Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 14 (15.7.1934)
- Date
- 1934-07-15
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728014--09598-2742876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
294 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 Plislerstrafle 3 Wirtschaftsführung: Hilde Heßling / Sieg Einstein Erstklassige Küche / Kaileebetrieb / Tischbestellung 296827 Paulaner-Thomasbräu-Biere Löwenbräu-Weißbier J Aus der Gemeinde München Studien- und Arbeitsförderungsverein für Israeliten in Bayern E. V. In der diesjährigen Mitgliederversammlung wurden unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Baerwald die Berichte für die Jahre 1932 und 1933 erstattet, nachdem im Vorjahre im Zusammenhang mit den bekannten politischen Ereignissen die ordentliche Mitgliederversammlung ausgefallen war. Aus den Berichten sei angeführt, daß im Jahre 1932 insgesamt 49 Stipendien im Betrag von 4500 RM. an Studierende, ferner 150 RM. an einen Schüler der staatlichen Bauschule verteilt wurden und daß 17 Handwerkslehrlinge mit je 30 RM. bedacht wurden. Im Jahre 1933, in dem die Stipendienverteilung im Sommersemester aus dem gleichen Grund wie die Mitgliederversammlung unterblieb, gelangten nur 2500 RM. Stipendien an 23 Studierende und etwa 1100 RM. Ermunterungspreise an 19 Handwerkslehrlinge, 3 Landwirtschafts- und 16 Gärtnerpraktikanten zur Verteilung. Lassen schon die letzteren Ziffern die mit den politischen Verhältnissen vielfach verbundene Berufsumschichtung auf Handwerk, Gärtnerei und Landwirtschaft erkennen, so macht sich diese nun in besonderem Maße geltend. Ungefähr 80 Gesuche lagen diesmal von Bewerbern, die sich dem Handwerk, besonders aber der Gärtnerei und der Landwirtschaft zugewandt haben. Diesen Ansprüchen aus den laufenden Einnahmen zu genügen, ist nicht möglich, die Notlage zwingt, die vorhandene bescheidene Kapitalreserve anzugreifen. Ist diese Maßnahme auch nicht erfreulich, so erschien es doch richtig und wurde einstimmig beschlossen, den Anforderungen der Gegenwart in dieser Weise Rechnung zu tragen. Möge der Hinweis auf diese Verhältnisse dem Verein neue Gönner und neue Mittel zuführen! Mit Bedauern nahm die Versammlung Kenntnis, daß der bisherige zweite Vorsitzende, Herr Justizrat Leo Oppenheimer, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegt und diesen Entschluß als unwiderruflich erklärt hat. Der Dank und die Anerkennung für seine mehr als fünfundzwanzigjährige, besonders verdienstvolle Tätigkeit in der Vorstandschaft wurde seitens des Vorsitzenden zum Ausdruck gebracht; Herrn Justizrat Leo Oppenheimer wurde in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um den Verein die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Sic pflcgcft attc für Ify&SjaxaffalUü. -tftärf* tünfrff e ift audj für $k Öie BäWzztt Nwifimi fiausfcaucnfylfc Landwehrstraße 57/59 (Beorg Ijorfcr Fernsprecher 596858 Aus bayerischen Gemeinden Pirmasens. Am Samstag, den 2. Juni d. J., veranstaltete die israelitische Kultusgemeinde im Rahmen des Sabbat-Minchahgottesdienstes eine Feier zu Ehren von Herrn Oberlehrer A. Michel, der vierzig Jahre lang als Volksschullehrer und Kantor im Dienste der Gemeinde gestanden hatte und am 3. Juni sein siebzigstes Lebensjahr vollendet hat. Im Mittelpunkt der von hebräischen Gesängen des derzeitigen Kantors und eines Schülerchores umrahmten Feier standen die Ansprachen des Mitgliedes des Synagogenrats Herrn Gustav Hofmann, eines ehemaligen Schülers des Jubilars, und des Bezirksrabbiners Dr. Neilhaus. Herrn Oberlehrer Michel wurde in Anerkennung seiner segensreichen Tätigkeit der Chowertitel verliehen. Nach Überreichung der Ehrenurkunde sprach der Jubilar selbst in bewegten Worten der Gemeinde seinen Dank für die vielfachen Ehrungen aus, die, so sehr sie auch ihm persönlich gelten, zugleich als Beweise für die Wertschätzung des ganzen jüdischen Lehrerstandes gewertet werden dürfen. Aus dem Reiche Antrittspredigt von Rabbiner Dr. Geis in Mannheim Der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 6. Juli 1934 entnehmen wir: Rabbiner Dr. Geis, der vor kurzem als Nachfolger von Dr. Lemle hierher kam, hielt jüngst in der gut besuchten Hauptsynagoge seine Antrittspredigt. An den Wochenabschnitt anknüpfend, stellte er dabei Aron und Moses, d.h. das gesicherte Schicksal der Priester und das ungewisse, unsichere der Propheten einander gegenüber, um dann zum ungewissen Schicksal der Juden in der Gegenwart überzugehen. Der heutigen Rückkehr so Vieler zum Judentum steht Dr. Geis, wie er u. a. betonte, was die gleichzeitige tiefere innere Rückkehr anlangt, etwas skeptisch gegenüber. Es genüge heute nicht, zum Judentum Ja zu sagen und zum jüdischen Schicksal, sondern man müsse sich auch in vollem Umfange darüber klar sein, was es heute, nach dem Jahrhundert der Emanzipation heiße, den Weg zurück zu gehen. Dabei sei es auch nicht mit dem hebräisch lernen und mit Geschichtskenntnissen allein getan, sondern es gelte, sich innerlich zu wandeln mit jener Kraft, die uns auch das Leid und Schicksal dieser Zeit aufrecht wird tragen helfen. Nach dieser Antrittspredigt des neuen liberalen Rabbiners, die sichtlich nachhaltigen Eindruck hinterließ, wird Dr. Geis mit den einzelnen Jugendverbänden Fühlung nehmen. Dringende Mahnung der Reichsvertretung an die verschiedenen jüdischen Gruppen Berlin, 2. Juli 1934. In Übereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit der deutschen Juden und unter Zustimmung der Vertreter aller Organisationen hatte die Reichsvertretung der deutschen Juden an die verschiedenen jüdischen Gruppen die dringende Mahnung erlassen, in dieser ernsten Zeit den polemischen Richtungskampf einzustellen. Die verschiedenen Gruppen hatten dann auch, ohne damit irgendetwas von ihrer Eigenart aufzugeben, bis vor kurzem diese gegenseitige Bekämpfung unterlassen. In letzter Zeit ist aber wieder bedauerlicher Streit ausgebrochen. Die Reichsvertretung muß daher mit allem Nachdruck feststellen: Vaterländische Gesinnung und Zuverlässigkeit und Hingabe an das deutsche Vaterland sind, ebenso wie jüdische Gesinnung und Treue gegen das Judentum, kein Sonderbesitz irgendwelcher Gruppe der deutschen Judenheit. Die Anhänger keiner Gruppe des deutschen Judentums haben es an vaterländischer Treue fehlen lassen. Keine Gruppe darf es für sich allein beanspru-