstr. 29 Jedes einzelne Pelzstück, das sie sich dort wählt, ist mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit so solide hergestellt, daß es viele Jahre als Schmuckstück und als Dauerwert ihre Wünsche befriedigt. anerkannten Matrikel an. Unter seiner Amtszeit wurde die rabbinische Gerichtsbarkeit eingeschränkt. Besonders Erwähnung verdient David Low Pomeissler, der mehr als 50 Jahre als Gemeindevorsteher („Roschokohl" Rosch-ha-quahal war der Titel des Gemeindevorstehers in Floß) wirkte. Nur eine untadelhafte und unbeugsame Persönlichkeit wie er war imstande, eine so unruhige Gemeinde wie die von Floß zu leiten. Auf eine besondere Pflege des inneren Gemeindelebens wurde unter seiner Führung Wert gelegt. Das Thorastudium fand eifrige Pflege, die religiösen Einrichtungen wurden ausgebaut; für den Jugendunterricht wirkten Privatlehrer. Die meisten Juden nährten sich vom Woll- und Tuchhandel. Ein Wohlstand kam bis in das zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts schon deshalb nicht auf, da sie sehr jung heirateten und kinderreiche Familien besaßen. Eine schwer empfundene und entehrende Last war der Leibzoll. Das Jahr 1813 brachte tief einschneidende Ereignisse. Es starb Pomeissler, und mit ihm war auch die Zeit der „Schutzjuden" abgeschlossen. Am 26. April brannte der ganze Ort Floß samt den meisten Judenhäusern und der Synagoge nieder; nur sieben Thorarollen konnten gerettet werden. Wenige Monate darauf zog der Rabbiner D. H. Horowitz wegen schlechter Bezahlung weg. Das wichtigste Ereignis dieses Jahres war die Einführung des Judenediktes. Jedes Gemeindemitglied mußte sich einen Familiennamen wählen. Die Gerichtsbarkeit der Rabbiner wurde völlig aufgehoben. Entgegen dem § 22 des Ediktes, der die politischen Judengemeinden aufhebt, rettete sich in Floß das letzte bayerische Ghetto bis fast in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Bei der Abgeschlossenheit der jüdischen Gemeinde auf dem Judenberg — im Orte selbst durften keine Juden wohnen — galt diese als eine eigene politische Körperschaft, die alle öffentlichen Institutionen, wie Nachtwächter, Feuerwehr. Armenpflege, eigene Hausnummern usw. selbst zu erstellen hatte. Dieses vom Staate selbst anerkannte jüdische Ghetto, als ein selbständiges Glied innerhalb der gesamten staatlichen Kommunalorganisation im 19. Jahrhundert, steht als ein einzigartiges Gebilde in dieser Epoche da. Im Jahre 1812 wurde die jüdische staatliche Volksschule gegründet. Der Begründer war der autokratische, in der Erinnerung der Nachwelt heute noch weiterlebende Landrichter Frhr. von Lichtenstein aus Neustadt an der W.-N., der zwar aufrichtig, aber oft mit zu weitgehender und ungerechtfertigter Strenge, bestrebt war, die Juden im Sinne des Ediktes von 1813 zu brauchbaren Menschen innerhalb des Staates zu machen. Die an Merkwürdigkeiten reiche Gemeinde hatte auch hier ihre Eigenart: eine jüdische Elementarschule ohne jüdischen Lehrer. Der Ortslehrer für katholische Mädchen war zugleich der Lehrer für jüdische Kinder. Erst 1878 übernahm Jonas Wetzler die jüdische Schule. Am 1. September 1921, unter Max Zeilberger, wurde die Elementarschule wegen zu geringer Schülerzahl aufgelöst. Rabbiner war seit 1813 Moses Wittelshöfer aus Baiersdorf. Die Gemeinde bestand hier aus 70 Familien. Das innere Gemeindeleben