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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-12-15 · 24 (15.12.1933) · p. Seite 399

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
24 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
Seite 399 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 399 Der General stutzte. Irgendwas war ihm passiert, was er nicht begriff. Ich hatte den Strick, an dem er zog, plötzlich fahren lassen. Er fühlte sich am Boden. Zwar überkam ihn eine unbestimmte Empfindung, als ob nicht alles mit rechten Dingen zugehe, aber er fühlte sich entwaffnet. „Meinen sie wirklich?", sagte er. „Ja", sagte ich. — Er ritt nach seiner Unterkunft; und schrieb sein „befürwortet" unter das Gesuch zur Beförderung des Juden. Ich sage nicht, daß mit diesen Bemerkungen die Frage des jüdischen Offiziers oder des Juden als Offizier auch nur annähernd erschöpft oder erledigt sei; ich gebe diese Bemerkungen lediglich als urkundliche Eintragungen preis, da ich glaube, daß die beiden Tapferen damit am besten geehrt werden. über die Chanukkah-Melodie Von Dr. Nathan'Ehrenreich In den Akzenten der Bibelvorlesung und den mit ihnen zusammenhängenden Stammgebeten haben sich, wie die exakten, wissenschaftlichen Forschungen des bedeutenden jüdischen Musikgelehrten A. Z. Jdelsohn eindeutig ergaben, rein jüdische Bestandteile erhalten, deren Ursprung bis in die vorexilische Zeit zurückreicht. Die liedhaften, nicht rezitativischen Weisen des Synagogengesanges dagegen, die sich vor allem in den Vertonungen der religiösen Poesien (Piutim) vorfinden, sind zweifellos weit jüngeren Datums. Ihre musikalische Ausformung ist durch die außerjüdische Umwelt stark beeinflußt worden. Auch in Deutschland drangen während des Mittelalters weltliche und kirchliche Liedweisen in den Bezirk der synagogalen und häuslichen Musik der Juden ein. Ein geradezu klassisches Beispiel dafür liefert die Melodie zur Chanukkah-Hymne „Moaus zur j'schuossi". Die enge Verwandtschaft dieser vielgesungenen Weise mit altdeutschem Liedgut ist bereits mehrfach untersucht worden und „Eingeweihten" seit langem bekannt. Die beiden ersten, durch den fallenden und die folgenden ansteigenden Tonschritte (Quarten) besonders charakteristischen Takte stimmen notengetreu mit dem Anfange zweier Kirchenlieder des 16. Jahrhunderts überein; der weitere melodische Verlauf bis zur dritten Verszeile läßt zum mindesten eine Anlehnung an jene Vorbilder erkennen. Der eine dieser kirchlichen Gesänge („Nun freut euch liebe Christengmein", Wittenberg 1524) hat keinen geringeren als Martin Luther zum Verfasser; der andere („Freut euch, freut euch in dieser Zeit, ihr werten Christen alle") ist in einer Nürnberger Handschrift 1530 veröffentlicht. Die beiden Lieder sind jedoch nicht .etwa Originalkompositionen, sondern selbst Varianten einer noch älteren, verloren gegangenen Volksweise auf den Text: „So weiß ich eins, das mich erfreut, das plümlein auf preyter Heyde". Von diesem Volksliede nun, so muß man annehmen, stammt die Chanukkah-Melodie her. Den Kirchengesängen kann sie keinesfalls nachgebildet sein, da sie weit älter ist. Ihr Text entstand (nach Zunz) bereits im 13. Jahrhundert, die Melodie war schon um 1450 bei den Juden bekannt (Birnbaum: Vorbemerkung zur Chanukkah-Melodie). Da die Urfassung jenes Volksliedes nicht mehr zugänglich, ein Vergleich also, der entscheidenden Aufschluß geben könnte, nicht möglich ist, wäre es denkbar, die Moaus-zur-Weise als unser geistiges jüdisches Eigentum zu betrachten. Gegen diese Auffassung, die z. B. Kirschner („Uber