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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-15 · 4 (15.2.1934) · p. Seite 67

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
4 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 67 Selbstaufgabe. Wir können diese „Begabung" als Schicksal rings um uns herum lesen — in der jüdischen Schauspielerin hat sie sich zu einer Besonderheit verdichtet, deren Wurzeln aber in uns allen, in der seelisch-geistigen Lage des Juden in Deutschland überhaupt liegen. Solche Dinge ,,wei(3" man nicht. Sie fliegen uns an, wenn die Bergner als „Heilige Johanna" den lügnerischen Widerruf zerreißt, wenn die Orska sich in einer Rolle bis ins wilde Schluchzen, in lebendige Menschen- Iränen hineinspielte, wenn die Triesch eine Ibsenfrau •ins den dunkelsten Seelentiefen herauf erlitt. Da war es: dieses Dienen-Müssen, dieses Leben „im Bilde", als ein Gleichnis der geschaffenen Kreatur, des Menschen bittere Wahl zwischen Gut und Böse, dieses Weitergehen des eigenen Angerufenseins. Es war — gewiß! — auch der brennende Wunsch nach dem „Überlegensein", das Auskosten der großen Lust, stärker, schöner, klüger zu sein als Tausende; es war ein Sieg, über dem immer die alte Trauer schattete — denn es ist niemals leicht, mehr zu sein als die andern, weil man es dann in Zukunft immer sein muß und jedes Versagen als Schuld erscheint, vor den andern und vor uns selbst. Ein Bild ist mir für die Größe und innere Not des jüdischen Menschen und im Sonderfall der jüdischen Gestalterin geblieben: wer hat die Rowina gesehen, wie sie im letzten Akt des „Dybuk" gegen den magischen Kreis ankämpft, den der Rabbi um sie geschlungen hat? Dieses Ringen um eine Freiheit, die verderblich ist, diese Auflehnung gegen den gütigen, grausamen Zwang erschien mir immer sinnfällig als die Bindung des Juden und noch mehr des jüdischen Künstlers in seinen Dienst. Er spürt die Grenze, er möchte sie zerreissen — aber wenn er es vermag, ist es Selbstvernichtung. Aus dem Verbände Verband der jüdischen Turn- und Sportvereine im rechtsrheinischen Bayern Im nachstehenden Schreiben des Herrn Rechtsanwalt Dr. Vorchheimer, Nürnberg, an den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden wird Näheres über die Regelung der jüdischen Turn- und Sportvereine im rechtsrheinischen Bayern bekannt gegeben: An den Verband Bayerischer Israel. Gemeinden München. In einer mündlichen Besprechung vom 11. Januar 1934 in München, weiter mit einem Briefe vom 15. Januar 1934 (Tgb. Reg. 177/34) und einer weiteren Besprechung in Nürnberg am 25. Januar 1934 hat mir der Beauftragte des Reichssportführers bei der Bayerischen Staatsregierung, Herr Oberführer Schneider, München, die Bildung und Leitung eines Verbandes der jüdischen Turn- und Sportvereine im rechtsrheinischen Bayern übertragen. Die für mich bindenden Weisungen des Herrn Oberführers Schneider als Oberste Sportbehörde für Bayern sind folgende: 1. Es darf nur ein einheitlicher Verband bestehen. 2. An jedem Ort wird nur ein einheitlicher Verein geduldet, der alle Richtungen umfaßt. Andere Organisationen werden als wilde Vereine aufgelöst. Es können daher in Zukunft für sich weder Vereine des Deutschen Makkabi-Kreises noch RJF-Sportgruppe ihre Tätigkeit fortsetzen oder neu aufnehmen. 