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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-04-15 · 8 (15.4.1934) · p. Seite 155

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (15.4.1934)
Date
1934-04-15
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Sedertisch aus der Ausstellung „Pessach und Purim* der Münchener Kultusgemeinde Photo: Dr. R. Schweisheimer. Bayerische Bäder Die bayerischen Bäder sind weltberühmt, aber eben deshalb werden sie von den Einheimischen nicht in dem Maße gewürdigt, wie sie es verdienen. Gerade in unseren Tagen ist es geboten, sich zur Heimat und vom weiteren zum engeren Kreis zurückzuwenden. Es wird manchem unserer Leser erwünscht sein, in Kürze einen Überblick über die wichtigsten bayerischen Bäder zu erhalten. Wir sprechen im folgenden von Bad und Stadt Brückenau, Bad Kissingen, Bad Tölz und Bad Reichenhall. In allen genannten Orten gibt es jüdische Hotels und Pensionen Und mit Ausnahme von Bad Brückenau auch praktizierende jüdische Kurärzte. Für angenehme Geselligkeit ist überall bestens gesorgt. I. Bad und Stadt Brückenau Beide Orte, die nur eine aU Stunde von einander entfernt liegen, sind Kurorte. Stadt Brückenau hat bereits im Jahre 1242 unter Kaiser Heinrich VII. Stadtrechte erhalten, während Bad Brückenau seine Geschichte bis auf das Jahr 1747 zurück verfolgt, in welchem Amand von Buseck, Fürstbischof von Fulda, die Stahlquelle fassen und von seinem Leibarzt eine Denkschrift über den medizinischen Wert der Quelle ausarbeiten ließ. Andererseits sind die Schürfungen nach mineralhaltigem Wasser in Stadt Brückenau erst 1905 vorgenommen worden, während Bad Brückenau seine Entwicklung, so unter anderem auch die Errichtung der Kurhalle, dem als Kronprinz und König dort sich oft aufhaltenden König Ludwig I. verdankt. Die Eisen-Schwefelquelle Siebenersprudel in Stadt Brückenau ist die stärkste und gehaltreichste Schwefelquelle in Süddeutschland. Daneben besteht die sogenannte Stahlquelle. In Bad Brückenau gibt es die Wernarzer, die Stahl- und die Sinnberger Quelle, von denen die erste den Ruf des Ortes als eines Spezial-Nierenbades begründet hat, während die Stahlquelle bei Blutarmut und Frauenleiden gebraucht wird. Die Trink- und Badekuren in Stadt Brückenau haben Heilwirkungen bei Gicht, Rheumatismus, Blutstauungen im Unterleib, Krankheiten der Atmungsorgane, der Haut und des Darmes sowie bei Stoffwechselstörungen und Gefäßerkrankungen. Die mannigfachen Heilanzeigen von Bad Brückenau umfassen alle Erkrankungen der Niere, des Harnleiters, der Blase, der Prostata, der Harnröhre, Nieren- und Blasensteine, Sandbildung, krankhafte Ausscheidung von Salzen, Blut, Eiter und Bakterien im Urin, Blutarmut, Bleichsucht, Frauenkrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Zuckerkrankheit, Katarrhe der Luftwege, Exsudate nach Rippenfellentzündung, Herzkrankheiten, Ruhekuren bei Nervosität und besonders Rekonvalenszenz nach Operationen. Lungentuberkulose und sonstige ansteckende Krankheiten werden nicht geheilt. Hier, wie in Stadt Brückenau, können Moorbäder genommen werden. Beide Orte sind auch als Luftkurorte bekannt, weil sie am Fuße der Rhön inmitten weit ausgedehnter, schattiger Waldungen herrlich gelegen sind. Besonders Bad Brückenau ist mit seinen Hotels ganz in Grün eingebettet und bietet die Möglichkeit zu genußreichen Wanderungen. II. Bad Kissingen Von der Salzgewinnung im Gebiet der fränkischen Saale berichtet bereits Tacitus, aber erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit dem Aufblühen des allgemeinen Badewesens in Deutschland, finden wir den Ort Kissingen in Urkunden und ärztlichen Schriften als Bad erwähnt. Die ersten Grundlagen legte der berühmte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, der Erbauer des Juliusspitals und der Gründer der Universität in Würzburg. Nach den Zerstörungen des 30jährigen Krieges hat der baulustige Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, Kissingen seiner Bedeutung in der neueren Zeit entgegengeführt. Damals fand man einen verschütteten Brunnen, der nach Untersuchungen des Apothekers Boxberger einen hervorragenden Mineralgehalt besaß und der als Rakoczy den Weltruf Kissingens begründete. In der Zeit der Wittelsbachischen Königs- Küchenmeister Weinessig für Salate und zum Einmachen. Magister München 7

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