Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 209 Jüdischer Tumn. Sportverein Einweihungsfeier der Turnhalle am 6. Mai 1934 Schwierigkeiten sind da, um überwunden zu werden. Mit diesem Leitsatz hat sich die Vorstandschaft des Jüdischen Turn- und Sportvereins München an die Arbeit gemacht und an diesem Leitsatz festhaltend hat sie auch das erste Ziel erreicht. Dem Verein wurde die Arbeitsmöglichkeit freigegeben — fast gleichzeitig mit dieser Freigabe wunden die Räume fertig, in denen der Turn- und Sportbetrieb sich in Zukunft abwickeln soll. Schon lange vor der festgesetzten Zeit hatten sich zahlreiche Gemeindeangehörige, an ihrer Spitze die Vorstandschaft der Kultusgemeinde mit Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Mitglieder der Gemeindevertretung, des Landesverbandes, Beamte und Angestellte der Kultusgemeinde und viele Förderer des Vereins in dem großen Turnsaal eingefunden, der in seinem neuen Gewand einen festlichen Eindruck hervorrief. Vor dem zur Rednertribüne umgewandelten Aufgang zur Damengarderobe hatten seefts Mädchen und sechs Knaben in der neuen Turndreß Aufstellung genommen. Pünktlich zur festgesetzten Stunde leitete die von den Herren Dr. Waldner und Goldberg gespielte Romanze von Zoltan Kodäly die Feier ein. Der 1. Vorsitzende, Herr Gerson, begrüßte die Erschienenen und gedachte des erfolgreichen Wirkens des nicht mehr bestehenden Bar Kochba. Er schilderte die Entstehungsgeschichte des Vereins, der sich ungeachtet aller Widerstände und Schwierigkeiten durchsetzen konnte und nunmehr die Plattform bilde, auf der alle jüdischen Turner und Sportler der Gemeinde ihren Körper stählen können. Herr Gerson gedachte unter Dankeserstattung der Unterstützung, welche der Verein bei der Vorstandschaft der Gemeinde gefunden hatte, aller seiner bisherigen Mitarbeiter und der Förderer, welche durch Spenden die Ausstattung der Halle und die Anschaffung der Geräte ermöglicht hatten. Im Anschluß daran nahm Professor Dr. Frank die Preisverteilung für den Skiabfahrtslauf vor, der am 25. Februar am Sudelfeld stattgefunden hatte und bei dem ausgezeichnete Zeiten erreicht worden waren. Die ersten Sieger, welche schön ausgestattete Diplome erhielten, waren in der 1. Klasse Sepp Baß, in der 2. Klasse H. Rosenberg, in der Altersklasse Max Robert Levy, bei der Jugend Ossi Finkel und last not least bei den Damen Loni Gutmann. Der geschäftsführende Vorsitzende Dr. Bretzfelder gab alsdann einen Überblick über die Arbeiten, welche bei der Instandsetzung der Halle ausgeführt worden waren, betonte, daß nur jüdische Firmen und Handwerker zugezogen worden seien, gab ihre Namen bekannt und gedachte auch der Firmen, welche durch Warenspenden zur Ausschmückung der Räume beigetragen hatten. Namentlich aber erwähnte er dankend die Mitarbeit von Frau Gerson, welche die ganze Zeit die Arbeiten überwacht und keine Mühe und keine Zeit gescheut hatte, das gesteckte Ziel zu erreichen. Er wies zum Schluß insbesondere den Einwand zurück, daß der Weg zur Halle zu weit sei, denn wer in der heutigen Zeit noch nicht gelernt habe, ein Opfer zu bringen, und sei es nur das Opfer einer halbstündigen Straßenbahnfahrt, der habe die Erfordernisse der Zeit noch nicht begriffen. Die Vorstandschaft sei für jede Anregung und für jeden Rat dankbar, nörgelnde Kritiker aber könne man nicht brauchen. Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer gab im Anschluß daran seiner Freude darüber Ausdruck, daß ein für die Gemeinde so bedeutungsvolles, von allen Richtungen und Kräften der Gemeinde getragenes Werk geschaffen sei, das der Stählung des Körpers, damit aber auch der Gesundung des Geistes diene, gab dem Verein seine und der Gemeinde besten Wünsche mit auf den Weg. Der meisterhafte Vortrag einer Canzone von Robert Kahn, sespielt von Dr. Waldner und.Goldberg beschloß die in allen Teilen wohlgelungene Feier, an welche sich ein Rundgang durch die Räume anschloß. Die Räume des jüdischen Turn- und Sportvereins München In dem Erdgeschoß des Hauses Plinganserstraße 76, das mit seinen Türmen und Giebeln, von Thalkirchen her gesehen, einen burgähnlichen Eindruck erweckt, hat der Jüdische Turn- und Sportverein sein Heim aufgeschlagen. Wenn man von der Johann-Clanze-Straße aus die Räume betritt, kommt man zunächst in den 200 qm großen Turnsaal, durch dessen große Fenster eine Fülle von Licht in den Raum dringt. Die sauberen, frischgetünchten Wände und die Decke, eine treffliche Arbeit des Malermeisters Haller, erinnern nicht mehr daran, daß hier einst Maschinen gestanden und von ihrer Arbeit herrührender Staub und Schmutz die Wände in ein schmutziges Grau verwandelt hatten. Ein Doppelreck ist bereits eingebaut, die Halten für die Sproßenwand sind schon sichtbar. An der Nordwand der Turnhalle führt eine Türe in den Garderoberaum für Männer, während darüber die Garderobe für die Damen liegt. Die in den Garderoben befindlichen Schränke sind in liebenswürdiger Weise von dem Hauseigentümer, Herrn Josephsohn, zur Verfügung gestellt. Durch ein Glasfenster vom Turnsaal getrennt ist das Geschäftszimmer, an dem vorbei der Weg in den kleinen Turnsaal, der auch als Box- und Jiu-Jitsu-Raum in Frage kommt, führt. Hier wirkt vor allem die Fülle des von den Lampen ausgehenden Lichts, die, wie auch die übrige Beleuchtungsanlage von der Elektro bau G. m. b. H. Erich Rosenberg installiert wurde. Die Birnen sind eine Stiftung des Herrn Neumann. Durch einen als Garderobe für die Tischtennisspieler dienenden Gang gelangt man in den Tischtennisraum, in dem bereits die Tische auf eifrige Spieler warten und der mit seiner Holzvertäfelung so anheimelnd wirkt. Auf der anderen Seite des Geschäftszimmers führt eine Treppe in die Duschräume, die wie auch die sonstigen sanitären Anlagen von der Firma Kleof aas &. Knapp eingerichtet wurden. Die Duschen, die teilweise von Herrn Frohmann gestiftet wurden, sind so eingerichtet, daß auf Warmtemperatur gebrachtes Mischwasser aus ihnen herunterbraust, wenn man nicht vorzieht, kalt zu duschen. Die Warmwasserverbindung mit der Dampfheizung wurde in mustergiltiger Weise von der Heizungsanlagenfirma Fulda ausgeführt. Die in den Duschräumen und auch sonst angebrachten Spiegel sind von der Spiegelmanufaktur Gebr. Seligmann gestiftet. Durch eine Treppe mit den Räumen verbunden ist im Souterrain die Kegelbahn, in der die Holzwie auch die sonstigen Schreinerarbeiten von dem Schreinermeister Philipp Stern nach Meisterart erstellt wurden. Anschließend an die Kegelbahn befindet sich ein Bauernstübchen — künftig Elsa-Gerson-Stube genannt, in dankbarer Erinnerung an die unermüdliche Arbeit der Gattin des 1. Vorsitzenden —, das das Entzücken aller Eintretenden, insbesondere der Damen hervorruft. Die Fa. Hahn u. Bach und die Firmen H. & J. G u t - mann, Wallach, Weinberger &. Co., Vereinigte Herd- und Ofenfabriken und Auktion Monheit haben durch freigebige Spenden die trauliche Ausstattung der Stube ermöglicht. Mit Ausnahme des kleinen Turnsaals, der noch mit Riemenboden belegt werden wird, verhindert Parkettboden Verletzungen bei Bodenübungen. Das zum Einölen des Parketts erforderliche Öl ist eine Spende des Herrn D r o 11 e r. So sind unter Beratung des Herrn Regierungsbaumeisters Adler, dessen Firma alle anfallenden Maurerarbeiten erledigte, Räume entstanden, welche nicht nur eine Bereicherung der gemeindlichen Einrichtungen liefern, in denen bald der Kommandoton der Vorturner und Abteilungsleiter die Turner und Sportler zu einer disziplinierten, aber auch tatkräftigen Arbeit anspornen wird. Herren-Turnen Die Männerturnabteilung (alte Herren und Aktive) beginnt am Dienstag, 15. Mai 1934, mit den Turnabenden. Die Übungszeiten sind wie folgt festgesetzt: Dienstag und Donnerstag: 19 —19^ Uhr Freiübungen dex alten Herren, igl4—20 Uhr Geräteturnen der alten Herren (Riegenbetrieb),