3. Ich trage gegenüber der Sportbehörde für die Gesamtorganisation die Verantwortung. Aus diesem Grunde habe ADOLPH SCHLESINGER engrosu.endetail PfiellTIdyGfStfdfje 12 Seit 50Jahren Das Spezialhaus f. bewährte u. preiswerfe Trikot-Unterwäsche, Strumpfwaren, Stricku. Modewaren. Bleyle, Kubier, Ribana, Professor Dr. Jäger, Schachenmayr. ich die Leiter der Vereine zu bestimmen, die nach Möglichkeit Frontsoldaten sein sollen. 4. Bis auf weiteres ist mir an jedem ersten und dritten Mittwoch des Monats persönliche Berichterstattung in München zur Pflicht gemacht. 5. Der Meldung zu Veranstaltungen des Deutschen Makkabi- Kreises E.V. und des Sportbundes des RJF. steht nichts im Wege. Auch die Einzelmitgliedschaft in diesen Organisationen ist gestattet. Ich bitte Sie den Gemeinden von vorstehender Regelung der Sportbehörde, die im Einvernehmen mit der Bayer. Politischen Polizei getroffen ist, Kenntnis zu geben und die Gemeinden aufzufordern, mir eilig Vorschläge für den Vorsitzenden ihres Vereines zu unterbreiten. — Für München. Nürnberg und Fürth in Bayern erübrigt sich dieser Vorschlag, nachdem an diesen Orten die Vereine bereits errichtet sind. Die Gemeinden wollen darauf aufmerksam gemacht werden, daß sich die Vereine der Ortspolizeibehörde gegenüber auf Anordnung des Beauftragten des Reichssportiührers bei der Bayerischen Staatsregierung und der Bayerischen Politischen Polizei in München berufen können. Mit Rücksicht auf die mir vorgeschriebene Berichterstattung bitte ich um eilige Erledigung. Gleichzeitig gebe ich davon Kenntnis, daß mein Stellvertreter, Herr Alex Ichenhäuser, Fürth/Bayern, Pickertstr. 1. ist. g e z Dr. Vorchheimer. Aus der Gemeinde München Die Bibel als Lebensbuch Weihestunde der Israelitischen Kultusgemeinde München Am Sonntag, den 4. Februar veranstaltete die Münchener Gemeinde in der Hauptsynagoge eine Weihestunde. Der besonders rege Besuch bewies, wie sehr die Veranstaltung einem Bedürfnis der Gemeindemitglieder entsprach und es darf gehofft werden, daß die so gelungene und vorbildliche Veranstaltung in nicht allzu ferner Zeit Nachfolge findet. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Baerwald. Sein Gedankenreichtum kann hier nur in kurzen Strichen nachgezeichnet werden: Im allsabbatlichen Gebet danken wir für „die köstliche Gabe" der Bibel, den „Baum des Lebens". Kein Wort zeichnet so schlicht und treffend die Bedeutung der Bibel, wie jenes aus der Weisheit Salomonis. Als den unverwelkten, stets neue Blüte- und Früchte-tragenden Baum ewigen Lebens hat sich von Anbeginn das Buch der Bücher bewährt. Seit dem Beginn der nationalen Geschichte, aber in gesteigertem Maße noch in den Jahrhunderten des Exils war und ist die Reihe der biblischen Schriften lebenserhaltender und lebensspendender Brennpunkt des Geistes. Kein Zweig jüdischen Lebens konnte sich ihrer Ausstrahlung entziehen und die weitverzweigte Vielfalt jüdischen Geisteswerkes, Halacha und Hagadah wie das gesamte talmudische und nachtalmudische Schrifttum unserer Gemeinschaft ist unmittelbar aus ihrem Geist. Zu aller Zeit war es die Bibel, die den Kreis der Familie zur geistigen Gemeinschaft und auch jede geistige Gemeinschaft im Judentum zu einer Familie zu formen wußte. Wir sind zum Volk des Buches geworden, aber nur weil das Buch der Bücher auch das klare und menschennahe Buch des (Fortsetzung Seite 69) Ober 70 Jahre Qualitätszigarren! Alffred Klopfer Maximilianstr. 10 Tel. 27039

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