Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 11 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 226 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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226 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 M. §ILBERTHAV & CO. KAUFIJfGERSTRASSE lO Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck o Silherwaren Mitglieder sehr schwierig gestaltet. Der Finanzreferent Dr. Oestreich erläutert die einzelnen Posten der Ausgaben- und Einnahmenseite. Nach ausführlicher Erörterung wird der Gemeindehaushalt für das Etatjahr 1934/35 nach den Vorschlägen des Vorstandes genehmigt. Genehmigt wird anschließend ferner die Jahresrechnung für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Sitzung schließt um 23.45 Uhr mit dem wärmsten Dank des Vorsitzenden an alle Beteiligten. Eine Lehrgärtnerei der Gemeinde München Als vor einem Jahr der landwirtschaftliche Unterausschuß des Ausschusses für Hilfe und Aufbau bei der Kultusgemeinde München zusammentrat, wurde er sofort vor die Notwendigkeit gestellt für die Unterbringung derjenigen jungen Leute zu sorgen, die sich im Zuge der Umschichtung landwirtschaftlichen und gärtnerischen Berufen zuwenden wollten. Die lebhaft einsetzende Nachfrage übertraf bei weitem die Zahl der zur Verfügung stehenden Einzelstellen. Deshalb war es notwendig, nicht allein die Mittel für diejenigen bereitzuhalten, die in Einzelstellen eintreten wollten, aber die Kosten hiefür nicht aufzubringen vermochten, sondern auch eine eigene Lehrgärtnerei zu errichten. Ein dem Israelitischen Pensionat an der Kaulbachstraße gehörendes Grundstück, das bisher als Kartoffelacker gedient hatte, wurde übernommen. Das Grundstück ist ungefähr drei Tagwerk groß und liegt an der Staße München— Feldmoching kurz vor dem Bahnübergang der Eisenbahnlinie München—Landshut; es ist mit dem Kraftomnibus leicht zu erreichen. Im Spätherbst des Jahres 1933 erfolgte der erste Spatenstich. Unter Anleitung eines ausgebildeten Gärtners arbeiteten den ganzen Winter hindurch bis zum heutigen Tage 10—14 junge Leute, um das freie Gelände in einen nutzbringenden Garten umzuwandeln. Zunächst mußte eine Holzhütte aufgebaut werden, um den Lehrlingen für ihren Unterricht und ihre Mahlzeiten einen Schutz vor Unbill der Witterung zu gewähren und um die Geräte unterzubringen. Sobald die Zeit es gestattet, wird anstelle dieser Nothütte ein festerer Bau errichtet werden, in dem auch eine Werkstatt und ein Lagerraum Platz finden sollen. Vor Eintritt des Schneefalls wurde ein beträchtlicher Teil des Bodens umgehackt entsteint, die notwendigen Wege angelegt. Unter sachverständiger Anleitung legte die Arbeitsgruppe die Wasserleitung und errichtete einen Zaun. Die jungen Leute kommen täglich aus der Stadt, wo ihnen eine- Wohnung als Heim eingerichtet werden konnte. Es ist erfreulich, festzustellen, daß d;ie jungen Menschen mit Energie und Ausdauer ihre Bereitwilligkeit, dem Gebot der Zeit zu folgen, in die Tat umgesetzt haben. Fast ausnahmslos haben "sie die körperliche Umstellung und die am Anfang gewiß harte Arbeit gesundheitlich gut durchgehalten. Die Arbeitsgemein- Für Strumpf waren und Wäsche empfiehlt sich die STRUMPF-TANTE HANS REINEMANN Färber graben ßl gegenüber Knagge & Peitz Bei den Treibbeeten (Aus der Lehrgärtnerei der Gemeinde München) schaft setzt sich aus jungen Leuten im Alter von 16—24 Jahren aus München und anderen Orten Bayerns zusammen. Zu ihnen gehören auch einige Mädchen, die abwechselnd die Hauswirtschaft im Münchner Heim und die Fertigstellung des Essens auf dem Gartengelände besorgen und, soweit die Zeit reicht sich an der Bepflanzung beteiligen. Die Absicht des Ausschusses für Hilfe und Aufbau geht dahin, demjenigen Teil unserer Jugend, welcher die körperliche Eignung dazu besitzt, Gelegenheit zur Ausbildung im gärtnerischen Beruf zu geben. Bei der Ungewißheit der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in vielen Ländern der Welt hat es der Ausschuß für Hilfe und Aufbau für richtig gehalten, eine Ausbildungsstätte zu schaffen, die, von innerjüdischer Meinungsbildung unberührt, sowohl solche junge Menschen berücksichtigt, die nach Beendigung ihrer Ausbildung nach Palästina gehen wollen, als auch solche, die die Absicht haben, in Deutschland zum Neubau einer auf gesunde Grundlage gestellten jüdischen Gemeinschaft beizutragen. Nun sind die Anfangsschwierigkeiten überwunden und die Gartenanlage zeigt schon ein freundliches Aussehen. Ein fester Zaun schließt sie von der Straße ab. In langen Beeten grünt und treibt Gemüse aller Art. Aus den Treibbeeten und Glaskästen gelangen die jungen Pflanzen auf das Freiland und werden von den Pflanzern mit eifriger Sorgfalt gepflegt. Die Anpflanzungen dienen nicht nur der Berufsausbildung, sondern sie sollen künftig durch den Verkauf den Betrieb und den Unterhalt des Gartens ermöglichen helfen. Alle Gemeindemitglieder, die an dem Fortgang des Werks Interesse haben, sind freundlich eingeladen, die Anlage zu besichtigen. Der Kampf gegen das Unkraut (Aus der Lehrgärtnerei der Gemeinde München)