Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (15.4.1934)
- Date
- 1934-04-15
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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158 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 KOSTÜME . KLEIDER . MÄNTEL.. PELZE See sind hier bevorzugte Stätten, ersteres besonders in seinen Höhen von etwa 800 m an, im Sommer wie im Winter, letztere nur im Sommer. Auch hierfür lassen sich keine regellosen Schemata aufstellen, es gibt eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen, die den Aufenthalt an der See nicht vertragen, ein viel selteneres Vorkommnis dagegen ist die Intoleranz gegen Höhenluft Gewohnheitsgemäße Anschauungen staffeln die Wirkung der Gebirgskurorte nach der Höhe des Ortes, jede 100 m werden bereits als eine Steigerung des Heileffektes angesehen. Diese Auffassung ist schon um deswillen falsch, als ja klimatische Einflüsse sich nicht bloß in Erhebungen über dem Meeresspiegel geltend machen, sondern vor allem von der Besonnung, dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft, den Schwankungen in der Temperatur wie dem Windschutz und anderem mehr abhängig sind. Ein Zusammenwirken aller dieser Komponenten, bei denen Waldesnähe einen gewichtigen Faktor bildet, ist erst maßgebend für eine richtige Wahl, restlos wird sie natürlich nie erfüllt werden können. Das Hochgebirge hat den großen Vorzug, daß es auch im Winter ein vorzügliches Erholungsmittel darstellt, ja eine Winterkur ist in mancher Beziehung bezüglich der Intensität ihrer Wirkung der Sommerkur überlegen. Der Grund hierfür liegt in der günstigen Konstellation klimatischer Faktoren, insbesondere der Tatsache, daß gerade während der Zeit der geringsten Sonnenscheindauer im Tiefland das Hochgebirge eine weit größere Zahl von Sonnenstunden zu bieten vermag. Dadurch ist ein längerer Aufenthalt im Freien möglich, bei dem Sonnenstrahlung und Trockenheit der Luft, selbst bei niederen Schattentemperaturen, eine außerordentlich tiefgreifende Anregung aller Lebensvorgänge herbeiführen. Höhenkurorte sind mithin Erholungs- und Regenerationsstätten für das große Heer der Nervösen, aus ihrer fast unübersehbaren Zahl muß aber ein namhafter Ort herausgehoben werden, der in seiner unvergleichlichen günstigen Verbindung von Klima und heilkräftiger Therme nicht mit Unrecht als eine Art Verjüngungsquelle bezeichnet wird. Das ist Gastein in Salzburg, das seinen Ruf bei Alters- und Verkalkungserscheinungen schon seit Jahrhunderten fest begründet hat, das aber in der Neuzeit mehr und mehr in der Reihe der Heilstätten gerückt ist, die einen außerordentlich günstigen Einfluß auf zahlreiche Erkrankungen des Nervensystems auszuüben imstande sind. Einen vollwertigen Ersatz bieten für Gastein die bayerischen Bäder, die in diesen Blättern eine gesonderte Darstellung erfahren. Schafft Arbeif und Brof! Am 21. März begann unter der Führung des Reichskanzlers der Kampf um die Gewinnung von Arbeitsplätzen. Pflicht von jedermann ist es, die Reichsregierung in ihrem Kampf zu unterstützen. Alle Energien müssen gesteigert werden, um jedem, der noch ohne Arbeit ist, eine produktive Tätigkeit zu sichern. Auch wir Juden sollen in dem Kampf um Arbeit und Brot nicht zurückstehen. Das Gedeihen der Wirtschaft Deutschlands beschäftigt uns ebenso wie unsere Mitbürger. Wenn die Reichsregierung den Ruf Arbeit zu schaffen ergehen läßt, so fühlen auch wir uns verpflichtet, so vielen Menschen wie möglich Arbeit zu schaffen. Auch jüdische Arbeitslose warten in großer Zahl auf die Einschaltung in den Wirtchaftsprozeß. Keine Vorschrift behindert die Berücksichtigung jüdischer Arbeitnehmer bei Einstellungen in der Wirtschaft. Sich ihrer anzunehmen ist die besondere Pflicht der jüdischen Arbeitgeber. Arbeitgeber! Prüft die Lage Eurer Betriebe, schafft Arbeitsplätze, wo irgend möglich. Wer in seinem Betrieb noch einen freien Platz schaffen kann, muß ihn unverzüglich besetzen. Denkt an die Arbeitslosen, denikt an die Schicksalsgemeinschaft, die uns verbindet! Wotalfahrts- und Jugendamt des Verbandes der Bayer. Israel. Kultusgemeinden und der Israelitischen Kultus» gemeinde München Aus dem Verbände Tagung des Bayerisch. Landesverbandes in München Am Sonntag, den 25. März, versammelten sich die Mitglieder des Rats, des Ständigen Ausschusses der Tagung und des Finanzausschusses des „Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden" in München zu einer Tagung, die Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer (München) leitete. Zu Beginn des umfassenden Referates, das der Präsident erstattete, gedachte er in herzlichen Worten des jüngst verstorbenen Verbands- Syndikus Rechtsanwalt Martin Flaschner (München) und seiner Verdienste um den Landesverband, sowie des Synagogenvorstands Klein (Speyer), der lange Jahre in der Tagung des Verbandes mitgearbeitet hat und besonders um Auf- und Ausbau des Altersheimes in Neustadt bemüht gewesen ist. Mit warmen Worten nahm er auch Abschied von Bezirksrabbiner Dr. S. Stein (Schweinfurt), der am 1. April aus dem Amte scheidet und die Delegation der Rabbinerkonferenz beim Rat des Verbandes niedergelegt hat. Ausführlich erörterte er die Veränderungen der Steuergesetzgebung und ihre Auswirkungen auf den Etat, der getreu die Veränderung und Verschärfung der Lage der Gemeinden widerspiegelt. Auch die Bedeutung unseres Schulwerkes und der Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande zu Wolfratshausen wurde von Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer dargetan. Die Vertreter der bayerischen Gemeinden ermahnte der Redner anschließend, in dieser schweren Zeit die Einigkeit zu fördern und die Würde nach innen und außen zu wahren. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden ergriff dann der Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) das Wort, um in eingehender Weise von der Arbeit der Reichsvertretung zu berichten. Es ist gelungen — trotz allen nicht allzu ernst zu nehmender Separationsbestrsbungen — die großen Vertretungen des deutschen Judentums, den Centraiverein, die Zionistische Organisation und den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zu ehrlicher und wertvoller Zusammenarbeit in der Reichsvertretung zu gewinnen. An Hand aufschlußreichen Zahlenmaterials wurde über den Fortgang der Umschichtungsarbeit im In- und Ausland berichtet und von verschiedenen neuen, dabei beschrittenen Wegen