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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-04-15 · 8 (15.4.1934) · p. Seite 156

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (15.4.1934)
Date
1934-04-15
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 herrschaft erhielt der alte Sauerbrunnen unter dem Namen Maxbrunnen seine neue Fassung, das Kurhaus und der Kurgarten wurden vergrößert und verschönert. Unter König Ludwig I. wurden die Arkaden und der Konversationssaal erbaut, das Kurhaus renoviert, die Solebrunnen durch Tiefbohrungen in ihrer Schüttung verbessert und auf der unteren Saline die erste Badeanstalt errichtet. Der Hof war oft in Kissingen anwesend. Andere Fürstlichkeiten und hohe Staatsmänner, wie zum Beispiel Bismarck suchten hier Erholung. 1832 wurde das erste Tausend der Kurgäste, 1836 das zweite und 1841 das vierte Tausend überschritten. Im 20. Jahrhundert schließlich wurden die Heilquellen durch die Erbohrung des stark kohlesäurehaltigen Luitpoldsprudels vermehrt, und die Erbauung der großen Wandelhalle und des Regentenbaues zeigten, daß aus Kissingen ein Weltbad geworden war. Der Bau des Kurhauses und die Modernisierung des Badehauses wurden erst nach Beendigung des Weltkrieges vorgenommen. An Trinkquellen gibt es Rakoczy, Pandur, Maxbrunnen, Luitpoldsprudel, Sole, Bitterwasser, daneben auch die verschiedensten Badequellen, Mineral- und Moorbäder. Auch sonstige Kurmittel werden gebraucht. Es erfolgt Behandlung gegen Krankheiten des Magens und des Darms, Erkrankungen der Gallenwege und Gallenblasenverstopfung, Stoffwechselerkrankungen, wie Fettsucht, Gicht, Erkrankungen des Herzens, der Gefäße, der Atmungsorgane, Frauenkrankheiten, Blutarmut, Rheumatismus, Nerven- und Tropenleiden. Voraussetzung für die Heilerfolge ist freilich ein planmäßiges Vorgehen unter besonderer Berücksichtigung der entsprechenden Diät und Lebensweise. Die Besucherzahl war in allen Jahren nach 1900 über 20 000, zum Teil sogar über 30 000 gelegen. III. Bad Tölz Der Markt Tölz, der am Eingang zum Isarwinkel gelegen ist, war in früheren Jahrhunderten durch Flößerei und Brauerei bekannt. Erst als im Lauf des 19. Jahrhunderts der Absatz des Tölzer Bieres den Wettbewerb mit den aufkommenden Münchener Groß-Brauereien nicht mehr halten konnte, wendete man sich der Verwertung von Jod zu Heilzwecken zu. Im Jahre 1846 wird von dem Münchener Botaniker Sendtner der Charakter der am Blomberg entspringenden Heilquelle, die bis dahin nur den Jägern und Hirten bekannt gewesen war, wissenschaftlich erforscht. Der einheimische Arzt Höfler unternimmt die ersten wissenschaftlichen Versuche. Der eigentliche Begründer des Bades aber ist der bekannte Freiburger Verleger Herder gewesen. Im Jahre 1912 wurde die bekannte Adelheidsquelle erworben, die ein besonderes Mischungsverhältnis mit Jodnatrium enthält. Der Mittelpunkt des Tölzer Kurbetriebes ist die im Jahre 1930 von der rührigen Stadtverwaltung erbaute und allen Anforderungen entsprechende Trink- und Wandelhalle. Ursprünglich gründete sich der Ruf der Tölzer Quellen auf ihre Wirksamkeit bei bestimmten Frauenleiden sowie bei chronischen Drüsenschwellungen wie beim einfachen Kropf der Jugendlichen und bei Lymphdrüsenschwellungen bei Kindern. Die Mehrzahl der Heilungsuchenden gebraucht die Kur bei Verkalkung und hohem Blutdruck, daneben kommen noch in Frage eine Reihe nicht ansteckender Hautkrankheiten, Furunkulose, Nachwirkungen chronischer Blutkrankheiten und chronischer Entzündungen einzelner Organe, Erkrankungen der oberen Luftwege, Stoffwechselleiden wie Gicht, Rheuma, Ischias, Fettsucht und einzelne Augenleiden. Die zur Trinkkur zur Verfügung stehenden Quellen weisen einen verschiedenen Gehalt an Jod, Brom, Kochsalz, Schwefel und Kieselsäure