stand auch in dieser Zeit unter dem Zeichen des ewigen Streites. Aus diesem Grunde wählte man im Jahre 1816 den Rabbiner als Gemeindevorsteher. Jedoch schon 1817 legte er dieses Amt nieder und man betraute Low Pomeissler als Vorsteher, der, bezeichnend für die Unbeliebtheit des Amtes in dieser Gemeinde, besoldet werden mußte, später aber freiwillig auf Gehalt verzichtete. Da seit dem Brand der Gottesdienst in Privaträumen abgehalten werden mußte, ging man bald rüstig ans Werk, eine neue Synagoge zu errichten. Sie ist heute noch ein sehenswerter Bau und mußte damals wie ein öffentliches Gebäude nach den Plänen und Anordnungen der Regierung gebaut werden. Im März 1815 fand die Grundsteinlegung und am 22. August 1817 die Einweihung unter Anwesenheit zahlreicher weltlicher und geistlicher Behörden statt. Während des Weiheaktes hielt Rabbiner Wittelshöfer, neben einer längeren Ansprache nach alter Weise, auch eine deutsche Predigt, die gedruckt wurde. Es ist charakteristisch für die damalige Zeitanschauung, daß er sich darin wegen der deutschen Predigt ausdrücklich entschuldigte. Der Friedhoi, der bald nach der Gründüng angelegt wurde, und später wiederholt erweitert werden mußte, besteht heute noch. Viele hochverdiente Persönlichkeiten nennen die Grabmäler. Im Jahre 1840 starb Rabbiner Moses Wittelshöfer. Nachfolger wurde sein Sohn Israel, der letzte Rabbiner in Floß. Die Seelenzahl der Gemeinde sank infolge Abwanderung immer mehr, so daß sie gegenwärtig auf den Bestand der Gründungszeit zurückgesunken ist. Nach Israel Wittelshöfers Tod (1896) gehörte die Gemeinde anfangs zum Rabbinat Bayreuth und dann zum Bezirksrabbinat Regensburg, an dessen Spitze augenblicklich Dr. M. Weinberg, Regensburg, steht. Die Gemeinde kann durch Anschluß der zerstreut in den Filialörten in der bayerischen Ostmark lebenden Glaubensgenossen auch jetzt noch ihren Bestand aufrecht erhalten und hat durch Wiedereinsetzung eines Religionslehrers, des Herrn Oberlehrer Moses aus Mannheim, neuerdings ihren Lebenswillen bekundet. Zur Zeit it Herr A. Eisemann verdienter Vorsteher der Gemeinde. Herr Bezjrksrabbiner Dr. Weinberg hat sich durch seine unermüdliche Forschungsarbeit auf dem Gebiete der jüdischen Vergangenheit in der Oberpfalz dauerndes Verdienst erworben, auf Grund deren2 diese historische Darstellung möglich war. Kurt Lilien thal-Regensburg. 2 „Geschichte der Juden in der Oberpfalz". Von Bezirksrabbiner Dr. M. Weinberg, Kommissionsverlag der „ Ewer- Buchhandlung, München 1927. Wissenschaftliche Nachrichten 1. ProL Carl Joel in Basel gestorben Am 22. Juli ist in Wallenstadt der bedeutende Philologe und Historiker der Philosophie Prof. Dr. Carl Joel im 71. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene, ein Sohn des Religionsphilosophen Manuel Joel, stammte aus Hirschberg i. Schi., wurde im Jahre 1902 ordentlicher Professor an der Universität Basel und bekleidete im Studienjahr 1912/13 das Amt des Rector magnificus. In seiner Philosophie war er Vertreter der klassischen deutschen idealistischen Systeme, geschult an den Lehren von Kant, Hegel, Fichte, Schelling. Sein bedeutendstes Werk ist seine große Geschichte der Philosophie, die seit mehreren Jahren unter dem Titel „Wandlungen der Weltanschauung" in Lieferungen bei Mohr in Tübingen erscheint und vor dem Abschluß steht.