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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-01-15 · 2 (15.1.1934) · p. Seite 28

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
2 (15.1.1934)
Date
1934-01-15
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr.2 De SKI-AilSKiiSTIIN<; vom Münchner SportartikeUVertrieb G. m. b. H. Platzl 5 (neben der Bonboniere) besten Regisseure und Spieler zu dem großartigsten Festspiel, das die Welt je gesehen hat, herbeiwünscht. — Das penible und überstrenge Kunstgewissen des fast 70jährigen Wiener Dichters hat uns außer ganz wenigen Gelegenheitsstücken nur die beiden Dramen „Der Graf von Charolais" und „Jaakobs Traum" bis heute freigegeben. In dem zuerst genannten Stücke, dessen Stoff aus der nachshakespeareschen Epoche genommen ist, bricht der „rote Itzig" mit Worten blutiger Ironie gegen das große Unrecht am jüdischen Volke aus. „Jaakobs Traum" ist das große nationaljüdische Weihefestspiel, das uns immer wieder, von seinen künstlerischen Qualitäten ganz abgesehen, aufs tiefste ergreift. — Blut von Gewes'nen, zu Kommenden rollts, Blut unsrer Väter voll Unruh und Stolz, In uns sind alle. Wer fühlt sich allein? Dein Leben ist ihres; ihr Leben ist dein. Wir wollen diese Zeilen aus dem „Schlaflied für Mirjam" nicht ästhetisch werten und analysieren. Ihr jüdischer Gehalt, ihr Ruf an das Judentum ist so eindringlich und wird von keinem heutigen deutsch-jüdischen Dichter an Echtheit der Gesinnung übertroffen. Hier hat letzten Endes ein literarästhetisches Kritisieren und Vergleichen ebenso zu schweigen wie vor den Tönen der beiden Bibelstücke Beer-Hofmanns. In „Jaakobs Traum" ringt der Held mit Gott und nimmt mit großem Pathos die Tragik des Judentums auf sich unter dem Gesang der Erzengel und der tönenden Lichtflut ihrer weißen Flügel. Im David-Drama ist das Hauptthema das Mahnwort Ruths an den jungen David: „Sei treu!" Die reine Dichtung wird in beiden Fällen durch den — allerdings durch und durch geläuterten — jüdischen Nationalstolz ihres Urhebers übertönt. Wir haben es mit einem echt nationaljüdischen Spiel zu tun, das hoffentlich bald durch die beiden noch fehlenden Hauptteile der Triologie seine Krönung erfährt. Der Dichter hat sich in einem Gespräch, das soeben (am 6. Januar) in der „Neuen freien Presse" veröffentlicht wird, über den Inhalt der beiden kommenden Stücke des Zyklus „König David" und „Davids Tod" geäußert. Aus diesem Gespräch geben wir die wichtigsten Stellen im Nachstehenden wieder: „Der junge David" zeigt den Sechsundzwanzigjährigen, „König David" soll den Fünfzigjährigen, „Davids Tod" den mehr als Siebzigjährigen zeigen, sagt Richard Beer-Hofmann. Dieser Zusammenhang bewirkt, daß im „Jungen David" Grundsteine versenkt werden mußten für einen Bau, der erst im „König David" und „Davids Tod" emporwachsen kann. So ist die Menge, das Sich-Drängen der Gestalten nicht nur aus der Sehnsucht eines Musikers zu erklären, der es sich wünscht, mit allen Möglichkeiten eines vielstimmigen Orchesters schaffen zu dürfen, sondern viele Gestalten, die hier als Kinder, Halbwüchsige, Jünglinge scheinbar nur lose mit den Ereignissen verknüpft sind, greifen in den kommenden Stücken entscheidend in all.es Geschehen ein: Auch war es für mich verlockend und im Tiefsten aufrührend, nicht bloß denselben Menschen, als jungen Mann, als Alternden, als Greis zu formen, sondern auch das Aufwachsen, Reifen und Welken vieler Menschen um diese eine Gestalt herum. ' Zwischen dem „Jungen David" und „König David" liegt mehr als ein Vierteljahrhundert und ungefähr die gleiche Zeit zwischen „König David" und „Davids Tod". Auch „König David" umfaßt nur eine kurze