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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-07-15 · 14 (15.7.1934) · p. Seite 293

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
14 (15.7.1934)
Date
1934-07-15
Page
Seite 293 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14' Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 293 Erst das neue Italien hat die Tore des römischen Ghetto geöffnet. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Roma Israelitica. Die Juden, als gleichberechtigte Bürger eines Gemeinwesens: sie danken es durch eine Hingabe, die bis zur Selbstvergessenheit reichte. Hoch oben auf dem Kapitol findet sich an den Wänden des Palastes der Conservatoren, den noch Michel Angelos Baukunst gestaltete, ein seltsamer marmorner Ehren-Friedhof: das sind die „Fasti", die in unendlich langer Reihe von den ersten Konsuln an, deren Inschriften bruchstückweise manchmal wieder ausgegraben worden sind, die Namen aller jener Männer enthalten, die sich um die ewige Stadt verdient gemacht haben. Dort findet man auch — neben andern jüdischen Namen — den Namen jenes Ernestus Nathan, des ersten römischen Bürgermeisters aus jüdischem Stamme. Freilich gehörte Nathan wie manch anderer jener vielgerühmten römischen Juden einem Geschlechte an — wir kennen die Weise, wir kennen den Text —, das über der neuen Emanzipation den Weg zur alten Gemeinschaft vergaß. Nur wenigen römischen Juden aus dieser Zeit gelang die Synthese; etwa dem bekannten italienischen Offizier Giuseppe Ottolenghi oder dem Senator und Pofessor Vittorio Pollacco, der vom König zum Erzieher seines Sohnes erwählt wurde. Aber für die Mehrzahl der römischen Juden — wie der italienischen Juden überhaupt — trat damals ihr Jude-Sein weit hinter ihrem Staatsbürgertum zurück — wenn es nicht überhaupt verschwand. Das ist mit dem allmählichen Erstarken des Zionismus in Italien in den letzten Jahrzehnten fühlbar anders geworden. Jüdische Führer und Lehrer wie etwa Benamozegh in Livorno und ganz besonders Margulies in Florenz erzogen einen Kreis von begeisterten Schülern, der heute noch in stetigem Bemühen um jüdisches Wissen ihr Vermächtnis wahrt. Die alte Tradition, die an Luzatto anknüpfte, ward neu belebt im Bemühen um hebräisches Sprachgut; kürzlich, erregten die jüdischen Studenten aus Italien in Erez Israel Überraschung durch ihre eindringende Kenntnis des lebendigen Hebräisch — gibt es doch in Florenz und anderswo Familien, die seit Generationen hebräisch sprechen. Auch an den italienischen Rabbinerschulen ist es seit langem Vorschrift, daß mindestens ein Fach bei der Prüfung in hebräischer Sprache behandelt werden müßte. — Dazu kam die Judengesetzgebung des faschistischen Staates. Zum ersten Male wurden hier die italienischen Gemeinden, die bis jetzt von freiwilligen Gaben kümmerlich lebten und ihre Schulen erhielten, als öffentliche Körperschaften anerkannt. Gleichzeitig wurden durch die Einführung des Religionsunterrichtes in den Volksschulen auch die in Italien schon längst vorhandenen jüdischen Schulen neu belebt, da die Eltern sich gezwungen sahen, der ausgesprochen katholischen Volksschule ein jüdisches Gegengewicht zu geben. Heute ist es so, daß, wie wir von sachkundiger Seite hörten, z. B. in kleineren Städten wie Ferrara, schon alle jüdischen Kinder in die jüdische Schule gehen; in Florenz besuchen zwei Drittel der jüdischen Kinder die jüdische Schule. Und auch die seit langem bestehende jüdische Schule in Rom am Lungo Tevere Sanzio. der auch ein Kindergarten angegliedert ist, nimmt im Augenblick einen beträchtlichen Aufschwung. Man spricht davon, daß die Gemeinde beabsichtigt, auch in anderen Wohnvierteln