mittelalterliche hebräische Poesien und ihre Singweisen") vertritt, spricht jedoch der allzu deutliche Gleichklang mit jenen deutschen Singweisen, der nicht auf einen Zufall zurückgeführt werden kann. Auch die ganze Struktur des Liedes, seine metrische Gliederung, sein melodischer Aufbau machen für jeden, der sich in Dingen der musikalischen Stilkunde auskennt, die deutsche Quelle offenkundig. Freilich fällt von der dritten Verszeile ab die Parallele zum Kirchenlied weg und die Chanukkah-Melodie geht ihren selbstständigen Weg. Hier darf man von einer eigenen jüdischen Weiterbildung sprechen, die allerdings nicht, wie sonst oft. im Sinne des traditionellen Synagogengesanges, sondern in stilisfscher Anlehnung an den gegebenen Ausgangspunkt erfolgt ist. Vielleicht geht man nicht fehl in der Annahme, daß die an dieser Stelle auftretenden ,hohen Töne" von einem Kantor dem die KOSTÜME . KLEIDER . M AMTE Ii. PELZE ursprüngliche Melodie zu einfach war, aus Gründen des Effekts eingelegt worden sind. Die Sängereitelkeit hat aber damit nichts verdorben, sondern im Gegenteil der Melodie zu einem Höhepunkte und zu ganz besonderem Schwünge verholfen. Übrigens hat das Chanukkah-Lied bis heute noch keine einheitlich feststehende Prägung erfahren. Die vierte Verszeile, der „Abgesang", wenn man so will, existiert in zwei deutlich voneinander abweichenden Fassungen. In Norddeutschland anscheinend ist eine mehr schlichte, natürliche Form verbreitet, die Frankfurter Tradition dagegen bevorzugt eine reicher figurierte Schlußwendung,, die durch Wiederholung noch in ihrer Wirkung gesteigert wird. Es läßt sich vermuten, daß die Chanukkah-Melodie auf ihrer langen Wanderung neben melodischer Umformung auch eine Veränderung ihres Grundtempos erfahren hat Während sie früher eher im Zeitmaß einer choralartigen Hymne gesungen worden sein mag, pflegt man sie heute fast im Marschrhythmus wiederzugeben. Dabei läßt sich nicht verhehlen, daß mit der übermäßigen Beschleunigung eine gewisse Trivialisierung Hand in Hand geht. Aber über alle Wandlung der Stile und Geschmacksrichtungen hinweg hat die Melodie ihren Wert uneingeschränkt erhalten. Ihre selbstbehauptende Kraft wirkte sich auch darin aus, daß sie allein sich durchgesetzt und alle anderen Kompositionen der „Moaus zur"-Dichtung verdrängt hat. So ist etwa eine schöne, edelgeformte Weise, die der italienische Komponist Benedetto Marcello (um 1700) in einem Vokalwerke verwendet hat, nicht durchgedrungen. Das Volk greift eben nicht immer zum Wertvollsten, sondern zu dem, was ihm gemäß ist. zum Einfachsten. Das Verbreitungsgebiet der Hymne ist im wesentlichen auf Westeuropa beschränkt geblieben. Im Osten spielt sie keineswegs die Rolle wie in Deutschland. Glaubwürdigen Berichten zufolge ist sie in manchen Gegenden dort völlig unbekannt geblieben. Es besteht vielmehr der Brauch, daß der östliche Kantor sich seinen „Moaus zur" selber komponiert, und zwar jedes Jahr einen neuen. Auch bei den orientalischen Juden scheint unsere Weise nicht eingeführt zu sein. Denn in dem hebräisch-orientalischen Melodienschatz von Idelsohn, der sechs verschiedene musikalische Kulturgebiete des jüdischen Orients umfaßt, läßt sich keine Andeutung von ihr finden. Daß die neue jüdische Musik der sogenannten „Nationalen Schule", die in ihren Tonschöpfungen ganz besonders das Folklore berücksichtigt, keine Notiz von ihr nimmt, hängt offensichtlich >V«;"' . , -\ N <vT s- ► DAS PREISWÜRDIGE! MÜNCHNER TUCHHAUS! SONNENSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST.j

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