Spanne Zeit. Hier spielt alles Geschehen zwischen David, seinem Sohn Absalom, der sich gegen ihn empört, und Bathseba, dem Weib des Uria, der ja im „Jungen David" ein vierzehnjähriger Knabe ist. Die seelische Linie wird so geführt, daß die Krone — das König-Sein — David allem Schönen, allem Wert, allem Traum seiner Jugend entfremdet, und erst in „Davids Tod" findet nach seiner Abdankung der Greis, ehe er stirbt, zu seiner Jugend wieder heim. Von den künftigen Teilen des Zyklus wurde manches schon vor Jahren, noch ehe die Arbeit am „Jungen David" begann — freilich nicht unwiderruflich! — festgelegt. Nicht nur in großen Linien. Einzelne Szenen liegen schon im Wortlaut vor — auch diese nicht unwiderruflich! Auch ist es ja begreiflich, daß ich den Mann und den Greis schon kennen mußte, ehe ich es unternahm, den Jüngling zu formen. Und dann: Es kommt eine Zeit, da die Gestalten, die man so lange in sich getragen, ihr eigenes Leben zu leben beginnen, nicht warten, bis sie gerufen werden, sondern bei Tag oder bei Nacht eintreten und gebietend verlangen, daß man ihr Da-Sein zur Kenntnis nehme. So war die Arbeit am „Jungen David" immer durchsprengt von Epochen, die vollständig vom Festhalten einzelner Szenen der kommenden Stücke erfüllt waren. Auch von leeren Epochen. „Jaakobs Traum", der erst 1918 im Druck erschien, war 1915 bereits abgeschlossen, so daß die Arbeit am „Jungen David" schon 1916 begann. Auf die Frage, ob sich „Der junge David" und die Führung der Handlung von der überlieferten Formung der Bibel entfernt, erwidert Beer-Hofmann: Im wesentlichen kann manches, was neu erscheint, aus den Zeilen der Bibel herausgelesen werden, oder es kann zwischen den Zeilen der Bibel, ohne ihnen zu widersprechen, seinen Platz finden. Was David anlangt, so wäre es vermessen von mir gewesen, an das innerste Wesen einer Gestalt zu rühren, die — so wie die Bibel sie formte — mit dieser Bibel durch die Jahrtausende heiligster Besitz ungezählter Millionen wurde. „König David" und „Davids Tod" werden an einem Abend gespielt werden können. Zumindest spricht dafür das Gefühl, das in mir ja für die vom Stoff geforderten Dinmensionen vorhanden sein muß. An Vorarbeit ist sehr vieles schon getan — so hoffe ich, in zwei Jahren den Zyklus abgeschlossen zu haben. Vorausgesetzt freilich, daß — aber Sie wissen ja selbst, wie sehr man Schicksalsgunst braucht, um in dem Beben dieser Zeit sich ganz einer Arbeit geben zu können. Zum Tod von Jakob Wassermann Im Unglück geboren, im Dunkel gestorben! Dazwischen, ein volles Menschenalter, die Lebensbahn bestrahlt von einem immer reifer werdenden Künstlertum, das von unerhörten äußeren Erfolgen ohne Rückschläge bestätigt wurde. Diese Jugend begann sehr bitter. Zum 60. Geburtstag des Dichters haben wir in diesen Blättern vor wenigen Monaten geschildert, wie dem Spielwarenhändler Adolf Wassermann in Fürth, Alexanderstraße 13, einem Pechvogel bis an sein Lebensende, und seiner früh ins Grab gesunkenen blonden sanften Frau am 10. März 1873 ein Knabe geschenkt worden ist. Wir haben den Lebensweg des Mannes, seine Heimattreue und seine Stellung zum Judentum kennengelernt; in seinen zum 60. Geburtstag erschienenen „Selbstbetrachtungen" ist ein angesichts der Zeitlage geschriebener Abriß der jüdischen Leidensgeschichte durch die Jahrtausende enthalten, der in der gedrungenen Knappheit der Tatbestandsaufnahme und in der Zugespitz theit der leidenschaftlichen Anklage nicht überboten werden kann. Dieser Aufschrei nach Gerechtigkeit (wir haben den Wortlaut in der Gemeindezeitung vor kurzem abgedruckt) ist das Vermächtnis Jakob Wassermanns an die

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