Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 14 (15.7.1934)
- Date
- 1934-07-15
- Page
- Seite 295 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 295 chen, die Gesamtaufgaben des deutschen Judentums zu vertreten. Dieses Recht kommt der Reichs Vertretung der deutschen Juden zu. Sie weiß es zu wahren und :i uszuüben. Baeck Zum Tod des hebräischen Dichters Bialik Am 4. Juli entschlief in Wien der größte hebräische Dichter der Gegenwart G h a j i m Nach man Bialik. liei seinem 60. Geburtstag im vorigen Jahr haben wir in diesen Blättern dem Schaffen Bialiks eine gründliche Abhandlung von Hans Kohn gewidmet (Nr. 6 der Gem.- Zlg. vom 15. März 1933). Das Gedicht „Des Frühlings Schritt" war in hebräischer und deutscher Sprache in der Nummer vom 1. April 1933 abgedruckt. Die „Jüdische Rundschau" vom 6. Juli 1934 gibt von verschiedenen Seiten ein Lebensbild und eine Wesensdeutung des Verewigten. Rabbiner Leo Baeck schreibt in der gleichen Nummer: „Ein Dichter stand in Bialik vor uns, der die Genialität der Liebe besaß. Ihm war unsere hebräische Sprache nicht ein Werkzeug nur, dessen er sich bediente, sondern sein Kind, das er sich zu eigen gewonnen, das er liebte und das er erzog, das er schmückte und dessen er sich freute, das er heranwachsen und ins Leben hinaustreten sah; Vaterliebe und Vaterstolz erfüllten ihn. Ihm war das Land der Väter nicht nur ein Boden, sondern eine Liebe, nicht nur eine Erde, sondern ein Himmel; Ziel der Sehnsucht blieb es ihm, auch als es ihm Heimat geworden war, immer beglückend, immer wieder fordernd und hinausweisend. Ihm war unsere jüdische Geschichte nicht nur seine Vergangenheit, nicht nur der Weg zu ihm hin und vor ihm her; sie war ihm Haggada, Glaube voller Liebe, Gewißheit voller Liebe, sie war ihm Bund mit Gott und so Bund mit der Zukunft. Darum war er ein Seher; denn die Liebe macht sehend." Lord Hirst of Witton, ein gebürtiger bayerischer Jude Wie England die Verdienste seiner Juden schätzt, beweist die eben erfolgte Berufung von Sir Hugo Hirst, Baronet, ins englische Oberhaus, in das Hirst als Lord Hugo Hirst of Witton einzieht. Hirst, der an der Spitze der General Electric Comp, steht, wurde vor 70 Jahren als Sohn des Emanuel Hirsch in Altenstadt an der Iiier (bayer. Schwaben) geboren, wo sein Vater Mitbegründer der Firma Meyer &. Hirsch, Spirituosenfabrik, war, verbrachte seine Jugend in München, und wanderte, 17 Jahre alt, nach England aus. Vor etwa 10 Jahren wurde er Karonet und gelegentlich des letzten Geburtstages des Königs von England glaubte dieser seinem Reiche dadurch zu nützen, daß er diesen bedeutenden Wirtschaftsführer und Wirtschaftspolitiker zum Peer ernannte. Zum ersten Male seit 230 Jahren wird mit Lord Hirst of Witton ein außerhalb Englands Geborener Mitglied des englischen Oberhauses. Die Schwester (ies Lord Hirst of Witton lebt in München. LUDWIG GRUBER Odeonsplatz 17 Das Geschäft des Quälitätsrauchers! Studium in Dorpat An der philosophischen Fakultät der Universität Tartu (Dorpat), Estland, kann das Studium der jüdischen Wissenschaft betrieben werden. Judaica kann als Haupt- und Nebenfach gewählt werden. Nach einer achtsemestrigen Ausbildung in Vorlesungen, Übungen und Seminarien erfolgt die Zulassung zu Abschlußprüfungen, durch deren Bestehen die Berechtigung zum Lehramt an einer Mittelschule erworben wird. Akademische Titel, Magister und Dr. phil., können nach einem erfolgreichen Studium und Vorlegung einer wissenschaftlichen Arbeit erworben werden. (Der Tartuer Doktorgrad wird nach Einreichung einer wirklich fördernden Arbeit und deren öffentlichen Verteidigung verliehen.) In den kommenden Semestern soll nach den Plänen des ordentlichen Professors für jüdische Wissenschaft, Dr. Lazar Gulkowitsch, als Grundlegung der Ausbildung vor allem Hebräisch in allen Entwicklungsformen gelehrt werden; außerdem Aramäisch in den Hauptdialekten und Arabisch. Die Lebensverhältnisse sind in Tartu (Dorpat) sehr günstig. Studenten benötigen durchschnittlich 50—70 Eesti-Kronen. Das Seminar für jüdische Wissenschaft, Tartu — Postfach 50 — ist gerne zur Auskunfterteilung bereit. Bücherschau „Der Morgen", Monatsschrift der deutschen Juden. Philo- Verlag, Berlin W 15. Jahrgang 10, Heit 3. Jahresabonnement 12 RM., Einzelheft 1 RM. Das Juniheft des „Morgen" ist ein Ereignis innerhalb der jüdischen Publizistik. Es ist als Sonderheft „Diaspora" dem Sinn und der Aufgabe der jüdischen Zerstreuung gewidmet. Sein Ziel ist, den Eigenwert der jüdischen Existenz in der Diaspora zu verfechten, der gerade im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Palästinawanderung eine neue Bedeutung erwächst. Die große Linie dieses Bestrebens stellt der Leitartikel „Diaspora als Aufgabe" dar. Die einzelnen Gesichtspunkte des (Fortsetzung auf Seite 297) J . IST ^iE"\^Maffeistrasse 6 KLEIDER MRNTEL HÜTE Zeitgemässe Preise