Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 11 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728011--09524-2742799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitunj: 223 Bethlehem und Nazareth fühnen ausgezeichnete Autostraßen, in Jericho, dessen Mauern zusammenfielen als Josua dreimal unter Posaunenklang herumzog, kannst du Shellbenzin tanken, am Toten Meer stehen die Fabriken der Palestine-Potash-Company. Neben den allen vergangenheitsbeladenen Stätten entstehen neue Orte, die nur das Futurum und nicht das Präteritum kennen: neben dem uralten, jetzt arabischen Jaffa, dem Jophe der Bibel, wächst mit der Geschwindigkeit und der Willkür einer Goldgräberstadt das parvenenühaft lebendige Tel Aviv. Gegenüber von Akko, in dessen Festung die Kreuzritter sich am längsten gegen den Ansturm der Araber hielten, entwickelt sich rapide die neue Hafenstadt Haifa, das vor 100 Jahren noch ein kümmerliches Araberdorf mit einer Handvoll Eingeborenen war. Während das Alte seine Maße kaum verändert, bläht sich das Neue auf wie ein Gummispielzeug: in zehn Jahren hat Tel Aviv seine 'Einwohnerzahl mehr als vervierfacht, Haifa verdoppelt; Gaza aber und Sichern, Bethlehem und Nazareth haben ihre Bevölkerungszahl kaum verändert. Politisch bedeutsam wird dieses unverbundene Nebeneinan d e r der alt en u n d d er ne u e n K u 11 u r dadurch, daß beide durch zwei verschiedene Nationalitäten dargestellt werden: die alte durch die Araber, die neue durch die Juden. Das gilt natürlich nur mit den Einschränkungen, denen solche verallgemeinernden Feststellungen stets unterworfen sind, es gibt, vornehmlich in den Städten, eine nicht mehr ganz dünne Schicht europäisierter Araber und es gibt unter d?en Juden Gruppen wie die Yemeniten, die — aus Südarabien stammend — fast ganz arabisiert sind und auch arabisch sprechen. Aber das Gros beider Nationalitäten gehört zwei völlig verschiedenen Welten an. Aus der Verschiedenartigkeit aber folgt Verständnislosigkeit des einen für den andern, aus der Verständnislosigkeit die Feindseligkeit. So kommt es, daß hier auf engstem Raum zwei Nationalitäten aneinander vorbeileben, ohne sich zu kennen, ohne sich auch nur sprachlich verständigen zu können, getrennt durch Religion, Überlieferung und nicht zuletzt durch die Unvereinbarkeit ihrer Zukunftshoffnungen, da jede wünschen muß, später wieder alleinige Herrin des Landes zu sein, wie es die eine vor zwei Jahrtausenden war, die andere bis zum Weltkrieg, unter nomineller Oberhoheit des Sultans, gewesen ist. Wo sie einander berühren, scheiden sie sich wie Öl und Wasser, und keinerlei Zusammenarbeit ist bisher möglich gewesen. Es gibt nur Rivalitäten: jüdische Autobusunternehmungen und arabische, jüdische Genossenschaften und arabische, arabische Reisebüros und jüdische usw. Das geht bis zu den Ansiedlungen: es gibt die jüdische Stadt Tel Aviv und arabische Städte wie Jaffa, Gaza und Nablus, und auch in den Städten mit gemischter Bevölkerung wie Jerusalem oder Haifa bilden sich automatisch jüdische und arabische Wohnviertel heraus. Diese Geschlossenheit des Wohnens hat vornehmlich bei den Juden auch Gründe der Sicherheit; in den Unruhen von 1929 sind naturgemäß dort besonders viele Opfer zu verzeichnen gewesen, wo kleine jüdische Gemeinden innerhalb einer geschlossenen arabischen Mehrheit lebten. Aber diese Unruhen, die sich mit Regelmäßigkeit alle paar Jahre wiederholen, sind ja nichts als ein Zeichen des dauernd gespannten Verhältnisses. Und auch in Zeiten der Ruhe, wie jetzt, wird jedem Juden dringend davon abgeraten, nachts allein innerhalb von arabischen Siedlungen spazieren zu gehen. Solange die Engländer im Lande sind, genügen freilich zwei Bataillone Infanterie und einige Bombenflugzeuge, um einen blutigen Bürgerkrieg zu vermeiden. Aber Besatzungstruppen können nur die Symtome des Krieges verhindern, nicht Frieden schaffen. Die jüdischarabische Rivalität bleibt das eigentliche politische Problem des Landes. Zur Geschichte des Studiums der Juden an den deutschen Universitäten Die Geschichte des Studiums der Juden an den europäischen, vor allem an den deutschen Universitäten, kann heute noch nicht geschrieben werden. Professor Guido Kisch, bis vor kurzem der Ordinarius der deutschen Rechtsgeschichte an der Universität Halle, durch überragende Forscherleistungen auf diesem Gebiet weit über die deutschen Grenzen geschätzt und anerkannt, hat soeben in einer bedeutsamen Schrift ,,U n i v e r - sitäts.geschiente und jüdische Familienforschun g" (Selbstverlag des Verfassers Prof. Dr. Guido Kisch, Halle a. S., Schwuehstr. 15b; Preis 3 RM.) in drei inhaltreichen Kapiteln die bisherigen Vorarbeiten zu diesem höchst wichtigen Ausschnitt der jüdischen Kultur- und Geistesgeschichte beschrieben. „Soll die Geschichte des Studiums der Juden an den deutschen Universitäten als solche erforscht wTerden, dann muß die Untersuchung systematisch für jene einzelne Universität auf Grund des gesamten erreichbaren Urkundenmaterials erfolgen:" „ein Ziel" — fährt Prof. Kisch fort — „das ich mir schon seit Jahren für eine Reihe von Universitäten gesteckt habe. Das gleiche wie für die Hochschulen Deutschlands gilt natürlich für die von den deutschen Juden viel früher besuchten ausländischen, namentlich die italienischen und holländischen Universitäten." Kisch schildert zuerst die allgemeine Entwicklung des jüdischen Hochschulbesuches, ferner die „Quellen und Literatur zur Geschichte des Univer- Küchenmeister wemessio i für Salate und zum Einmachen. Magister München7 ■