der Stadt jüdische Schulen zu errichten. Es ist leicht verständlich, daß die römischen — wie überhaupt die italienischen Juden — so weit sie politisch interessiert sind — dem neuen Staat und seinem genialen Führer Benito Mussolini mit großer Begeisterung anhangen. Nicht nur, weil Mussolini, wie bekannt, seine Bewunderung für die „Gesetze moralischer Natur, die wahrhaft unveränderlich sind — ich meine die Zehn Gebote" ausgesprochen hat. Manch einer der jüdischen Gelehrten trägt mit Stolz das schwarze Hemd. * * * Neben diesen glücklichen und stolzen römischen Juden, die ihre Liebe zu Rom wie es scheint so innig mit der Liebe zu Jerusalem zu durchdringen wissen, gibt es freilich ein trauriges Kapitel in den wechselnden Erscheinungsformen der Roma Israelitica: das sind die wenigen deutschen Juden, die nach SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE Italien gingen, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Gewiß, die italienischen Juden betrugen sich gastfreundlicher gegen sie als ihre Vorfahren einst, die beim Papste gegen die Zulassung der portugiesischen Marranen Einspruch erhoben . . . wer von uns denkt nicht an die einstmalige Haltung deutscher Juden gegen die Ostjuden? . . . Ein Hilfskomitee arbeitete für ihre Eingliederung; auch gelang es, weiblichen Hilfskräften in Haushalt und einzelnen jungen Wissenschaftern, deren Arbeitsgebiete sich dem Lande anpaßten, zur Arbeit zu verhelfen. An norditalienischen Universitäten suchen eine ganze Reihe von Studenten ihr unterbrochenes Studium fortzusetzen; in Rom haben sich jetzt etwa 30 längst fertige Ärzte zur Ablegung der Schlußprüfung gemeldet. Aber die Existenzmöglichkeiten und Anstellungsbedingungen für sie, wenn sie das — nicht leichte — Examen bestanden haben, sind recht eingeengt, da Italien ja selbst unter Arbeitslosigkeit leidet und bei Anstellungen nur geborene Inländer herangezogen werden. Hier wie überall in der Diaspora ists — wie einmal Blumenfeld es formulierte — fast wie in der Elektrischen Bahn: wer drin ist, ruft: alles besetzt! * * * Es ist bekannt, daß die italienische Regierung durch ausgezeichnete Lehrkräfte den Schulen und der Universität in Erez Israel italienische Sprache und Kultur zu vermitteln bestrebt ist. „Wir lieben unsere Heimat, Erez Israel, und sind glücklich, daß unsere Eltern mit uns den Heimweg gefunden haben" — so schrieb ein kleiner Junge in Haifa vor kurzem in sein Schulheft — „aber wir lieben und bewundern auch das große Italien und seinen Führer, Benito Mussolini." — Kein Wunder, daß er zu dieser Bewunderung kam! — Denn eine Reihe von jüdischen Schulkindern in Palästina gibt es, die können in diesem Jahre den Beginn der Ferien kaum erwarten: sollen ja die besten Schüler, nach sorgfältiger ärztlicher Untersuchung, den großen Preis der italienischen Regierung gewinnen — eine Reise von den Alpen bis Neapel! — So scheinen sich heute neue Bande zwischen Rom und Jerusalem zu knüpfen. Bertha Badt-Strauß. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe München e.V. Die Bundesleitung hat mit dem Zentralverein Jüdischer Handwerker Deutschlands e. V. eine Vereinbarung dahingehend getroffen, daß ein enges Zusammenarbeiten zum Zwecke der gegenseitigen Unterstützung erfolgen soll. Wir bitten, umgehend der Ortsgruppenleitung die Namen derjenigen Kameraden anzugeben, die Handwerker sind. Der Handwerkerbund wird seinerseits uns die Namen derjenigen Mitglieder angeben, die Frontsoldaten sind und noch nicht unserem Bunde angehören. Für Strumpfwaren und Wäsche empfiehlt s c h die STRUMPF-TANTE HANS REINEMANN Färb er grab en ßl gegenüber Knagge & Peitz

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