Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 11 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 227 Israelitisches Krankenheim. Wie in einer der letzten Nummern dieses Blattes berichtet, wurde eine wesentliche Neuerung im israelitischen Krankenheim, Hermann-Schmid-Straße 5, geschaffen. Üm einem in weiten Kreisen empfundenen Mangel abzuhelfen, wohnt ab 1. Juni 1934 der praktische Arzt Dr. Eugen Mayer im Gebäude der Anstalt und übt dort auch eigene Praxis aus. Ein mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestattetes Laboratorium ermöglicht alle in Frage kommenden Untersuchungen auszuführen. Allen Kranken, bzw. ihren behandelnden Ärzten, ist durch diese Einrichtung die Möglichkeit gegeben, alle chemischen und mikroskopischen Untersuchungen sofort im Hause selbst vornehmen lassen zu können. Im Interesse des Fortbestehens unseres Krankenheims ist es dringend zu wünschen, daß künftighin in möglichst großem Umfange von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht wird. Öffentlicher Vortrag. Am Mittwoch, den 13. Juni, 20 Uhr, spricht im Museumssaal, Promenadestraße 4, nach längerem Aufenthalt in Palästina Dr. Enzo Sereni, Berlin, Bundesleiter des Deutschen Hechaluz, über das Thema „Palästina und w i r". Hebräische Chöre und Sprechchor unter Leitung von A. Scheinermann. Karten zum Preise von 50 Rpf. an der Abendkasse. Mitgliederversammlung der charitativen Vereine Die Mitgliederversammlungen folgender Vereine: 1. Isr.Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und relig. Belehrung (Chewra Kadischa), 2. Isr. Verein zur Unterstützung mit Brennmaterialien, 3. Isr. Krankentürsorge, 4. Isr. Frauen verein, 5. Isr. Verein für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern finden am Sonntag, den 17. Juni 1934 vormittags 9K>, 10. 10K, 10K> und 11 Uhr im Sitzungssaale der Kultusgemeinde statt. Tagesordnung: Jahres- und Rechenschaftsbericht für 1932 und 1933, Voranschlag für 1934, Entlastung. Wahlen, Anträge. Es ergeht hiezu seitens der Vorsteher bzw. Vorsteherinnen Einladung. Adolf Theilhaber 80 Jahre! Am 23. Mai beging Hofrat Dr. Adolf Theilhaber in ungebrochener körperlicher und geistiger Kraft seinen 80. Geburtstag. Mit 17 Jahren bezog er die Universität Würzburg, promovierte mit 20 Jahren und nach einer weiteren Assistententätigkeit am Krankenhaus Nürnberg und an der Hebammenschule in Bamberg ließ er sich 1888 in München als Gynäkologe nieder. Sein Interesse wandte sich von früh an nächst der Ausübung eines umfassenden ärztlichen Berufes wissenschaftlicher Forschung zu, eine' fast unübersehbare Zahl von Abhandlungen seines Spezialgebietes zeugt von dem nach Erkenntnis ringenden Streben. In den letzten zwei Jahrzehnten beschäftigte ihn unausgesetzt das Problem der Krebsentstehung und deren Bekämpfung, die Lehre von der Bedeutung der endogenen Disposition für die Krebsanlage und die hierauf sich aufbauende Behandlung des Krebses ist die Frucht seiner wissenschaftlichen Forscherarbeit. Glasermeister Oskar Böhm gestorben Das jähe Ableben dieses fleißigen und tüchtigen Handwerkmeisters wird jedermann, der ihn kannte, aufs lebhafte bedauern. Böhm war bei allen Münchener Bauhandwerkern, mit denen er an Bauten zusammenarbeitete, ein ob seines handwerklichen Könnens geschätzter Meister. An der Baustelle wie in den Baubüros war er wegen seines schlichten Charakters ein von jedermann gern gesehener Mitarbeiter. Seine Wertschätzung errang sich Böhm in erster Linie dadurch, daß er die zur Ausführung gelangende Arbeit handwerklich einwandfrei herstellte. Er war ein unermüdlicher Arbeiter, der alles persönlich an der Baustelle ausführte, sich bei der Arbeit selten bedienen ließ und nie Unternehmer, sondern nur Handwerker sein wollte. Als seine letzte Arbeit führte Böhm die Staubdecke im Großen Oberlichtsaal in dem von mir geleiteten Geschäftshaus-Umbau Theaterinerstraße 16 aus, wo mit ihm ein Dutzend verschiedener Handwerker Tag und Nacht Hand in Hand zusammenarbeiten mußten. Mit