Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 16 (15.8.1934)
- Date
- 1934-08-15
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 1929: Infolgedessen neue Möglichkeit: Säuglingsstation für 4 Kinder. 1929 (Jahresende): Als Vermächtnis der Frau Elfriede Kohnstamm fielen dem Verein Zweidrittelsanteile an der Münchener Industrie-Hof G. m. b. H. zu, deren Vermögen in dem wertvollen Anwesen Lindwurmstraße 70/71 besteht. 1930: Einrichtung eines Mädchenheims, verbunden mit einer Wäscherei und Nähstube, in der erwerbslose Frauen und Mädchen beschäftigt werden. Eröffnung am 1. Januar im Hause Virchowstraße 1. Ende Mai Auflösung der Wäscherei und Nähstube wegen zu hoher Betriebskosten. Umfangreiche Verbesserungsarbeiten und Neueinrichtungen im Hause Antonienstraße 7. (Aufstellung eines Warmwasserkessels, moderne Einrichtung der Waschräume, ölanstrich in den Schlafräumen.) 1931: Umzug des Mädchenheims aus der Virchowstraße 1 in die Etagenwohnung Kaiserplatz 5 am 1. April. — Aufnahmemöglichkeit: 10—14 Mädchen. 30. Mai: Tod unserer unvergeßlichen Frau Lisi Löffler. 1932: Infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse Rückgang der Zahl der Haushaltlehrlinge und der Kinder, besonders der Säuglinge. Oktober: Auflösung der Säuglingsabteilung. Oktober: Auflösung des Mädchenheims wegen finanzieller Schwierigkeiten. November: Einrichtung eines Tagesheims für 10 bis 15 vorschulpflichtige Kinder. November: Eine Gruppe des freiwilligen Arbeitsdienstes wird dem Kinderheim angegliedert (15 bis 20 junge Mädchen unter Leitung einer Wirtschaftslehrerin). Aufstellen einer Baracke im Hof des Lehrlingsheims durch den Jugenddienst wegen Platzmangel. 1933: Am 15. April Auflösung des freiwilligen Arbeitsdienstes durch Anordnung des Stadtrates. Juli/Augusat: Wasch-, Bügel- und Flickkurs im Kinderheim. Oktober: Anwachsen der Schülerinnenzahl auf 30 junge Mädchen. 1934 (bis Juli): Weitere Zunahme der Schülerinnenzahl: 29 interne, 17 externe Schülerinnen. Rückgang der Kinderzahl. Erweiterung des Lehrlingsheims, Zahl gestiegen von 18 auf 30 Jungens. Wir danken allen, die uns ideell und materiell in den vielen Jahren geholfen nahen, die uns weiter trotz aller Schwierigkeiten treu zur Seite stehen und die es uns hoffentlich ermöglichen werden, unseren vielseitigen Aufgaben auch in Zukunft gerecht zu werden. Aus der Kinderabteilung der Israelitischen Jugendhilfe in München fl| Der freundliche Herr empfiehlt sich! Sie werden bei HH ihm eine zuvorkommende, freund- I^H liehe Bedienung, eine zuverlässige, ■ gewissenhafte Beratung finden! BAMBERGER & HERTZ Die zuverlässigen K I e i d e r f a c h I e u t e 250 Jahre Gemeinde Flofj Ein Jubiläum In diesem Jahre kann die Gemeinde Floß bei Weiden das Fest ihres 250jährigen Bestehens feiern. Im Jahre 1684 siedelten vier Juden mit ihren Familien namens Hirsch und Enoch1, die Söhne Meiers, sowie Eisik und Nathan, die Söhne des Feifaß (Phöbus) aus Neustadt a. W.-N. nach dem Markte Floß über. Diese Vier haben wir als die Stammväter der Gemeinde anzusehen. Die Aufenthaltserlaubnis galt vorerst für ein Jahr, der Schutzbrief wurde im Jahre 1685 ausgestellt. Die Ansiedler wohnten zuerst in Mietwohnungen bei Ortsbürgern. Am 10. Mai 1687 erteilte die Regierung in Sulzbach die Genehmigung, vier Familienhäuser auf der Anhöhe dicht neben dem Orte zu errichten. Sie durften keinerlei Vieh, nicht einmal Hühner, halten. Die kleine Ansiedlung, die sich verhältnismäßig rasch vermehrte, erhielt den Namen „Der Judenberg". Die junge Gemeinde betrachtete sich als Fortsetzung ihrer ruhmreichen Muttergemeinde Neustadt und übernahm deren Synagogenritus. In einem von Moses, Sohn des Hirsch, zur Verfügung gestellten Zimmer wurde Gottesdienst abgehalten. Die Isolierung der Judengemeinde, die weitab von irgend einer anderen Glaubensgemeinde lag, hatte eine merkwürdige Erscheinung zur Folge. Die wenigen Juden konnten sich in keiner Weise nach außen entfalten. Anknüpfungspunkte mit der christlichen Bevölkerung gab es in jener Zeit nur wenige. Gar mancher, der in größerer Umgebung sich in Wort und Schrift hätte betätigen können, war in diesem winzigen Kreis zur Untätigkeit verurteilt. Der Tatendrang strebte aber hinaus, der Geist suchte eine Betätigung, und da dies nicht möglich war, so erfolgten die Ausbrüche nach innen. Das Gemeindeleben in Floß wurde bis tief in das 19. Jahrhundert hinein ein Tummelplatz wildester Streitigkeiten. Die Streitsucht darf als ein Charakteristikum der Gemeinde Floß betrachtet werden. Die Synagoge im Privathaus des bereits verstorbenen Hirsch erwies sich als zu eng, und im Jahre 1719 erhielten die Juden die Erlaubnis zum Bau einer öffentlichen Synagoge. 1721 war der Bau beendet, der bis in die Kreise der höchsten Diplomatie jener Zeit Staub aufwirbelte — ja selbst in den Regensburger Reichstag hinein. Seit etwa 1736 fungierte als erster Ortsrabbiner Salomo ben David. Wie alle seine Nachfolger hatte er genügend Arbeit mit Schlichtung von Streitigkeiten und auch persönlich viele Kränkungen zu erdulden. Um diese Streitigkeiten, hauptsächlich durch gegenseitige Konkurrenz verursacht, zu beenden, wies die Regierung den einzelnen Juden genau umrissene Handelsdistrikte zu. Keiner durfte in dem Bezirk des anderen einbrechen. Auf Rabbiner Salomo folgten Rabbiner Jakob Derenburg, Elieser Petschau, Isak Fränkel aus Fürth und im Jahre 1800 D. H. Horowitz aus Frankfurt a. M. Dieser legte am 1. Januar 1808 auf Befehl der Behörde die staatlich 1 Aus Enoch wurde in der Volkssprache Henoch. Alle die vielen vorkommenden Namen Henoch und Hönigsberger stammen von diesem Stammvater ab.