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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-07-01 · 13 (1.7.1934) · p. Seite 271

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
13 (1.7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 271 (sequence 11)
Language
German
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Nr 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 271 Siegfried Ziegler: Der Vater des Künstlers Siegfried Ziegler in der Großen Kunstausstellung München 1934 Im Laufe des letzten Jahres hat der nun vierzigjährige Künstler eines seiner besten Bilder geschaffen, einen Blick auf die Gärtnerei des Schlosses Nymphenburg, überlegen gemalt, mit einem Reichtum der Farben, einer Sicherheit in der Erfassung des Lichts, die ihn großen Meistern ebenbürtig zeigt. Es ist bedauerlich, daß dieses Bild, als zu umfangreich, nicht ausgestellt hat werden können; aber die beiden älteren Arbelten, die Ziegler dafür zeigt, das Bildnis seiner Schwester und ein Männerkopf, sind nicht minder erwünscht, denn sie sind Stationen auf diesem Wege, den sich der Mensch und der Maler nicht leicht gemacht haben. Wenn der Begriff der Kunst heute vielfach so fragwürdig geworden ist, so sind darin nicht zuletzt auch die Künstler schuld, die bald mehr und bald weniger wollen, als malen. Hier aber finden wir einen Menschen, der nichts als malen will, der seine ganzen, beträchtlichen inneren Kräfte und sein ganzes, bedeutendes handwerkliches Können mit einer Ehrlichkeit und Selbstverständlichkeit in den Dienst seines Pinsels stellt. Ziegler ist so sehr und so schlechthin Maler, daß er alles aus einer reinen Anschauung und aus dem Gefühl der Farbe behandelt und dadurch echt bleibt und bleiben wird, unbeirrt von dem, wa sonst um ihn vorgeht. Er bringt der Kunst nicht nur die Opfer, die eine ungünstige Zeit verlangt, sondern auch jene, die die Kunst selbst fordert, das sind die schwereren, aber auch die fruchtbareren. Und so dürfen wir aber auch nicht nur hoffen, sondern glauben, daß diese Opfer nicht vergeblich - sein werden und daß sie ihren Dank finden werden, freilich vorerst nicht in einer lauten Anerkennung, wohl aber späterhin in der Rundung eines Werkes, das bestehen kann. Dieses Werk wird die Ernte vorzüglich des nächsten Jahrzehntes sein. Wir dürfen von Ziegler das Beste erwarten, denn der Weg, den er eingeschlagen hat, ist auf Geradheit und lange Sicht eingestellt. Hebräische Sprachkurse, München Dr. Wir veranstalten unsere zweite hebräische Sicha am Sonnabend, 14. Juli 1934. Ort: Bibliotheksaal der Jüdischen Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7. Zeit: 14. Juli 1934 pünktlich 20 Uhr. Thema: Das jüdische Bildungsideal, Unterhaltung über Gedanken aus dem Vortrag von Dr. Ernst Simon. Öffentlicher Vortrag über „Glaube und Heimat" Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß am Mittwoch, dem 11. Juli 1934, im Saale der Gesellschaft ,.Museum", Promenadestraße 12, der stellvertretende Vorsitzende in der Bundesleitung des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten Dr. Fraenkel über „Glaube und Heimat" sprechen wird. Der Zutritt zu diesem Vortrage ist für alle Mitglieder der Gemeinde frei. Silberne Hochzeit. Herr Hugo Ehrlich, Reitmorstraße 12, feierte mit seiner Gattin Fanny, geb. Neuburger, das Fest der silbernen Hochzeit. Aus dem Leben eines 75jährigen. Seinen 75. Geburtstag feierte am 30. Juni der ehemalige Spenglermeister und Großfabrikant Marcus Weiß (München). Der Jubilar, seit über 30 Jahren Mitglied des Allgemeinen Gewerbevereins München und Gründungsmitglied der Krankenkasse des Bayerischen Handwerks und Gewerbes, ergriff nach Beendigung der Lehrzeit als Spenglergehilfe den Wanderstab und wanderte zunächst nach den Großstädten Deutschlands, arbeitete in Linz und Wien, in Geißlingen und Göppingen, später in Berlin und Hamburg. Nach eineinhalb]ährigem Aufenthalt in Rastatt wanderte er zu Fuß nach Paris, konnte aber dort in den 70er Jahren als Ausländer keine Arbeit finden. Von Paris reiste er über Le Havre und Southampton nach London, wo er volle zwei Jahre als Spenglergehilfe beschäftigt war. Wieder in die Heimat zurückgekehrt, zog es Herrn Weiß bald wieder in die weite Welt: er konnte aber in Neuyork mit Rücksicht auf die dort herrschende große Arbeitslosigkeit wieder keine Arbeit finden. Nach England zurückgekehrt, wanderte er zu Fuß nach Bradford. Leeds, Manchester und Hull. Es folgten lange Wanderiahre durch Belgien und Holland. Auf der Werft von Bremerhafen fand er zwei Jahre Beschäftigung als Spengler. Daraufhin ließ er sich auf dem Dampfer Straßburg anmustern und machte eineinhalb Jahre die Fahrten nach den La Platastaaten hin und zurück. 1S93 ließ sich Herr Weiß endgültig in München nieder und arbeitete in bedeutenden Metallwarenfabriken. 1899 gründete er mit seinen Ersparnissen die Münchener Blech- und Lackierwarenfabrik M. Weiß u. Co., Baumstraße 4, später das Haus für Küchengeräte en groß, Schleißheimerstraße 6—8. Im Jahre 1924 übernahm er sodann die Münchener Blech- und Emballagen A.G. Der Jubilar erfreut sich in weitesten Kreisen großer Beliebtheit. Daß ihm, der sich bis heute großer geistiger und körperlicher Rüstigkeit erfreut, noch ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein möge, ist unser Wunsch. Aus dem Reiche Tätigkeit der Reichsvertretung der deutschen Juden Einem Bericht über W'irken und Ziele der Reichsvertretung aus Berlin entnehmen wir folgende Ausführungen der Mitglieder Dr. Julius S e 1 i g s o h n und Dr. Otto Hirsch anläßlich eines Berliner Gemeindeabends am 14. Juni: Dr. Julius L. Seligsohn betonte einleitend, die Bedrängnis, in die die deutschen Juden geraten seien, rühre in noch stärkerem Maße als von den auf fast jedem einzelnen lastenden Sorgen materieller Art von der seelischen Not her, die das Gefühl, von einem großen Geschehen ausgeschlossen zu sein, mit sich bringt. Uniüdisch wäre es, die Schuld für Ereignisse, die eine so schwere Für Strumpfwaren und Wasche empfiehlt sich die STRUMPF-TANTE HANS REINE MANN Färber graben ßl gegenüber Knagge & Peitz

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