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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-05-01 · 9 (1.5.1934) · p. Seite 181

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
9 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 181 Heuer wählt die Dame ihre P E LZ*GA R D E R O B E direkt bei S. ORUANSKY& Co., München, Neu hauserstr. 29 Jedes einzelne Pelzstück, das sie sich dort wählt, ist mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit so solide hergestellt, daß es viele Jahre als Schmuckstück und als Dauerwert ihre Wünsche befriedigt. Die ersten frischen Blau- und Silberfüchse von RM. 150.— an, die moderne Pelzjacke von RM. 58-— an Schon jetzt herrscht hier ein emsiges Treiben. Arbeiter kommen und gehen. Maschinen rattern. Alles deutet auf das Entstehen einer kleinen, aber betriebsamen jüdischen Industrie. 'Landwirtschaft und eine sich zunächst in kleinem Rahmen haltende Bedarfsfabrikation sind die jüdischen Aufgaben der nächsten Jahre in Palästina. Schon heute blickt der Palästinenser mit berechtigtem Stolz auf das eigene Erzeugnis: Tozereth Haaretz! Und hier kann und muß sich die deutsche Alijah mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen auf den Gebieten der Wirtschaft zum Segen und Nutzen des Landes bewähren. haka. ff Der junge Joseph" Zum zweiten Teil von Thomas Manns Roman „Joseph und seine Brüder" (Verlag S. Fischer. Berlin 1934) Die Dreiteilung von Thomas Manns Joseph-Roman beruht nicht auf bloßer verlegerischer Notwendigkeit, die mit einem „Fortsetzung folgt!" schließen muß, sobald ein Buch einen gewissen Umfang erreicht hat, sie beruht auf künstlerischen Gesetzen. Gesetze, die den Bedingungen der großen Form: Aufbau, wie der kleinen: V e r z a h n u n g gleichermaßen entsprechen. Ein Beispiel: „Die Geschichten Jaakobs" begannen — nach dem Vorspiel „Höllenfahrt" — mit einer Szene am Brunnen, in der Jaakob seinem Lieblingssohn ein Geschenk verspricht. Dies Geschenk aber ist — wie wir in dem neuen Bande erfahren — das Schleiertuch, das Lea bedeckte, als Jaakob Rahel zu umarmen wähnte. Dies Geschenk entfacht den Neid der Brüder zur Siedehitze. Dies Geschenk veranlaßt den Vater, Joseph zu seinen Brüdern zu schicken, die zornig das Vaterhaus verließen, damit er ihnen seine Grüße bestelle und eine versöhnlichere Stimmung zwischen den Brüdern wieder aufkomme. Dies Geschenk endlich tauchen die Brüder in das Bocksblut und lassen es Jaakob weisen. Man vergleiche die entsprechenden Stellen im Buch der Bücher. Da steht nur: Jaakob schenkte Joseph einen bunten Rock. Da steht nur: Jaakob schickte Joseph zu seinen Brüdern. Da steht nur: die Brüder tauchten den Rock in das Blut eines geschlachteten Bocks. Nun ist die Bibel etwas so Unvergleichbares, daß es sich streng genommen verbietet, ein modernes Kunstwerk, und sei es eines der größten, mit ihr zu vergleichen, aber es ist sinnvoll zu beobachten, wie ein moderner Dichter mit dem biblischen Original nur durch eine ganz anders geartete Kunst zu wetteifern vermag, indem er den erzählenden Bericht durch seelendeutende Ausführlichkeit ersetzt, und wie er zur Wahrung des epischen Stils selbst in einem Roman, .welcher der Gattung des Experimentairomans angehört, sich jener Klammern bedienen muß, die schon die mündliche Erzählkunst kannte, um die Geheimnisse zusammenzuhalten: der Erinnerung durch Wiederholung von Dingen, die schon bei früherer Gelegenheit eindringlich erwähnt wurden, von Redewendungen und von schmückenden Beiworten. Thomas Mann nutzt mit vollendeter Kunst solche epischen Verzahnungen, um durch sie zum geistigen Mittelpunkt zu führen. In dem Kapitel, in dem Jaakob seinem Sohne den Schleier schenkt, äußert der Vater auch seine Bedenken. Dieses Geschenk verleihe eine Art Erstgeburtsrecht, und habe Rüben das seine auch durch seine Sünde mit Bilha, des Vaters Kebse, verwirkt — und der letzte Satz des ersten Bandes machte auf die Sünde und des Vaters Fluch noch einmal aufmerksam! — so stehe doch dahin, ob es dem zweiten Sohne der Lea zustehe oder dem Erstgeborenen der Rahel. Der erste „Individualist", Jaakob, schenkt ihm das Schleiertuch schließlich doch — eine Handlung, die sich seiner persönlichen Liebeswahl: Rahel anschließt, eine Handlung, die er wiederholen wird, wenn er in Ägypten beim Segnen die Rechte auf Josephs Zweitgeborenen Ephraim und nicht auf Manasse legt (Man darf die Ereignisse vorwegnehmen: wie der Zuschauer des griechischen Theaters die Sagenthemen kannte, welche die antiken Tragödien behandelten, so weiß der Leser von Thomas Manns Joseph-Roman um den Inhalt, aber des Dichters Kunst vermittelt neue Kenntnis und Erkenntnis.) An dem Schleiertuch hing so eine Art Erstgeburtsrecht Die Erstgeburt aber ist so etwas wie ein Verhängnis, das unter den Abrahamiden umgeht wie der Fluch im Hause der Atriden oder im Nibelungengeschlecht — ein noch vages Vorspiel beim „Urwanderer" Abrahm: Ismael und Isaak; Jaakob und Esau; Joseph und Rüben, der so etwas um das Geheimnis der Erstgeburt ahnt, eine gewisse verschämte Zuneigung zu seinem Rivalen hat (ein neuer Zug bei Thomas Mann) und ihn aus der Grube retten will (was schon in der Bibel steht). Daß er sich mit dieser Rettung die Gunst des Vaters wiedererkaufen, sich der Erstgeburt würdig erzeigen will, diese Zutat Thomas Manns zeigt wieder, wie psychologisches Motivieren und episches Verzahnen bei einem Kunstwerk nicht nebenhergehen, sondern sinnvoll zusammenfallen. In dem Schleiertuch verehrt Jaakob Rahel, in Joseph liebt er Rahel: hier ist noch ein Rest orientalischer Mythen, von denen sich der israelitische Monotheismus loslöst: dies die historische

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