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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-01 · 3 (1.2.1934) · p. Seite 49

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
3 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 49 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 49 Sie kommen zu uns wie immer. Sie finden vor wie immer: die bewährt soliden Qualitäten, für die wir den Ruf haben, für die wir uns einsetzen. Aber Sie erhalten jetzt zu Saisonschluß-Verkaufspreisen, also viel, viel billiger. Das sollten Sie ausnutzen. Winter-Saisonschluß-Verkauf vom 20. Januar bis 3. Februar bei BACH München Sendlingerstraße Gegr. 1871 tenlehre konstitutiv für die Zugehörigkeit zum Judentum und die Nichthaltung gewisser Grundpflichten Ausschließungsgrund, dann wäre die Judenheit der Welt zu einer bedeutungslosen Sekte geworden. Wo bleibt aber dann das Bleibende, das Wesentliche im Judentum? Gibt es einen „Objektiven Geist" des Judentums? Und auf welchen Wegen ist er aufzufinden? „Geistiger Inhalt", also alles, was ein geistiges Einzelwesen als seine Ansichten, Meinungen, Vorstellungen, Urteile, Vorurteile, Begriffe oder Anschauungen ausgibt, hat die Tendenz sich zu objektiv gestalteten Gebilden auszuformen. Von diesen Gebilden gilt der Satz, daß sie ablösbar sind — nicht nur vom meinenden Akt, sondern auch vom meinenden Subjekt. Sie sind also ablösbar von der Person, deren Meinungen, Ansichten oder Anschauungen sie sind. Sie überdauern nicht nur im Geistesleben der Person den Akt, der v sie hervortreibt, sondern können sogar von Person zu Person weitergegeben werden und sich schließlich zu einer Art Gemeinbesitz einer beliebigen Menge von Individuen auswachsen. Dieses Wohlbekannteste des Wohlbekannten muß, wenn man ausgeht den Geist, das Wesen des Judentums zu suchen, erst wieder eingeschärft werden, eben wegen jener Weiträumigkeit des Judentums, in dessen Schoß miteinander vereinbar sind Vernunft und nicht fragende Gläubigkeit, härteste Gesetzlichkeit und spontane Herzenswärme, Magie und abstrakteste Glaubensinnigkeit, Innerweltlichkeit und Weltflucht, Mystik und Aufklärung. Wo findet man hier die Konstante, den „Objektiven Geist"? Alles Psychologische, alle praktische „Menschenkenntnis" scheidet hier aus. Denn psychologisch gehören Akt und Inhalt untrennbar zusammen, verflüchten also im Entstehen. Aber ablösbar, tradierbar kann auch mitgeteiltes Wertempfinden sein. Freilich Irrtümer und Vorurteile haben dieselbe Objektivität und Tradierbarkeit wie Wahrheiten. Lassen uns vielleicht andere bekannte Darstellungen vom „Wesen des Judentums" deshalb so unbefriedigt, weil sie sich über das was vom „Objektiven Geist" aussagbar ist, über objektive Gestalthaftigkeit und Tradierbarkeit der geistigen Inhalte nicht genügend Rechenschaft ablegten? Es handelt sich um die überindividuelle Grundgestalt des Geistes des Judentums, herausdestilliert aus der zeitlichen, regionalen und personalen Fülle seiner zeitbedingten Formungen, nicht um die Lehre, die — wenn erst die hermeneutischen Grundsätze feststehen — aus den kanonischen Urkunden leicht herauslösbar wäre. Wo aber fasse ich den vielberufenen „Geist" der Judenheit, ihre charakteristischen Ideen, Ziele, Tendenzen, Leistungen, Geschehnisse um sie und mit ihnen, gemeinsame Schicksale, woraus eben ihr „Geist" verstehbar wäre? Bekanntlich ist Hegel der große Entdecker des „objektiven Geistes". Den überindividuellen, geschichtlich lebenden Geist meinte er, und für ihn prägte er diesen Terrninus. In ihm erblickte er den eigentlichen Geschichtsträger, den Schöpfer von Recht und Moral, Gemeinschaftsorganisation, Bildung, Zivilisation und Kultur. Oder haben die Juden gar keinen eigenen Volksgeist, sondern nur eine „Glaubenslehre" mit einigen absonderlichen Eigenschaften aus ihrem Minderheitsschicksal zwischen den Völkern? Das relativ kontinuierliche Leben des Gemeingeistes, das vielstrahlig läuft und im Gestaltwandel besteht, also Geistesleben in seiner Ganzheit, wie es geschichtlich in einer jeweilig bestehenden, durch Zeitgenossenschaft und Lebensgemeinschaft verbundenen Menschengruppe sich herausbildet, entwickelt, zur Höhe gelangt und niedergeht, das versteht Hegel unter „objektivem Geist". Jetzt wird uns begreiflich, warum in der verbreitetsten modernen Darstellung des „Wesens des Judentums" (von Leo Baeck) nichts vom objektiven Geist des Judentums enthalten ist. Es mag „die Religion des sittlichen Optimismus" gepaart mit tiefer Verachtung der Menschen und irdischen Realitäten sein, wirklich verständlich wird sein Wesen und sein Geist nur in einem organischen Miterleben, d. h. durch ununterbrochenes Gerichtetsein auf alle seine geschichtlichen Inhalte und Wandlungen bis heute. „Hebräisch schnell gelernt", etwas Palästinakunde, der wackere „Weigl" und Baecks „Wesen", damit ist kein Zugang zum Judentum, auch nicht zum Wissen davon, erschließbar. Dagegen läßt Bergmann in seinen neun Kapiteln die Unendlichkeit und Schönheit der Aufgabe, zu unseren Urgründen (völlig unromantisch) zurückzufinden, ahnen, gibt dem Hochmut der „Gerechten" einen heilsamenDämpfer und spannt denRahmen für diegeistesmächtige, vielgestaltige, keineswegs eindeutige oder in sich abgeschlossene Welt der historischen jüdischen Seinsformen. Die ersten vier Antithesen lernten wir kennen. Wir hatten die Inhaltsanalyse durch den kur-

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