Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 14 (15.7.1934)
- Date
- 1934-07-15
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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286 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 unter ihrem neuen exotischen Namen ein Abenteuerleben geführt, und sich in mancher andern Beziehung, besonders aber als Kriegsspionin einen Namen gemacht. In ähnlicher Weise hat Greta Gustaffsohn unter dem angenommenen Namen Greta Garbo nichts mehr von ihrem kleinbürgerlichen schwedischen Leben an sich, und hat — nicht ohne innere Zusammenhänge zu haben — die Mata Hari auf die Filmleinwand gebracht. In diesem Zusammenhange wird man es begreifen, daß Juden gerade dann ihren Namen geändert haben, wenn sie sich aus dem Zusammenhange lösten, der ihnen von Geburt und Erziehung gegeben war, also beim Übertritt zum Islam oder zum Christentum, oder in alter Zeit schon zu einem heidnischen Bekenntnis, wie z. B. aus dem Talmudweisen Elischa ben Abuja wahrscheinlich nicht bloß .im Munde seiner Gegner ein Acher (d.h. ein Anderer) wurde. Die Judentaufe war daher vielfach die Veranlassung zur Annahme neuer Namen und das in älterer Zeit fast noch mehr als in den letzten Jahrzehnten. Die Änderung dieser Judennamen in christliche ging in vielen Fällen nicht von den Juden aus, sondern von denen, die aktiv an der Taufe beteiligt waren. Ehe es im deutschen Bürgerstande feste Familiennamen gab, hat man den Juden bei der Taufe gern christliche fromme Personennamen (= heute: Vornamen) verliehen. So hatte ein Jude, von dem wir aus einem Pfandleihegeschäft aus dem Jahre 1514 aus Köln erfahren, Sander geheißen, aber bei der Taufe den Namen Paulus empfangen. Ein Prager Jude ließ sich (im Jahre 1568) zu Chem in Polen taufen. Er nannte sich Paulus Elchanan. Aber er war schon vorher einmal in Altorf getauft worden. Ihm war es um das Christentum so ernst, daß er (1580) in Helmstadt ein Buch drucken ließ, um die wahre Messianität Jesu zu erweisen. Trotzdem ist die Mitteilung nicht als völlig unglaubwürdig zurückzuweisen, daß er vor seinem Tode zum Judentume zurückgekehrt sei. Die Juden hatten zum Teil sehr alte Familiennamen, wie das im deutschen Adel der Fall war. Aber diese waren so lange doch noch Veränderungen unterworfen, als es im deutschen Bürgerstande nur erst ausnahmsweise feste Familiennamen gab. Als es aber in der Neuzeit auch im deutschen Bürgerstand Familiennamen gab, nahmen Juden bei der Taufe gern solche Familiennamen an, die ihr neues Christentum irgendwie in die Erscheinung treten ließen. Dahin gehören vor allem solche, aus denen Gott, Christ, Tauftage, aber auch fromme Wünsche herausgehört wurden. In Gießen wurde ein Jude aus Polen namens Low Moses Meier getauft, ohne daß dem Taufbuche zu entnehmen wäre, wie der neue Namen lautet, den er angenommen hat. Dabei sind der regierende Landgraf und verschiedene Adlige als Taufzeugen bzw. als Paten namentlich aufgezählt. Dagegen erhielt der Jude Joel, der (am 1. August 1686) getauft wurde, die Namen Philipp Christian. Er war aus Friedberg. Ein anderer Täufling in Gießen bekam in derselben Zeit den Namen Ludwig Christian. Er war aus Prag gebürtig und angeblich eines Rabbiners Sohn. Endlich wurde (am 31. Juli 1670) in Gießen eine Familie getauft, die aus den Eltern und vier Kindern bestand, und mit ihnen gleichzeitig ein unverheirateter Mann. Diese erhielten die Namen Ludwig Christian, Sophie Christina, Georg Christian, Friedrich Christian, Elisabeth C h r i s t i n a , Dorothea Ch r i s t i n a und Juliane C h r i s t i n a. Gevattern waren der Landgraf, der Universitätsrektor, Generäle, viele Hochadlige und andere angesehene und einflußreiche Leute. Wenn man mit Vorliebe den getauften Juden nicht bloß den Vornamen Christian (gern auch Johannes) zu verleihen pflegte, so war man auch sehr geneigt, in ihrem neuen Familiennamen das angenommene Christentum zu erwähnen, so daß man bei deutschen Familiennamen wie Christ, Christlieb, Christian, Christfreund, Christtreu und ähnlichen erst einmal untersuchen muß, ob es sich um Judenstämmlinge handelt, die den Namen führen. Wenn es sich dann herausstellt, daß es sich um eine Pastorenfamilie handelt, die solchen Namen trägt, so wird diese Vermutung dadurch nicht abgeschwächt, weil diese Familien mit Vorliebe ein geistliches Amt zu erreichen