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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-06-15 · 12 (15.6.1934) · p. Seite 248

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
12 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Lernzeit in Bad Kreuznach ihren ersten Rundbrief vor. Sie bittet um Mitteilung von Interessenten (genaue Adresse). Zum Zwecke einer umfassenden Aufnahme des Standes der jüdischen Erwachsenenbildung in Deutschland werden die Leiter der Lehrhäuser, Volkshochschulen, Lehrkurse, Kurse der Religionsgememden, Schulen der Jugend, Jugendbünde, sowie alle sonst interessierten Persönlichkeiten und Gruppen aufgefordert, Material über ihre Arbeit (Arbeitspläne, Arbeitsberichte, sowie möglichst viele Unterlagen aus ihrer Arbeit) einzusenden, um auf diese Weise einen Gedankenaustausch einzuleiten. Die 900-Jahr-Feier in Worms. Die 900-Jahr-Feier am 3. Juni, die wir in unserer vorigen Nummer ankündigten, gewann durch die Zeitumstände eine über den Tag hinausgehende Bedeutung. Seit dem 4. Jahrhundert sind Juden und Judengemeinden in Deutschland urkundlich nachweisbar. Ihre Verwurzelung in deutschem Boden und ihr Heimatrecht hat bis von kurzem niemand bestritten. Die Feier in Worms erinnerte an das deutsch-jüdische Dasein, an seine Auszeichnung durch Geschichte und Schicksal seit unvordenklicher Zeit. Die Ansprachen waren in diesem Sinne gehalten. Der Vorsitzende der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, führte u. a. aus: Wenn eine Stätte, die 900 Jahre besteht, zu uns spricht, dann hört sie auf, ein bloßes Bild, ein bloßer Anblick zu sein, dem sich das Auge zuwendet. Dann wird sie ein Sinnbild für das, was mehr ist als Zeit und Jahrhunderte, was auf ein Bleibendes im Wandel der Geschichte hinweist. Neun Jahrhunderte, das bedeutet Adel. Und wenn wir uns vom Sinnbild des Tages zum Sinnbild des Bleibenden hinwenden, wenn in solchen Tagen ein Verlangen in uns lebendig wird, dann ist es das Verlangen nach Adel, nach Noblesse. Adel ist ein Geistiges. Bleiben wir „Adlige", vergessen wir nicht, was das bedeutet, daß Genarationenreihen eines Adels, der verpflichtet, aus den Jahrhunderten zu uns sprechen. Noch ein anderes bedeutet uns die Stätte als Sinnbild. In ihr und durch sie ist ein Bund geschlossen worden zwischen Heimat und Geist. Heimat, das ist der gemeinsame Boden, der die Tausende trägt und nährt; Geist ist das Mannigfache, die besondere Weise des Menschen. Diese einmal geschehene Verbindung von deutschem Boden und jüdischem Geist wird uns bleiben, wohin immer unser Weg uns führen möge. Die Reichsvertretung der deutschen Juden weiß sich innig verbunden mit dem Geist von Worms und Speyer und Mainz, diesem Adelsstolz der deutschen Juden, dem Geist der Gemeinschaft der auch die Auseinandersetzungen zwischen Menschen verschiedener Art und verschiedenen Gepräges zum Segen werden läßt. Ein deutscher Jude aber, dem eine Partei, eine Genossenschaft mehr gilt als dieses Gemeinsame, der ist dem Geist des wahren Worms untreu geworden. Wenn diese Stätte zu uns spricht, dann sind wir in der Seele, im Bewußtsein unseres Adels gewiß, gewiß auch in unserem Willen zur Einheit und zur Gemeinschaft. Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) überbrachte die Grüße des bayerischen Landesverbandes. Er zitierte die Verse Karl Wolfskehls: ..Manchmal in sternhellen Mitternächten Höre ich die Pulse meiner Ahnen schlagen. Der Helden, der Händler, der Weisen der Welt Und die Wellen meines Blutes tragen Mir ihr Raunen und ihr dunkles Sagen In meines Herzens offnes Zelt." Die Helden des Lebens und die Helden des Sterbens, so fuhr er fort, sie waren in Worms zahlreich, und sie waren überwiegend Händler, kleine und große Kaufleute, einige von ihnen reich, die meisten bürgerlich bescheiden. Vor dem Niedergang der Moral wurde die Judengasse bewahrt durch die Weisen, die in ihr lebten, durch die echten Weisen von Zion, die ihre Lehre durch das Leben bestätigten, deren Weisheit ein fast immer mühseliges und armseliges Dasein von innen her erhob. Sichtlich ergriffen legte dann der Redner, der seine Gymnasialausbildung in Worms erhalten hat, ein Bekenntnis zu seinem Lehrer ab, dem ..letzten Heimgegangenen Rabbi aus dieser Reihe der Weisen von Worms", Dr. Alexander Stein, dessen Sohn, der Vorsitzende der badischen jüdischen Gemeinden, Prof. Dr. Nathan Stein (Karlsruhe) anschließend mit tiefer Bewegung und — trotz der naheliegenden Reminiszenzen persönlicher Art — mit nobler Zurückhaltung die Grüße seines Verbandes überbrachte. Nr. 12 Aus dem Bericht über die Generalversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Mai 1934. Der Hilfsverein hat zu seinen alten Aufgaben eine neue übernommen: die Beratung und Betreuung derjenigen, die aus Deutschland auswandern wollen. Fortsetzung auf Seite 251 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Umfelder Cjn.fc& Wundjen. vnXarontal Für Strumpfwaren und Wasche empfiehlt sich die STRUMPF-TANTE HANS REINE MAN N Färber graben ßl gegenüber Knagge & Peitz „Ich bin (est überzeugt, dafj mancher seine große Maschine gerngegen eine CORONA umtauschen würdej wenn er wüßte, daß eine so erstklassige Maschine überhaupt auf dem Markt ist." So schreibt ein Corona-Schreiber. Verlangen Sie unverbindliche Vorführung Kleine Anzahlung # Kleine Raten (Büro Heim Reise Hauptvertreiung: Alffred Bruck, Sonnensfraffe 12 Schreibmaschinen — Bürobedarf Infi.: Rudolf Lewin Tel. 90786

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