Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 2 (15.1.1934)
- Date
- 1934-01-15
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 25 S. Orljansky & Co. MÜNCHEN . NEUHAUSER STRASSE 29 das führende Spezialhaus für EI©Cj3nt© P©IZ!T10Cl©n Größte Auswahl . Erstklassige Qualitäten . Bekannt billige Preise . Umarbeitung nach den neuesten Modellen ist die letzte die jüdische aus Deutschland. Und wer zuletzt kommt, hat erfahrungsgemäß die schlechtesten Chancen." Diese Zweckmäßigkeitsgründe, in Deutschland zu bleiben, sind zweiten Ranges gegenüber den Hauptgründen der Solidarität der in Deutschland verbliebenen und zu Deutschland uneingeschränkt stehenden Juden und ihrer unerschütterten Heimatliebe. Es ist von größter Wichtigkeit, daß auch aus dem Lager der deutschen nicht-zionistischen Juden die Auswanderungsfrage ganz ähnlich beurteilt wird. Ludwig Holländer schreibt darüber in seinem ausgezeichneten Abschiedsartikel in der G.-V.-Zeitung vom 29. Dezember 1933 unter dem Titel „Grundbegriffe der jüdischen Gegenwart": „Auswanderung. Gewiß nichts Neues! Maimonides hat darüber ein ausführliches Gutachten erstattet. Gewiß waren damals die Verhältnisse anders als heute gelagert. Aber die Gedanken, die Maimonides im allgemeinen äußerte, sind noch heute von Bedeutung, wenn sie z. B. in bezug auf das Beispiel der russischen Juden heute sogar in Einzelheiten noch zutreffend sind. Von Bedeutung ist dabei, mit welcher Schärfe schon damals Maimonides mit denen ins Gericht geht, die von oben her jeden als minderwertigen Juden kennzeichnen, der sich ihrer Ansicht nicht anschließt. Das könnte heute geschrieben sein. Das Entscheidende aber ist der Geist der Abhandlung: Wo nicht ein unbedingtes Erfordernis vorliegt, ist eine Auswanderung unzulässig." Von hohem Interesse für die Kenntnis der Soziologie des „Fremden", wenn auch nicht unmittelbar für die rein praktische deutsche Auswanderungsfrage, ist der Brief unseres Freundes Dr. Ernst Simon aus England, den er an die „Jüd. Rundschau" unter der Überschrift < The Jewish Church of England» über die Verhältnisse der nach England Ausgewanderten schreibt. Es heißt hier u. a.: „Die Hauptmasse der heutigen jüdischen Bevölkerung stammt aus der starken Einwanderung, die sich in den-Pogromen und Notjahren im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts nach England gewandt hat. Darauf beruht es, daß der englische Jude im Kern „Ostjude" ist und sich dieser Volkszugehörigkeit weit weniger schämt, als wir das von den entsprechenden Schien-, ten der zweiten oder dritten Generation in Deutschland gewöhnt sind. Man kann häufig, auch bei ganz anglisierten Engländern, eine starke Hinneigung zum Ostjudentum neben einer Antipathie gegen den deutschen Juden beobachten; diesem wird seine Volksfremdheit und Assimilierung zum Vorwurf gemacht. Das gilt nicht nur für „Whitechapel", den Sitz des englischen Ostjudentums erster Generation, sondern auch für London West, wo die Söhne und Enkel wohnen. Einige ausgesprochene Spitzenstellungen in der allgemeinen und jüdischen Gesellschaft werden allerdings von Abkömmlingen deutscher Juden eingenommen, die häufig nicht frei von den spezifischen Fehlern des deutschen assimilierten Judentums sind." Völlig anders liegt die iVuswanderung nach Palästina. Mit Recht wird in einer grundsätzlichen Behandlung dieser Frage in einer der letzten Nummern der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 103/4 vom 29. Dezember 1933, S. 1017: „Glaube und Heimat") daran erinnert, daß am Beginn der modernen zionistischen Bewegung die Zionsliebe, Chibbath-Zion, steht. Unter rein rationalen Erwägungen darf die Wanderungsbewegung der deutschen Juden ins heilige Land auf keinen Fall betrachtet werden. „Das, was die ersten Pioniere auf dem Boden Palästinas taten, und wovon sie glaubten, daß es der Beginn einer neuen Aera der jüdischen Geschichte sei, stand auf einem ganz anderen Boden als der übrige jüdische Wanderungsstrom. Man erstrebte ein jüdisches Palästina, man wünschte gewiß eine starke Einwanderung in dieses Land (die damals noch in weiter Ferne lag). aber man wurde nicht deshalb gerade dorthin geführt, weil die Lage des jüdischen Volkes unerträglich zu werden begann und man ein „Rezept" der Abhilfe ausprobieren wollte, sondern weil diese aktuelle Situation des jüdischen Volkes Anlaß dazu geworden war, daß die verborgenen Kräfte im Juden wach wurden und er zu den Quellen seiner Persönlichkeit, die in ihm schlumtl^i k-'^>^ . Sis, DAS PREISWÜRDICE MÜNCHNER TUCHHAUS SONNE NSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST