Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 203 befaßten, unter den jüdischein Gelehrten scharfe Kritik und Ablehnung. Er war wohl mehr ein Kompilator als ein produktiver Kopf, und man hat ihm sogar Plagiate nachgewiesen. Dahingegen spielte er bis ins 18. Jahrhundert hinein durch seine Rihelkommentare besonders bei den christlichen Gelehrten eine große Rolle. Man kann ihn einen Vorläufer der modernen Bibelforschung nennen, weil ler, und das lag bei diesem Welt-, Staats- und Finanzmann sehr nahe, auf die politischen und sozialen Verhältnisse der einzelnen Bücher einging, wobei er übrigens auch die Meinungen und Forschungen christlicher Gelehrter verwertete. Aber wir haben ja auch nicht das Lebensbild dieses Mannes zu umreißen versucht, um seine wissenschaftlichen Verdienste ans Licht zu rücken, wozu uns übrigens die Kompetenz fehlte, sondern wir wollten in ihm ein Bild und Vorbild von jüdischer Charakterstärke, von Treuie zum jüdischen Volk und Glauben und von einem immerwährenden Kampf um Selbstbehauptung und Geltung aufzeigen. Deshalb muß auch darauf hingewiesen werden, daß die jüdische Zeitgenossenschaft Isaak Abarbanels in Portugal und in Spanien schon im Zeichen des äußeren Verfalls und des inneren Abfalls vom Judentum stand. 'Die reichen Juden, die alsdann eine so harte und ungerechte Strafe traf, waren prachtliebend geworden, gefielen sich im Nachäffen ritterlicher Sitten und Unsitten und begannen die jüdische Überlieferung und den jüdischen Ritus lässig zu nehmen. Gar nicht zu reden von jenen, die ihren Glauben wechselten und erst später die Tragödie des Renegatentums in sich und an sich erleben mußten, als sie, wie der terminus technicus der Inquisition hieß, „heimlich judaisierten" und als Märtyrer den Glaubensgerichten, dem Gefängnis, der Folter und dem Scheiterhaufen anheimfielen. An der Wende zwischen Glanz und Elend des iberischen Judentums ragt Isaak Abarbanels Gestalt in patriarchalischer und biblischer Strenge und Reinheit empor, weil er den Dienst am Land der Galuth mit dem am jüdischen Volk ohne peinlichen Rest und ohne mißliche Nebenerscheinungen zu vereinigen wußte. Das ist die wirkliche große und vorbildliche Tat seinies Lebens — fortwirkend bis in unsere Zeit hinein, die wir beklagen dürfen, weil ihr ein Isaak Abarbanel fehlt! Ein Brief aus Palästina Der folgende Brief stammt von einem Mann, der früher Regisseur 'an einem deutschen Theater war, mit seiner Familie im vorigen Jähr nach Palästina auswanderte und dort Imker ist. Der Brief geht weit über privates Interesse hinaus und ist für eine größere jüdische Öffentlichkeit von Bedeutung. Ich soll meinen Arbeitstag schildern? Aber jeder ist vom anderen grundverschieden, und das ist der Reiz eines neuen Lebens. Die dringlichen Arbeiten sind anders geartet, je nach der Jahreszeit, dem Wetter, dem Benehmen meiner Bienen und alle möglichen Umstände werfen den am Tag zuvor erdachten Arbeitsplan über den Haufen. Um 7 Uhr morgens beginnt die Arbeit, entweder in der Werkstatt beim Haus oder auf dem Bienenfeld, auf dem übrigens auch eine kleine Holzhütte „Werkstatt" mimt. Auf dem Feld handelt es sich jetzt um Füttern und Beobachten der z. Zt. 31 Bienenvölker, die sich an ihr neuies Dasein in Holzkästen statt in den arabischen Tonröhren auch erst akklimatisieren müssen. Ich muß auch mit allen Mitteln den Bienen ihr in der Regenzeit nicht angenehmes Bienendasein erleichtern, sonst erkältet sich die Brut und stirbt ab. In meiner Bienen-Kartei bedeutet jede Karte den Lebenslauf eines Bienenvolkles von dem Erwerb bzw. von der Bienenstaat-Gründung ab bis an des Volkes unseliges oder mein seliges Ende. Ich kann also jederzeit ablesen, wie die Entwicklung des gerade zu pflegenden Volkes vor sich gegangen ist, was für Hemmungen aufgetreten sind, ob und warum es besonders stechlustig war, wieviel Zuckerwasser jedes Volk in der kurzen blütenlosen Zeit verzehrt hat, in welchem Grad sich die Königin „höchst königlich bewährt", wie sie ies mit Religion und Liebe hält. Honigkonto und Wachskonto — alles ist aus der kleinen Karte ersichtlich. Auch. Krankheits- und Unglücksfälle, dann ob Nährstand und Wehrstand in vernünftigem Verhältnisse stehen oder ob die Bienen von den Menschen ihre Unarten abgucken. Auch ihr Justizgebaren wird aufgezeichnet. Wenn Eindringlinge geschont werden anstatt mit der ganzen Strenge der Bitenengesetze bestraft zu werden, muß ich das Volk kriegerischer machen durch Verschmelzung mit einem brutaleren Stamm, was aber technisch gar nicht leicht ist, denn die Bienenvölker sind zwar friedlich miteinander, solange die Grenzen nicht angetastet werden, jedoch können sie sich „nicht riechen", wenn säe fremd gehlen. Es ist — wie Du siehst — eine interessante Arbeit, die Phantasie, Fingerspitzengefühl, Bienen-Psychoanalyse, peinliche Sauberkeit und auch Denkvermögen verlangt neben einer gewissen Wurstigkeit gegenüber dem Stachel. (Keine Rose ohne Dornen, keine Biene ohne Stachel.) Es ist bezeichnend, daß z. B. in Deutschland das Imkern ausschließlich (fast ausschließlich!) von Pfarrern und Lehrern betrieben wird, also von Pädagogen. ©er größte Teil des Tages aber sieht mich noch in der Werkstatt, denn ich muß 50 Bienenwohnungen haben, ehe die Wärme kommt, und das tut sie hier sehr bald. Und damit haben die Bienen erst den ersten Stock ihrer Wohnung, der zweite muß auch vor April fertig sein. Ich bin halt im Aufbauen begriffen; wenn aufgebaut ist, dann erfordert jedes Bienenvolk pro Jahr nur 3 Stunden Arbeitszeit. Ich habe meine Zeit so ein- Küchenmeister Weinessig I für Salate und zum Einmachen. Magister München7 ■