versuchten. Der Jude Sched aus Fürth ließ sich von seiner Frau scheiden und nahm (13. März 1712) in Schwabach das Christentum an, wobei er Johann Christian Christ hold benannt wurde. Wenn das Kirchenbuch zu Ratzebuhr angibt, daß (am 28. Juni 1722) ein Judenbursch aus Pohlen nach dem Vornamen seiner drei vornehmen Paten die Namen Johann Ernst Christian empfangen hat, so haben zwei von ihnen die Vornamen, der dritte den Familiennamen geliefert. Daß dabei die Nebenabsicht bestanden hat, in gewohnter Weise besonderen Nachdruck auf Christian zu legen, ist natürlich nicht festzustellen, aber sehr wohl anzunehmen. Merkwürdig scheint der jüdische Name eines in Schwabach (5. April 1744) getauften Juden zu sein. Er war aus Fürth und hieß angeblich Carl Conrad Friedrich Salomon Jacob Halberstätter. Er erhielt in der Taufe die Namen Carl Conrad Friedrich C h r i s 11 i e b. In Wirklichkeit ist bei der Eintragung in das Kirchenbuch der nachherige christliche Name bereits in den jüdischen übertragen worden. Nicht immer genügte den Juden der ihnen von den Pastoren gegebene Familienname. Am 2. Dezember 1736 wurden in Schwabach zwei Juden getauft. Der eine, Salomon Moyses aus Fürth, erhielt den Namen Carl Gottfried. Er nahm nachher noch die Namen Friedrich Christtreu an. Der andere, Schlom Nathan aus dem polnischen Krakau, erhielt den Namen Friedrich G o 111 i e b. Er nahm später noch den Namen Neum a n n an. Ein schwedischer Soldat namens Bernhard nahm nach dem Kirchenbuch von Egeln (1631) den Namen Johannes Christianus an. Von Moritz Wilhelm C h r i s t i a n i, der zur christlichen Religion übertrat und (1723) eine „Kurze Beschreibung einer wohl eingerichteten Synagoge" herausgab, ist der ursprüngliche jüdische Namen nicht überliefert. Ein Jude, der sich im 17. Jahrhundert taufen ließ und nachher (um 1670 bis 1697) erst als Student und dann als Lektor des Hebräischen in Rinteln seiner Frömmigkeit in Schriften gegen die Juden Ausdruck verlieh, nahm den Namen Friedrich Wilhelm Christlieb an. Ein Mordechai, der 1701 als achtundzwanzigjähriger Mann in Wilhelmsdorf (Grafschaft Hohenlohe) zum Christentum übertrat und in der Folge gräflicher Kammerrat wurde, ließ sich den Namen Phil. Ernst Christfels beilegen. Baruch, der 1674 zu Straßburg getauft wurde und den Namen Friedrich Albert C h r i s t i a n i annahm, soll später im angestammten Judentum wieder untergetaucht sein. Paul Christian, der sich (1621) in Braunschweig taufen ließ, war aus Brest-Litowsk und hieß vorher Maleachi. Von Christoph Gustav Christian, der (1719) zu Nürnberg getauft wurde, und der u. a. eine Bekehrung Israels veröffentlicht hat, ist der frühere Name unbekannt, ebenso von Magnus Christian, der (1718) einen Traktat „Von der Juden Aberglauben" drucken ließ. Daniel Fisch aus Posen, der in Eschwege (30. April 1674) getauft wurde, erhielt den Namen C h r i s t i a n u s. Es ist nicht zu erkennen, ob er nun mit Familiennamen Christianus oder Christian Fisch hieß. In Bayreuth erhielt (17. September 1626) der Jude Abraham aus Krakau den Namen Christianus. Zu diesen Christennamen gehörten auch Christophori, der (am 31. März 1662) in Eßlingen gegeben wurde, und Christopherus, der (am 7. August 1636) in Marburg dem Prager Juden Selech (d. i. Selig) nebst dem Vornamen Johannes verliehen wurde. Als sich Jischai (auch Schai und Esajas) Frankel, Sohn des Ahron Fränkel (1712) in Fürth taufen ließ, nahm er den Namen Friedrich Christian Christhold an. Er war später Königlich Preußischer Sergeant. Lazarus Wolf ließ sich (1735) in Burgfarrenbach bei Nürnberg taufen und hieß nunmehr Christian Wilhelm C h r i s 11 i e b. Auch der Name Rechtchrist kommt vor. So heißt ein (24. Juli 1740) in Blankenburg am Harz getaufter Jude, der die Vornamen Karl Christian empfing. Joseph ben Jakob aus Frankfurt a. M. nahm (in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts) bei der Taufe den Namen Paul Christian Kirchner an. Vielfach waren mit „Gott" zusammengesetzte Namen beliebt. Der Jude Pinkus aus Danzig wurde (6. März 1789) in Hennstadt in Norderdithmarschen auf den Namen Amandus Johann Wilhelm Gottfried getauft. Der frühere Name des in Königsberg in der Neumark (5. Mai 1711) getauften Juden Johann Friedrich Gotthard ist nicht mitgeteilt worden. Lämmlein Beer aus Crailsheim, der sich (4. September 1746), in Treuchtlingen wohn-