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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-01 · 3 (1.2.1934) · p. Seite 50

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
3 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 50 (sequence 10)
Language
German
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50 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 zen erkenntnistheoretischen Exkurs über den „Objektiven Geist" unterbrochen. Das fünfte Gegensatzpaar lautet: „Glaube und Volksglaub e". Magie, Amulette, Dämonen und Geistesbeschwörung hatten neben tiefster und reinster Religiosität von jeher im Judentum Platz. Der Aberglaube mit seinen „kindlichen" und sinnlichen Vorstellungen war auch unter den zum Aufgeklärtsein, zum Zweifel und zur „rein geistigen" Religion von jeher so sehr disponierten Juden in allen Zeiten mächtig. „K o n t inuität und Entwicklung"! So stark war im Judentum die Macht der Tradition, daß religiöse Institutionen und Gebräuche sich erhielten, selbst als sie ihren religiösen Sinn verloren hatten (z. B. das Gebet „Jekum Purkan", vorsorgliche Feier eines zweiten Festtages usw.); daneben vollzog sich in den Jahrhunderten ein einschneidender Wandel der religiösen Sitte und des ethischen Empfindens. Dann die örtliche Differenzierung in den religiösen Bräuchen! Die Neigung zum partikularen Gebrauch, zum „eigenen Schulchan-Aruch" und der Wille zur Einheit wohnten im Judentum stets nebeneinander. „M annigfaltigkeitund Einheit"! Aus dem Judentum ging Philo hervor, der die Toragebote in Sinnbilder umdeutete, und Akiba, der aus jedem Buchstaben der Tora ein unverbrüchliches Gebot ableitete. Die ganze reiche Kultur des hellenistischen Judentums, die von vielen Millionen durch den ganzen Körper der nachklassischen Antike und bis über die mesopotamische Ostgrenze hinaus getragen wurde, ist planmäßig und mit erschütterndem Erfolg vernichtet worden. „Das Talmud-Judentum hat seine griechisch redende Schwester getötet, ihre Stätte zerstört und den Pflug darüber geführt." Der Einfluß der Umwelt und die Bewahrung der Eigenart, diese beiden Tendenzen rangen von Anfang an miteinander. Während man. eifersüchtig vor der Übertretung des Verbots, fremde religiöse Sitten nachzuahmen (Chukkas-ha-goj) warnte, befand man sich unbewußt mitten im unjüdischen Brauchtum. Strenge Exklusivität war die Bedingung jüdischer Fortexistenz, aber in der Abschließung hat es niemals das Weltgefühl und den weltweiten Horizont verloren. Die jüdische Lehre zog durch die Welt und schritt durch die Zeiten, veränderte sich dabei, aber das Judentum erhielt sich und sah in einer ununterbrochenen Kette Völker und Reiche um sich versinken, Geistesströmungen abfließen und hochtrabende, als neu und unwandelbar ausposaunte Ideen und Grundsätze verblassen und kraftlos werden. Weise und wissend lernte die Judenheit einer älteren Zeit die Anbetung des Erfolges verachten, dessen Größe niemals die Größe des auf dem Weg zum Erfolg zugefügten Unrechts aufhebe. Aber der europäische emanzipierte Jude des 19. und 20. Jahrhunderts machte sich selbst dieser Anbetung schuldig und wurde furchtbar dafür bestraft. Er mußte erst gewaltsam von außen wieder auf seine fremde Herkunft und sein arteigenes Sein, auf den „Geist des Judentums" gestoßen werden. Er hat den Weg zur Suche nach ihm soeben von neuem angetreten. Adolf Stark 5er moderne £mettfdjttetöer Saijerffra&e 5, H.ßtotf, im ^atfjafer&räu, Set. 55024 Benützeh Sie im eigenen Interesse die legten Tage des INVENTUR«VERKAUFES bei KLAUBER Theatinersir. 35 Fil. Marienplatz 2 Gewaltige Preisherabsetzungen Letzter Tag: 3. Februar Verlangen Sie unseren Sonderprospekt Nr. 10 Inventurverkauf Außergewöhnliche Vorteile im Spezialgeschäft f. Damenmoden Leo Oppenheimer, bis 3. Februar Dachauer Strasse Nr. 9 (neben Cafe Ungerer) Forfdauer unseres Inventur-Verkaufs Hervorragende Einlcaufsgelegenneit QualitätsstoffefürDamen und Herren Weinberger & Bissinger München, Rindermarkt 7 Augsburg, am Fuggermonument Sämtliche Artikel des täglichen Bedarfs gut und preiswert Berthold Schweizer Herzogspitalstraße 12 Angeschlossen dem Wohlwerts Konzern

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