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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-05-15 · 10 (15.5.1934) · p. Seite 208

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
10 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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208 Bayerische Israelitische Gemeindezeituni: Nr. 10 Jüdischer Kul tu Symphoniekonzert Das Münchener Kulturbund-Orchester, das sich bei seinem ersteh Auftreten eines außerordentlichen künstlerischen Erfolges erfreuen durfte, beschließt seine diesjährige Arbeit mit einem Symphoniekonzert, welches am Donnerstag, den 24. Mai, abds. S Uhr, in der Synagoge Herzog-Max-Straße stattfindet. Der Abend ist insofern noch von besonderer Bedeutung, als hiezu die ausgezeichnete Violinvirtuosin Annie Steiger-Betz a k (Frankfurt a. M.) als Solistin gewonnen werden konnte, eine dem Münchener Publikum von ihren früheren Konzerten wohlbekannte Künstlerin. In München ist die Geigerin zuletzt als Solistin in einem Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters unter Generalmusikdirektor Knappertsbusch aufgetreten; der Abend war für sie ein glänzender Erfolg. In jüngster Zeit spielte die Künstlerin wiederholt in jüdischen Konzerten, so zuletzt bei einem Konzert des Kulturbundorchesters Berlin unter Generalmusikdirektor Rosenstock. An diesem Abend wird Annie Steiger-Betzak das Violinkonzert A-Dur von Mozart spielen. Das Orchester bringt außerdem die Symphonie „La Reine" von Haydn und die Symphonie B-Dur von Schubert zum Vortrag. Musikalische Leitung: Kapellmeister Erich E r c k. Eintritt RM. 1.25 (unnumeriert, Einheitspreis); Kategoriekarten für Jugendliche zu RM. —.60 nur an-der Abendkasse. Vorverkauf: Gemeindekanzlei und Ewer-Buchhandlung. Es wird höflichst gebeten, die Eintrittskarten tunlichst imVorverkauf zu lösen. Bunter heiterer Abend im Kulturbund Um es sogleich vorwegzunehmen: dieser Abend kann und will nicht als symptomatische, richtungweisende Kulturbundsarbeit gewertet werden. Wir wollen daran erinnern, daß der Bund auch jüdischen Künstlern der Leichten Muse, die ihrem Wirkungskreis verloren haben, seine Fürsorge zuwenden muß. Solche Schicksale sind schwere Gegenwartsfragen, an denen nicht vorbeigegangen werden darf. Aber ob hier der richtige Weg der Abhilfe beschritten wurde, das ist die Frage. Die bunte Vortragsfolge eröffnete Münchens jüngste Pianistin, die zwölfjährige Ruth Weinschel, die sich bereits früher im Rundfunk mit Erfolg hören lassen konnte. Eigentlich paßte sie (Photo: Dr. Ruth Schweisheimer) Ruth Weinschel (12 Jahre) errang im Kulturbund großen Erfolg rliuml in KsiYcrii nicht so recht in das Gewand eines heiteren Abends, denn ihre frische natürliche Begabung ist ganz ernst zu nehmen: ausgezeichnete Technik, schöne Phrasierung und bereits ausgeprägtes Gefühl für Agogik. Die junge Künstlerin, der leider kein gutes Instrument zur Verfügung stand, spielte Schubert und Chopin und erntete verdienten, herzlichen Beifall. Im übrigen sei berichtet, daß Erich Rosenthal mit sympathischer Stimme Schlager am Klavier spendete, daß Inge Teiutsch in verschiedenen Tanzdarbietungen ein anmutiges Talent zeigte, daß Irene Velisch mit Elan und Bühnenblut Operetten-Schlager sang und daß die Herren Kurt Bettsack und Dr. Josef Waldner sich ihrer Aufgaben als Klavier-Begleiter in anerkennenswerter Weise entledigten. Ansager und Rezitator war Herbert