Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 14 (15.7.1934)
- Date
- 1934-07-15
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 287 haft, in Schwabach taufen ließ, erhielt den Namen Johann Georg Sigmund G o 11 h i 1 f. Auf den Namen G o 11 h i 1 f wurde auch ein polnischer Jude namens Slieper (24. August 1738) in Pölzig getauft. Vornamen wurden Johann Heinrich. Der Sohn Lämmlein Bärs, Esaias Lämmlein, wurde (21. Dezember 1753) in der Taufe mit dem Namen Andreas Friedrich Thomas G o 11 h i 1 f bedacht. Im 16. Jahrhundert schrieb ein bekehrter Jude Paul Gottfried in den Niederlanden Schriften zur weiteren Bekehrung der Juden. Moses Bachrach aus Küttsee bei Preßburg wurde (16. Mai 1734) in Schwabach in Friedrich Gotthold verwandelt. Jakob L i p p m a n n aus Wollstein erhielt (27. Oktober 1790) in Bautzen die Namen Johann G o 111 i e b. Der Familienname scheint unverändert geblieben zu sein. Benjamin Wolf aus Krakau ließ sich (im Beginn des 18. Jahrhunderts) in Langenschwalbach taufen, nachher schrieb er in Kopenhagen unter seinem neuen Namen Johannes Christoph G o 111 i e b Bekehrungsschriften gegen die Juden. Oscher aus Treuchtlingen, der sich mit zwei Söhnen und zwei Töchtern (31. Mai 1711) in Schwabach taufen ließ, erhielt die Vornamen Wilhelm Christian, ein Sohn den Vornamen Christian, eine Tochter den Vornamen Christiana. Familienname wurde G o 111 i e b. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Hamburg einen bekehrten Juden Christian Georg G o 111 i e b , der 1693 eine Schrift zur Erläuterung der jüdischen Irrtümer drukken ließ. Low David, der Sohn eines Schamasch in Prag, der von Klein auf Waisenkind gewesen war, wurde (20. April 1738) in Schwabach auf den Namen Georg Daniel Marcus Daniel Gotttreu getauft. Moses Herschel aus Loschitz in Mähren verwandelte sich (3. Januari 1770) in Görlitz in einen Christian Nathanael G o 11 w a 11 oder Gottwald t. Sigmund Levi aus Westhofen im Elsaß, der in Celle (26. September 1713) als übergetretener Jude erscheint, führt nunmehr den Namen Christian Fürchtegott. Im 16., 17. und 18. Jahrhundert sind die mit Christ und mit Gott zusammengesezten Namen die begehrtesten Taufnamen bei den deutschen Judenchristen. Andere Namensgruppen sind solche nach den Tauftagen. So wurden Andres und A n - dreae, Freytag und Michaelis und auch Sonntag bei Judentaufen als neue Familiennamen benutzt. Der Taufort hat u.a. folgenden Familien ihren Namen verliehen: Altona, Damm, Holland (nach Preußisch-Holland). Braunschweig, Lindner, Nienburg, von Osterode, Trarbach und von der Halleschen Moritzkirche: Moriz Taufpaten haben ebenfalls oft ihren Patenkindern ihren eigenen Familiennamen übergeben. Dahin gehören: Juan Maria, Jakob Simon Toff, Sigmund, Hans Hinrich Heuer, Michael Andreas Hermann, Karl Adolf Ignaz Greifenb e r g, Johann Georg Gottfried Engelhardt, Friedrich Ernst Christoph B u h r k e , Johann Gottfried C1 e r i c u s , Ludwig Wilhelm Christian Leonhard, Johann Peter S c h n o c k und Stefan Christian Martin, Karl Friedrich und Philipp Anton Sickenberg. Nach dem Wohnorte erhielten ihren neuen Familiennamen: Franz Josef Stepacher, Paul Staffelsteiner, nach dem Geburtsorte: Immanuel Benedict Ichenhäuser, Neurade, Christian Ludwig Rischenau. Genetivische Familiennamen, die auf den Namen des Vaters oder Vorfahren hinweisen, sind u.a.: Daniel Alexandersohn, Carol Pauli, Cord Nicolaus M i c h e 1 s e n, Friedrich Jacobsen, Christian Jacobs, Berendson, Friedrich Albrecht A u g u s t i, Johann Daniel J a c o b i, Albert Bernhardi, Ernesti, Philippi C a s p a r i, Carl Anton D a - v i d i s , Paul H e r s h o n und Juda Lyons. Aber auch die