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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-01 · 3 (1.2.1934) · p. Seite 44

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
3 (1.2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 gewendet war. Erst jetzt konnte durch Prüfung des Steines die Schrift festgestellt und dadurch zugleich auch die ehemalige Verwendung als Sitz wieder erkannt werden. Rabbi Juspa Hahn, der im Jahre 1637 verstorbene Frankfurter Rabbiner, erwähnt in seinem Sammelwerk Frankfurter jüdischer Bräuche „Josef Omez" eine Sitte, deren Ausübung er allerdings anscheinend nicht mehr als Augenzeuge gekannt hat. Aus seiner Schilderung geht hervor, daß es früher in Frankfurt wie auch in Prag üblich war, daß sich am Sabbatmorgen nach dem Gottesdienst die Gemeindemitglieder auf einen Stein niedersetzten, um dadurch ihr Denken an Jerusalem zu dokumentieren. Diesem Brauch diente der wiedergefundene Stein, wie die Aufschrift „Für Jerusalem" bestätigt. Außer diesem Sitz, der jetzt im Museum jüdischer Altertümer in Frankfurt ausgestellt ist, sind weitere Reste der Alt-Frankfurter Synagoge seit Jahren bekannt und an sichtbarer Stelle unmittelbar hinter dem Eingang, beziehungsweise im Vorraum zur Hauptsynagoge eingemauert. Ein neues Lehrbuch für den sysfemafischen Religionsunterricht Besprechung des Buches von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob in Augsburg, Israelitische Religionslehre, Verlag B. Heller in München 1933 Von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher Um die Einbeziehung der systematischen Religionslehre in den jüdischen Religionsunterricht als etwas sehr Fragwürdiges darzutun, weist man öfters -darauf hin, daß der systematische Religionsunterricht eine große Ähnlichkeit mit der Katechismusunterweisung der christlichen Glaubensgemeinschaften habe, daß das hier Durchgenommene zu abstrakt wäre, der Wirklichkeitsnähe und der Erlebnistiefe ermangele. Das Lehrbuch von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob widerlegt sehr gründlich diese Einwände. Die gesamte Glaubenslehre, die Ethik und das Religionsgesetz werden in großer Vollständigkeit behandelt. Die absichtlich knappe Darstellung zeichnet sich durch große Klarheit und Anschaulichkeit aus. Mit kurzen Stichworten wird oft der ganze Fragenkomplex angedeutet, der mit dem erörterten Thema in Zusammenhang steht. Z. B. in dem zweiten Kapitel des ersten Teiles, der auf die jüdische Gottesvorstellung eingeht, wird auf Atheismus, Pantheismus, Polytheismus, Mittlerlehre, Astrologie, Okkultismus, Spiritismus hingewiesen. Immer wieder wird auf Fragen, die heute Aktualität besitzen, aufmerksam gemacht, z. B. Wie verhält sich das Judentum zum Krieg, zum Staat, zum Privateigentum? Billigt das Judentum die Todesstrafe? Welche Haltung nimmt das Judentum zur sportlichen Betäti- 9&W<Wi w<^Mm #\x \^!tt§i? ^ä^-?>>£5-' " - " v > &>^^$2§§, ^f-^' -i' ' ■> '-"vKv'K'.fV^ «• l^<<<<r4^r<<^ y*$z>>£< * v* V i'X N /-»V^5 "\> \ \ /-»V^5 yf-^-S^ DAS pRE'SWüRDIGE MÜNCHNER TUCHHAUS SONNENSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST Zum Inventurverkauf vom 20. Januar bis 5. Februar besonders günstige Ängebote gung ein? Die Darstellung wird durch derartige Hinweise lebendig und wirklichkeitsnah, ruft im Sinne der Herbartsehen Interessenlehre Aufmerksamkeit und Interesse wach. „Das Wort Interesse bezeichnet im allgemeinen die Art von geistiger Tätigkeit, welche der Unterricht veranlassen soll; indem es bei dem bloßen Wissen nicht sein Bewenden haben darf." (O. Willmann u. Th. Fritzsch, Johann Friedrich Herbarts Pädagogische Schriften, 3. Aufl. Osterwieck/Leipzig 1913, 2. Bd. S. 37.) Eine Fülle von apologetischem Material wird dargeboten. Sehr klar wird zum Ausdruck gebracht, inwiefern die Lehren des Judentums vom Neuen Testament nicht richtig dargestellt werden. (Im allgemeinem haben es die bisher erschienenen Lehrbücher, welche die systematische Religionslehre behandeln, vermieden, ausdrücklich auf das Neue Testament zu verweisen-) Der Anhang des ersten Teiles stellt in gedrängter Form (auf einer Seite) und doch sehr anschaulich zusammen, was das Judentum und Christentum gemeinsam haben und was das Judentum abweichend vom Christentum lehrt. Die vielen Zitate aus den Quellenschriften des biblischen und nachbiblischen Judentums sind eine' sehr wertvolle Bereicherung des Lehrbuches. Der Schüler kann sich an Hand der Zitate davon überzeugen, daß das nachbiblische Judentum keineswegs wesensverschieden vom biblischen Judentum ist, wie es die christlichen Autoren so oft behaupten. Das jüdische Brauchtum findet entsprechend der religiös positiven Haltung des Buches eine eingehende Darstellung. Eine Distanzierung von jedem Parteistandpunkt kann man deutlich wahrnehmen. Mit streng wissenschaftlicher Objektivität wird das Judentum so dargestellt, wie es die Religionsquellen erkennen lassen. Die kurze Übersicht über die Entwicklung des jüdischen Schrifttums und besonders der Anhang am Ende des Buches mit 200 jüdischen Ausdrücken in hebräischen Lettern wird mit Erfolg bei Wiederholungen angewendet werden. Diese Hinweise werden wohl schon die religionspädagogische Bedeutung des Lehrbuches erkennen lassen, dem ich weiteste Verbreitung wünschen möchte. Hervorgehoben sei auch, daß der Verlag B. Heller in München in dankenswerter Weise das Buch in sehr deutlichem Druck (das Wichtigste fällt durch Fettdruck sofort in die Augen) und in sehr schöner und handlicher Ausstattung hat erscheinen lassen und auch einen mäßigen Preis für das Buch festgesetzt hat.

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