auf, ein Umstand, der dem Arzt bei der oft homöopathisch kleinen Dosierung, die je nach der Art der Erkrankung notwendig ist, sehr zustatten kommt. Es ist deshalb auch nicht richtig, zu glauben, daß man, ohne den Arzt zu fragen, einfach sich selbst durch Trinken und Baden kurieren könne. Bei den in Tölz verordneten Jodbädern ist es ein grundlegender Unterschied, ob man ein Wannen- oder Teilbad, ein kaltes oder warmes Bad nimmt. Aus der eisenhaltigen Tölzer Moorerde werden auch Jodmoorbäder hergestellt. Daneben gibt es Jodquellensalzlaugen — Jodseifen — Jodtabletten und andere Ouellprodukte. Infolge der hohen Lage von 700 m kann Tölz auch als Luftkurort gelten. Man kann von Bad Tölz nicht sprechen, ohne die herrliche Lage dieses Ortes im bayerischen Oberland und den ansprechenden Charakter der dortigen Bevölkerung zu erwähnen.. Die Tölzer Marktstraße mit ihren bemalten Häusern ist eine der schönsten Straßen Altbayerns, der Blick vom Kalvarienberg auf den Isarlauf ünd die Berge des Isarwinkels mit der kühngeschwungenen Linie der Benediktenwand im Hintergrund ist ein landschaftlicher Rahmen, der Größe und Zartheit verbindet. Der Besucher von Bad Tölz kann größere und kleinere Spaziergänge machen. Wer keine Kur gebraucht, kann Hochtouren unternehmen oder im Winter Skilaufen. Auch ein Schwimmbad steht zur Verfügung. IV. Bad Reichenhall Die Salzgewinnung in Bad Reichenhall geht auf Römerzeiten zurück. 1219 wurde Reichenhall nach langwierigen Kämpfen zwischen Bayern und Salzburg endgültig eine bayerische Stadt. Aber erst nach dem großen Brand des Ortes im Jahre 1834 kam man auf den Gedanken, die reichen Solequellen zu Heilzwecken zu verwenden. 1846 wurde die Solebad- und Molkenkuranstalt Achselmannstein eröffnet. In den 60er Jahren erfuhren die Kurmittel eine bedeutende Erweiterung durch die Gründung des Inhalatoriums und der pneumatischen Kammer, wobei insbesondere der Name Georg von Liebig, ein Sohn des großen Chemikers, genannt werden muß. Daneben wird es die Leser dieses Blattes interessieren, daß der Münchener Kaufmann Arie Wassermann gemeinsam mit seiner Gattin der Gründer eines der vornehmsten Häuser, des Hotel Luisenbad, gewesen ist. Im Jahre 1928 errichteten Staatsregierung und Stadtverwaltung das Kurmittelhaus, das in seiner Einrichtung die nuesten Errungenschaften in allen Zweigen der physikalischen Heilmittel darbietet. In erster Reihe der Erkrankungen, die in Reichenhall geheilt werden, stehen die Erkältungskrankheiten, wie Nasen-, Rachen-, Kehlkopf-, Bronchialkatarrhe und Asthma, ferner Drüsen- und Knochenerkrankungen bei Kindern (Skrophulose) und Erkrankungen der weiblichen Unterleibsorgane, bei welchen neben der Sole als Badegrundlage auch die Mutterlauge in Betracht kommt. Bei manchen Formen von Herzkrankheiten bietet sich die beste Gelegenheit zu Geländekuren nach der eigentlichen Badekur. Die besonders ausgewählten und bezeichneten Wege weisen alle Stufungen des Steigungswinkels auf. Schließlich gibt es Einrichtungen für die verschiedensten Arten von nichtspezifischen Bädern. Was Bad Reichenhall besonders geeignet als Erholungsort macht, ist seine nach drei Himmelsrichtungen, durch reich bewaldete Höhenzüge, vor rauhen Winden geschützte Lage. Überall gibt es abwechslungsreiche Spazierwege. In zehn Minuten fährt man mit der Seilschwebebahn auf den 1600 m hohen Predigtstuhl mit seiner herrlichen wohltuenden Höhenluft. Wer keine Kur gebraucht, kann etwas weiter ins Gebirge hineinfahren, in die Hochgebirgslandschaft des Berchtesgadener Landes und zum Königsee. Bad Reichenhall wird zu allen Jahreszeiten, auch als Winterkurort, besucht. Die Frühjahrssaison beginnt im April. DAS PREISWÜRDIGE MÜNCHNER TUCHHAUS SQNNENSTRASSE 8 IMPHÖBUSPALAST

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