Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 3 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 45 S. Orljansky & Co. HÜNCHEK . NEUHAUSER STRASSE 29 das führende Spezialhaus für EI©Cj3nt© P©IZITIOCl©n Größte Auswahl . Erstklassige Qualitäten . Bekannt billige Preise . Umarbeitung nach den neuesten Modellen Ein bedeutsames soziales Werk: Ausbau der jüdischen Darlehenskassen in Deutschland Der Ausbau der jüdischen Darlehenskassen durch die Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen e.V. in Berlin-Charlotteniburg 2, Kantstraße 158, konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 1933 in weitestem Umfange gefördert werden. Die Zentralstelle hat als Spitzenorganisation der im Reich bestehenden Darlehenskassen im Jahre 1933 an diesem Auf- und Ausbau mit allein Nachdruck gearbeitet. Sie wurde dabei unterstützt von dem immer größer werdenden Verständnis der Gemeinden und Gemeindeverbände im Reich für die Aufgabe der Darlehenskassen und damit für die Notwendigkeit genossenschaftlicher Selbsthilfe. So konnte nach drei Richtungen eine wesentliche Förderung der Darlehenskassen erfolgen, durch die Erhöhung des Kapitals bestehender Darlehenskassen, durch Gründung neuer örtlicher Darlehenskassen und durch die Schaffung von Bezirksdarlehenskassen. Der erste Weg des Ausbaus: die Erhöhung des Betriebskapitals der Darlehenskassen war erforderlich, weil das Kreditbedürfnis zur Überbrückung wirtschaftlicher Notstände besonders groß geworden ist. Viele Darlehenskassen wären nicht in der Lage gewesen, diesem Kreditbedürfnis nur mit ihren eigenen Mitteln zu entsprechen. Ihre Leistungsfähigkeit wurde jedoch dadurch erhöht, daß die Zentralstelle den einzelnen Kassen einen von der American Joint Reconstruction Foundation und von dem Joint Distribution Committee dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Kredit vermitteln konnte. So war es möglich, den einzelnen Kassen ein Fundament zu geben, daß sie auch den besonderen Anforderungen entsprechen konnten. Während in den letzten fünf Jahren in Deutschland etwa 20 leistungsfähige Ortsdarlehenskassen gearbeitet haben, konnten 1933 durch die Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen e. V. rund 40 Kassen neu gegründet bzw. ausgebaut werden. Zur Zeit bestehen in Deutschland ca. 60 jüdische Darlehenskassen, deren Kapital zusammen mit dem Kredit der American Joint Reconstruction Foundation und des Joint Distribution Committee sich auf etwa eine Million Reichsmark beläuft. Besonderes Gewicht wurde von der Zentralstelle auf den Ausbau der Bezirksdarlehenskassen gelegt, einmal um einen Kreditausgleich der einzelnen Gemeinden innerhalb der Gemeindeverbände herbeizuführen und um auch die kleineren Gemeinden, die selbst keine Darlehenskassen errichten können, in ein Netz von Bezirksdarlehenskassen einzubeziehen. In folgenden Gebieten haben Bezirksdarlehenskassen ihre Tätigkeit aufgenommen oder stehen unmittelbar davor: Baden (Karlsruhe), Bayern (Ansbach, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Fürth, Kissingen, Kitzingen, Neumarkt, Pfalz, Regensburg, Schweinfurth, Würzburg), Brandenburg (Berlin), Grenzmark Posen- Westpreußen (Scfoneidemühl), Hessen-Nassau (Frankfurt). Niederschlesien (Breslau), Oberschlesien (Beuthen), Ostiriesland (Emden), Ostpreußen (Allenstein), Pommern (Stettin), Rheinland (Köln), Sachsen-Anhalt (Magdeburg), Schleswig-Holstein und Hansestädte (Hamburg), Thüringen (Erfurt), Westfalen (Bielefeld), Württemberg (Stuttgart). Mit Hilfe der Darlehenskassen und der den Darlehenskassen neu zugeführten Kreditmittel war es möglich, in weitem Umfange dem schwer ringenden jüdischen Mittelstand produktive Hilfs- und Kreditmöglichkeiten zu vermitteln. Viele tausende Existenzen sind dadurch in ihrer Wirtschaftskraft erhalten, anderen ist neu zur wirtschaftlichen Existenz verholfen worden. Die Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen e.V. betrachtet es deshalb als ihre dringendste Aufgabe, in den nächsten Monaten in allen größeren jüdischen Gemeinden, in denen noch keine Darlehenskassen bestehen, Darlehenskassen zu gründen und außerdem den Ausbau der Bezirksdarlehenskassen so zu beschleunigen, daß auch die Kredithilfe den kleineren und Kleingemeinden im .ganzen Reich zugute kommen kann. „Die Flora der Juden11 Zum 8 0. Geburtstag von Immanuel Low Am 20. Januar konnte der berühmte ungarische Orientalist Immanuel Low, seit 1878 Rabbiner in seiner Heimatstadt Szegedin, seinen 80. Geburtstag feiern- Der Sohn des großen „Zaddik" Leopold Low, der für Ungarn vor 80 Jahren das bedeutete, was in der gleichen Epoche S. R. Hirsch in Deutschland, wurde der Repräsentant der „neologen" Richtung des ungarischen Judentums. Der merkwürdigen Gestalt Immanuel Löws. den man noch heute in ungarischer Nationaltracht an nationalen Feiertagen an seinem Amtssitz antreffen kann, widmet in der Neuen Züricher Zeitung (vom 21. Januar 1934) Ludwig Köhler, der bekannte Professor für Altes Testament an der Universität Zürich, die nachstehende Betrachtung. Ein ungarischer Rabbiner, Leopold Low, selber noch heute in der Wissenschaft mit allen Ehren genannt, sandte vor siebzig Jahren seinen Sohn, um ihm die beste erreichbare Ausbildung angedeihen zu lassen, in ein von Piaristen geleitetes Gymnasium. Derjenige Ordensbruder, dem der stiefmütterliche Unterricht in Naturkunde übertragen war, tat etwas für jene Zeit Ungewohntes. Er ging mit seiner Klasse zur Sommerszeit vor das Tor hinaus und leitete sie an, Pflanzen zu sammeln, zu kennen und zu bestimmen. Von daher bewahrte der junge Immanuel Low, der dann jüdische Theologie und orientalische Sprar chen studierte und seinen Lehrern früh durch Wissen und Begabung auffiel, zeitlebens eine Vorliebe für Pflanzenkunde. Er kommt auch jetzt noch, wie er im Sommer fast alljährlich tut, nicht nach Zürich, ohne Pflanzen beobachtend unsere Anlagen und Märkte zu durchstreifen. Die Aufgeschlossenheit für die Scientia etmabilis sollte ihm in trüben Stunden zugute kommen. Nachdem Ungarn die Kommunisten zurückgeschlagen, kam er als des geheimen Einver-