Langhofer, das frühere Mitglied des Gärtnerplatztheaters, zweifellos ein Künstler, der Witz, Schlagfertigkeit und starkes Charakterisierungsvermögen besitzt. Nur, er gab in manchem wohl zu viel: Weniger wäre mehr gewesen. Nach der Pause wurde „Das Akzept" gespielt, eine Groteske nach einer russischen Idee frei von N. Bernstein. Groteske? Nun, eine dünnmaschige, harmlose Sache, in deren Abwicklung sich ein polternder Gläubiger unvermeidbar in einen schließlich erhörten Liebhaber einer angeblich ewig trauernden Witwe verwandelt. Ada Erka und Herbert Langhofer gaben dabei darstellerisch ihr Bestes. Nicoletta Rosenthal möchten wir bald in einer ihrer außergewöhnlichen Begabung angemessenen tragenden Rolle sehen. Ist wirklich so wenig Auswahl an inhaltsreicheren Einaktern? Dieser bunte Abend war doch etwas allzu inhaltsleer. Leichte Kunst? O ja, warum nicht. Nur darf sie nicht z u leicht genommen werden. Wir haben allen Grund, anzunehmen, daß die Männer des Kulturbundes die Mängel dieses Abends klar erkannt haben. Wir würdigen die einstweilen noch bestehenden Schwierigkeiten und wir vertrauen darauf, daß man sich an leitender Stelle — trotz des diesmal überausverkauften Museumssaales! — in der einem jüdischen Kulturbund zukommenden ernsten Zielstrebigkeit nicht irre machen läßt. M. Soweit der Bericht unseres Referenten! Es ist unsere Pflicht, in diesen Blättern nicht an den sehr ernsten, der Schriftleitung zugegangenen zahlreichen Zuschriften vorüberzugehen, die ihrer Enttäuschung über das an diesem Abend Gebotene Ausdruck geben. Wo war hier Kultur? Und wo gar jüdische Kultur? In diesen Fragen gipfeln die besorgten Briefschreiber; besonders unsere Jugend war mit Recht sehr enttäuscht. Der Referent hat schon oben hervorgehoben, daß an dem Abend brotlos gewordenen Münchener Künstlern das lang entbehrte Auftreten ermöglicht werden sollte und daß die Veranstaltung nicht als Symptom der Bestrebungen des Kulturbundes, geschweige denn als richtunggebend angesehen werden darf. Wir sind überzeugt, daß die Scharte bald ausgewetzt sein wird, daß gerade der Fehler, der hier aus begreiflicher allzu großer Weichherzigkeit tragischem Geschick gegenüber gemacht wurde, die praktische Lehre schon in sich trägt: Der Jüdische Kulturbund in Bayern wird der jüdischen Öffentlichkeit künftig nur ausgereifte künstlerische und wissenschaftliche Leistungen oder zum mindesten Darbietungen vorführen, hinter denen ein ernsthaftes vorwärts weisendes Bemühen, das die Hörer ergreift, sichtbar wird. Die hohe, nicht ernst genug zu nehmende Aufgabe der sozialen Fürsorge hat eine andere Stelle, nicht der Kulturbund, zu erfüllen. Ausstellung jüdischer Photographie Der Jüdische Kulturbund in Bayern veranstaltet vom 17. Juni bis einschließlich 8. Juli eine Ausstellung photographischer Werke. Die in München ansässigen Berufs photographen werden aufgefordert, sich als Aussteller zu beteiligen. Die Wahl der photographisch dargestellten Gegenstände steht frei. Auch Photomontage ist zulässig. Da die Größe der verfügbaren Wandfläche noch nicht feststeht, kann keine Gewähr dafür übernommen wenden, daß alle eingesandten Arbeiten ausgestellt werden können. Einlieferung: Freitag, 1. Juni, bis 12.30 Uhr, Herzog- Max-Straße 7. Schriftliche Voranmeldung wird möglichst bald erbeten an die Adresse: Marie Luise Kohn, München, Loristraße 7/1.

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