Namen Christian B e r n d t, Friedrich Hertz, Christian Paul H e r t z o g, Philipp Wilhelm B o h o 1 d, David Stegradt, Christian G e r s o n, Carl August Albert B e n d a, Isaak Salomon Binder, Rudolf Wilhelm Braunschweig, Carl Friedrich Krieger sind neue Namen von ehemaligen Juden im 18. Jahrhundert. Bei den Namen Moritz W a 1 g e r, Johann Friedrich Zöllner, Karl Anton vermutet man nicht ohne weiteres den jüdischen Ursprung mit einem andern Namen, aber auch nicht, wenn in Wriezen sich Lewin Leib in Johann Gottlieb S c h u 11 z e und Isaac Moses in Christian Traugott Schultze verwandelt hat. Hierbei ist aber noch der allergrößte Teil der bei den Judentaufen verliehenen Familiennamen nicht berücksichtigt worden. Das sind die frommen Wünsche, die ihnen als neuer Name mit auf den Weg gegeben worden sind. Die Familiennamen Aufrichtig, Beständig, Leberecht, Friedliebend, Fromann, Frommann, Clemens, Ehrlich, Redlich, Selig, Standhaft, Treu und Treuherz wurden sehr oft den neuen christlichen Familien mit auf den Weg gegeben, in sehr vielen Fällen gerade die Namen Beständig, Lebrecht, Leberecht und vor allem immer wieder der Name B 1 e i b t r e u. Das Allgemeine Preußische Landrecht (T. II, Tit. 20, § 1440 b) verbot zwar die Änderung der jüdischen Namen bei der Taufe, und das Reskript vom 9. Juni 1806 unterstrich dieses Verbot. Aber das änderte vors erste nichts an dem feststehenden Brauche, die Täuflinge durch neue nichtjüdisch klingende Familiennamen von einem Milieu zu trennen, dem anzugehören wenigstens keinerlei äußere Vorteile bot. Die Geschichte der Namen ist ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte. Die willkürliche Änderung der Namen zeigt immer das Verlassen eines bisher gültigen Milieus. Hier zeigten wir die Änderung der Namen von Juden bei der Taufe im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts in den Ländern deutscher Zunge. Auch heute vollziehen sich an verschiedenen Punkten der Erde durchgreifende Namensänderungen bei den Juden, und es ist wert, diese Namensänderungen historisch festzuhalten, sie in ihrem Zusammenhange zu untersuchen und festzustellen, daß sie mit grundsätzlichen Änderungen in der Auffassung von Juden und Judentum, in der völligen Umschichtung der jüdischen Nation und aller ihrer Klassen und Landsmannschaften aufs innigste zusammenhängen. Ein anderesmal über diese neuzeitliche Umschichtung jüdischer Familiennamen! Prof. Heinrich Loewe. Vom Unglück in jüdischer Auffassung Von Alfred Loewy in Freiburg i.B. Für großes Unglück und Zeiten schwerer Heimsuchung kennt das jüdische Schrifttum zwei Gründe: Erstens die eigene Schuld und Sünde und zweitens den uns Menschen unbekannten Zusammenhang des Weltgeschehens. Mipne chatoenu golinu mearzenu, unserer Sünden wegen wurden wir aus unserem Lande vertrieben, heißt es in unseren Gebeten. Kommt Unglück über jemand, so prüfe er sein Tun, lautet ein Ausspruch des Talmud (Talmud babli, broehoth, fol. 5); denn es heißt: Laßt uns unsere Wege durchforschen und prüfen, und wir wollen zurückkehren zum Herrn. Hat man geprüft und nichts gefunden, so sehe man die Venachlässigung des Studiums der Lehre als Sündenquelle an. Rationell gesprochen: Geht man dem bereits vornehmlich von den Propheten Hosea und Arnos gepredigten kausalen Zusammenhang der Dinge nach — der Vogel wird von der Schlinge nur gefangen, wenn ein Vogelsteller vorhanden ist (Arnos, Kap. 3, Vers 5). und in dem Weltgeschehen liegt ein Weltgericht —, so entdeckt man für das Unglück eine Ursache; wird man sich aber des Grundes nicht bewußt, so kann das Unglück auch aus der nicht genügenden Vertiefung in die Thora als der alles menschliche Sem und