Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 7 (1.4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Bayerische Israelitische Gemeintlezeltune 133 Heuer wählt die Dame ihre PE LZ^GAR DE ROBE direkt bei S.ORLJANSKY&Co., , Neuhauserstr. 29 Jedes einzelne Pelzstück, das sie sich dort wählt, ist mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit so solide hergestellt, daß es viele Jahre als Schmuckstück und als Dauerwert ihre Wünsche befriedigt. Die ersten frischen Blau- und Silberfüchse von RM. 150.— an, die moderne Pelzjacke von RM. 58-— an in einer Art aufgelöstem Palmettenmuster, die strenge vertikale Gliederung der äußeren Träger, die zur Aufnahme der Schüsselchen für das Moror, das Ei und den Knochen, Salzwasser, Meerrettich usw. bestimmt sind, geben zusammen mit dem Schwingen des Gefässes und des Deckels und mit der Farbe, der ganzen Erscheinung das Pflanzliche, die Illusion des Gewachsenseins, das Unbedingte und Wahrhaftige, das allen diesen Geräten anhaftet. Da hängen an der Wand zwei mächtige Teppiche, die ebenfalls aus der Werkstätte stammen: auf rauhem handgewebten Leinen von grauer Grundfarbe sind mit handgefärbten Fäden Spruchbänder in Blockanordnung gestickt, die die ganze Fläche überziehen. Auf dem einen steht in deutscher Übersetzung der 118. Psalm „Aus der Tiefe rief ich zu dir..."; d?e Schriftbänder wechseln als Reihen in der grauen Grundfarbe, in einem holzigen Braun und einem ruhigen Blau. Die gestickte Schrift ist auf den braunen und blauen Reihen in der grauen Grundfarbe, auf der grundfarbigen in dunkelstem Braun gehalten. Den unteren Raum schließen in starken Buchstaben der hebräischen Ouadratschrift die Sinnworte des Festes „Pessach, Mazzo, Moror" ab. Der andere Teppich ist, wie sein Text, bewegter in der Anordnung der Bänder gehalten, was dadurch erreicht wird, daß die farbigen Zeilen breiter, die in der Grundfarbe schmäler gehalten sind. Auf grauem Grunde..erscheinen die deutschen Worte des Psalms 114 „Als Israel aus Ägypten zog..."; die bunten Bänder jubeln in der heiligen Sprache: „Haudu l'adaunoi ki tauw..." und tragen als Sinnschmuck ein Band mit vier Trauben, dem Gleichnis für die vier Becher Wein des Sederabends, und als Abschluß eine Ranke mit fünf Granatäpfeln als Gleichnis für die fünf Bücher der Thora. Berthold Wölpe, der die Reinheit und Wahrhaftigkeit kunsthandwerklichen Schaffens mit der Innigkeit seines jüdischen Wissens und Fühlens verbindet, hat die Teppiche entworfen und ist auch der Schöpfer der wundervollen Schüssel und Kanne für das feierliche Händewaschen des Hausherrn zum Anfang der Feier. Rotleuchtendes getriebenes Kupfer trägt um die reine Kreisform der Schüssel den hebräischen Segensspruch nach dem Händewaschen, und es ist wundervoll zu sehen, wie sich die Buchstaben der alten Schrift zum edlen Ornament gestalten ließen. Die Kanne wiederholt die Kreisform in ihrem breiten Henkel und bereitet seinen Rhythmus durch die nach hinten geschrägte und geschwungene Form der Kannenöffnung vor. Greift dann der sedergebende Hausvater nach dem Kidduschbecher, so faßt er die alte Form des Sturzbechers, der keinen Schmuck hat als sich selbst und ein zartes Schriftband der Worte aus dem Sch'mah „Mit ganzem Herzen — mit ganzer Seele — mit ganzer Kraft". Die Hausmarke des Hauses Guggenheim, die in allen Büchern und auf vielen Geräten der Sammlung wiederkehrt, die behandschuhte Hand, die eine Gewürzbüchse auf einem Pokalstiel trägt, zeichnet den Becher als Weihegerät. Dieser Becher ist in seiner Form einem 150 Jahre alten Becher der Chewrakadischa in Worms, der Heimatstadt Dr. Guggenheims, nachgebildet, auf dem die Namen -von Vorvätern des Hauses Guggenheim verzeichnet stehen. Der Seder, der Jahr für Jahr die gleichen frommen Sinnzeichen vor uns hinstellt und holde Stunden darauf verwendet, sie immer wieder neu und tief zu deuten, will mit der Formenfülle unserer eigenen Umwelt die uralte mythische Feier nah und gegenwärtig machen. Damit ist aber schon der Zweck der feinsten Pessachgabe ausgesagt, die Dr. Guggenheim den jüdischen Menschen unserer Tage gemacht hat: der Offenbacher Haggadah.1) Sie will das Gebot „Du sollst erzählen" erfüllen. Wie er selbst an seinem Sedertisch die alten Bräuche und die Segenssprüche, die Vorschriften und die haggadischen Geschichten mit Deutung und Ausschmückung umrankt, so hat er sie in diesem Buche niedergelegt. Nicht zünftige Gelehrsamkeit, die Kawwonoh, das liebreiche Glühen eines liebenden Herzens schuf die innere Form, die hier Lieder und Segenssprüche, Legende und Lobpreisung vereinigt und sie wie Blütenranken durch die vorgeschriebenen Bräuche webt. So erscheinen sie auch in der Buchgestaltung: roter Druck hebt die Erwähnung der Handlungen aus dem deutschen Text hervor, der in einer bibelgotisch geschnittenen Schrift von Rudolf Koch erscheint. Schwarz stehen auch die edlen hebräischen Buchstaben; die Noten der Lieder erscheinen, mit ihren eckigen Notenköpfen den alten Missalnoten ähnlich, schwarz auf roten Linien. Bunt wie die geschaffene Welt sind die Bilder, ganzseitige Holzschnitte von Fritz Kredel, die mit Herzenseinfalt empfangen und mit wundervollem Können gestaltet sind. Die Karte von Erez Jisrael ist allein schon eine Kötslichkeit. Den gesamten Druck hat Max Dorn in Offenbach gestaltet und die schwierige Aufgabe erstaunlich klar gelöst, das Vielerlei der Texte und der Bilder in ein geschlossenes Ganze zu bringen. Die Welt ist tausendfältig, und Gott ist Eins. Gelingt es einem Menschen, dies ewige Wunder uns sinnfällig zu machen, so müssen wir ihm dafür danken und die Kraft seines Beispiels in uns wirken lassen. Hier ist es geschehen. Künstler, Gelehrte, Freunde alle des einen Menschen wirkten beim Schaffen dieser Geräte und eines Buchs zusammen, und der Friede ihrer Liebe wirkt aus ihrem Werk zu unserer Erkenntnis. Um die Fülle in der Einheit geht es, um den Sinn, den alle Dinge haben. Unsere Väter empfingen seine Offenbarung. Wir nennen ihn Jichud, die Einheit alles Geschaffenen in Gott. x) Erschienen im Verlag des Herausgebers und von ihm zu beziehen. Preis broschiert RM. 60.—.