Genugtuung beobachtete ich bei der Gelegenheit, wie dieser echte Handwerkstrumpfladen amStachUS gegenüber Imperialtheater Max Schoenemann Dflmen- KDieslrömple mit Gummirand, glatt und durchbrochen. „Der prakt. Sommerstrumpf' —95 1.45 1.95 mann von den übrigen Mitarbeitern geachtet wurde. Kein Mißton, keinerlei abfällige Bemerkung trübte das Zusammenarbeiten. Die jüdische Gemeinschaft hat viel zu wenig Persönlichkeiten von der Art Böhms aufzuweisen; es besteht begründete Hoffnung, daß der Kundenkreis, der zu Glasermeister Böhm Vertrauen hatte, seinem Geschäft, das aufrechterhalten wird, treu bleibt. Groß bleibt die Zahl der Münchener Handwerker und Baugeschäfte, die mit Hochachtung des jüdischen Glasermeisters Böhm gedenken werden. Architekt Max Neumann Jüdischer Frauenbund Am 15. Mai 1934 konnte nach zweijähriger Pause die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe München des jüd. Frauenbundes stattfinden. Die 1. Vorsitzende, Frau Recha Stark, gedachte zunächst des großen Verlustes, den die Ortsgruppe und darüber hinaus die gesamte jüdische Gemeinschaft durch den Tod von Frau Clara Oppenlieimer erlitten hat. Durch Wegzug ging ferner die tatkräftige Mitarbeit mehrerer Frauen — es seien vor allem Frau Dr. Rahel Straus und Frau Dr. Grete Weihl genannt — verloren. Der Jahresbericht wurde von der 1. Schriftführerin, Frau J. Baerwald, erstattet. Nach den Ereignissen des Frühjahres 1933 mußte sich die Ortsgruppe völlig auf praktische soziale Arbeit beschränken. An die Mittelstands hilfe traten größere Ansprüche als je heran. In der Klenzestraße fanden unter fachkundiger Leitung Näh-, Schneider- und Handarbeits- Kurse statt. Die h a u s w i r t s c h a r 11 i c h e F r a u e n s c h u 1 e Wolfrats hausen, von der Münchner Ortsgruppe aus eigener Kraft ins Leben gerufen und oftmals ein Sorgenkind, bewies in diesem Jahre der Wandlung ihre volle Berechtigung. Der Jahreskurs, der eine gründliche Ausbildung in allen hauswirtschaftlichen Fächern, in Geflügelzucht, Milchwirtschaft und Gartenarbeit vermittelt, ist mit 26 Schülerinnen voll besetzt. Daneben laufen kürzere Hachschara-Kurse für 20 Mädchen. Über die Berliner Sitzung des Engeren Bundesvorstandes berichtete Frau Berta Fränkel. Gerade heute ist ein Kontakt zwischen den einzelnen Ortsgruppen und der Bundesleitung unerläßlich, um den vielen neuen Aufgaben gerecht zu werden, Erfahrungen auszutauschen und aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit Kraft zu schöpfen. Die Frage der hauswirtschaftlichen Ausbildung in Schulen. Heimen oder Familien wurde besprochen; auf den Lehrgang für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen in Berlin wurde hingewiesen; ein Ausbau der Berufstätigen-Gruppen wurde erstrebt. Referate über Schul- und wirtschaftspolitische Fragen gaben Einblick in die Arbeit der Reichsvertretung der Deutschen Juden. Der Erlaß über den Schulbesuch jüdischer Kinder gab Anlaß, mit großer Eindringlichkeit auf die einzigartige Möglichkeit hinzuweisen, unseren Kindern den Sabbat wieder nahezubringen. Nach der Entlastung des Vorstandes und der Kassiererin erfolgte die Neuwahl des Vorstandes. An Stelle der aus Gesundheitsrücksichten zurücktretenden Frau R. Stark, deren Rücktritt großes Bedauern auslöste, wurde Frau Jenny Baerwald zur 1. Vorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzende wurde Frau Bertha Fränkel. 3. Vorsitzende Frau Erna Feuchtwanger. 1. Schriftführerin: Frau Hermine Ellinger. 2. Schriftführerin: Frau Dr. Alice Bilski. 1. Kassiererin: Frau Irma Esslinger, 2. Kassiererin: Frau Grete Ulrich. Besondere Befriedigung löste der einstimmig angenommene Vorschlag aus, Frau Recha Stark und Frau Klementine Krämer zu Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Auf die „Blätter des jüdischen Frauenbundes", die ein sehr gutes Niveau innehalten, wurde besonders hingewiesen. Die Ortsgruppe hofft, im kommenden Winter ihren Mitgliedern Anregungen auf vielen, die jüdische Frau interessierenden Gebieten geben zu können. —