Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 15 (1.8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 312 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728015--09617-2742896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
312 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 LUDWIN GK1TBER Odeonsplatz 17 Das Geschäft des Quälitätsrauchers! vom Zionismus erzählte, da antwortete sie freimütig und bescheiden: von alledem wisse sie nichts. Das war vor einer Reihe von Jahren — ob die Geschichtsforscherin Ricarda Huch unterdessen diese Lücke in ihrer Erkenntnis der Vergangenheit und Gegenwart der Juden ausgefüllt hat? Und doch zeigt uns die Seherin Ricarda Huch auch hier noch, „was wir sollen". Von den Worten des Propheten Jecheskel ausgehend, will auch sie „ein neues Herz und einen neuen Geist" in uns erwecken: ,,Wiederjungwerden ist alles!" Aber, die Verjüngung eines Volkes sieht sie in ihrem tiefsinnigen kleinen Buche „Deutsche Tradition" nicht in dem ..Ersetzen des Alten durch ein Anderes", sondern in dem „V e r j ü n g e n von etwas Bleibende m". „In der Bibel, die gewiß ein Buch der Tradition ist, wird als schönste Verheißung das Wiederjungwerden wie ein Adler angeführt und als frohe Botschaft verkündet: Siehe das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden!" Ricarda Huch ist nun in das biblische Alter eingetreten — in jenes Alter, das nicht bloß dem Psalmisten die Grenze des Lebens bedeutet, sondern in dem die Heldengestalten der Bibel erst anfingen, ihre größten Taten zu vollbringen. Auch sie arbeitet an einem großen Werke. Und wir können ihr nichts Schöneres an diesem Tage wünschen als: daß eben jene schöne Verheißung der Bibel an ihr zur Wahrheit werde: daß sie „wieder jung werde". Denn wie sie selbst einmal sagt: ..Wieder jung werden ist alles!" B. B. St. Die ersten Ergebnisse der Volks- und Berulszählung von 1933 über die jüdische Bevölkerungsbewegung Die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung in Baden Das Badische Statistische Landesamt veröffentlicht soeben eine Druckschrift „Die Wohnbevölkerung in Baden und ihre Religionszugehörigkeit nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933" (Karlsruhe, Macklotsche Druckerei 1934). Daraus geben wir die für die jüdische Bevölkerung in ganz Deutschland typischen Abschnitte wieder. Für Bayern sind die Zahlen nach Mitteilungen des Statistischen Landesamtes demnächst zu erwarten. Bei der im Deutschen Reich durchgeführten Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni 1933 ist in der Haushaltungsliste, wie bei früheren Volkszählungen, die Frage nach der Religionszugehörigkeit gestellt worden. In den Erläuterungen zu dieser Frage war bemerkt, daß nicht die innere Überzeugung, sondern die äußere (rechtliche) Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsgemeinschaft ermittelt werden sollte. Bei der Prüfung und Bearbeitung des Erhebungsmaterials durch das Badische Statistische Landesamt wurde festgestellt, daß die Frage nach der Religionszugehörigkeit im ganzen Land (mit Ausnahme von 20 Personen) beantwortet worden ist. Von den 2 412 931 Personen, die ihren Wohnsitz am 16. Juni 1933 in Baden gehabt und Angaben über ihre Religionszugehörigkeit gemacht haben, haben sich bezeichnet: 1 408 532. d. s. 58,4 % als römisch-katholisch, 920 988, d. s. 38,2 % als evangelisch (Angehörige der Landeskirche), 33 938, d.s. 1,4% als Angehörige sonstiger christlicher Religionsgesellschaften, 20 617, d.s. 0,9% als Israeliten, 1 038, d. s. 0,0 % als sonstige NichtChristen und AnhängervonWeltanschauungsgemeinschaften auf arischer od. germanischer Grundlage, 27 818, d.s. 1,1% Religionslose, Atheisten u. dgl. Von den 20 617 Israeliten, die in Baden bei der letzten Volkszählung ermittelt wurden, sind 9872, d. s. 47,4% männlichen und 10 835, d. s. 52,6% weiblichen Geschlechts. Mit Ausnahme von 3 (Meßkirch, Pfullendorf und Oberkirch) , sind in allen Amtsbezirken des Landes Israeliten wohnhaft. Die Höchstzahl (6725) entfällt auf den Amtsbezirk Mannheim. Es folgen die Amtsbezirke Karlsruhe (3292), Freiburg U47^), Heidelberg (1212), Konstanz (897), Pforzheim (872), Bruchsal (647), Sinsheim (580), Lahr (570) und Rastatt (547). In 4 Amtsbezirken (Engen, Säckingen, Waldkirch und Wolfach) bleibt die Zahl der Israeliten unter 10. Geht man auf die einzelnen Gemeinden ein, so ergibt sich, daß in 221 Gemeinden wohnhafte Israeliten festgestellt worden sind, und zwar beträgt die Zahl der Israeliten in 58 Gemeinden unter 5, in 31 Gemeinden 5 bis unter 10, in 78 Gemeinden 10 bis unter 50, in 54 Gemeinden 50 und mehr. Die Höchstzahl von Israeliten (6402) entfällt auf die Stadt Mannheim. Es folgen die Städte Karlsruhe (3119), Freiburg (1138), Heidelberg (1102), Pforzheim (770), Bruchsal (501), Konstanz (443). In Gailingen beträgt die Zahl der dort wohnhaften Israeliten 314, in Breisach 231, in Biringen 98, in Eichstetten 91, in Malsch (b. Ettlingen) 89, in Bühl 72, in Villingen 56. in Ettlingen 48 und in Singen a. H. 41. Setzt man die Zahl der in einzelnen Gemeinden wohnhaften Israeliten ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, so ergibt sich, daß in 15 Gemeinden des Landes der Anteil der Israeliten 4% überschreitet. Die Höchstziffer entfällt auf die Gemeinde Gailingen (19,9); dann folgen die Gemeinden Schmieheim bei