Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 24 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- Seite 397 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung gegen den diese Zeit enthaltenden zweiten Band seines mächtigen (1921—1923 erschienenen) Werkes über „Ursprung und Anfänge des Christentums" nicht die gleichen schweren Bedenken erhoben worden sind wie gegen die anderen Teile dieses Werkes. Eduard Meyer war ein überragender Philologe und Historiker. Aber es war ihm nicht gegeben, seinen Stoff in ansprechender lesbarer Form zu gestalten; er ist der einzige von den wirklich ganz großen deutschen Historikern, dem diese künstlerische Gabe versagt blieb. In seiner Makkabäerdarstellung ist weder etwas zu spüren von der edlen und klaren Weite Rankes noch von dem' heißen Schwung Mommsens, weder von der lichten! Plastik Burckhardts noch von dem Pathos Treitschkes. Seine antisemitischen Ausfälle und Nebenbemerkungen ersetzen nicht die vermißte künstlerische beseelte Darstellungskunst, ganz abgesehen davon, daß zur Bewältigung einer solchen Aufgabe neben der sich von selbst verstehenden stofflichen und geistigen Beherrschung der Quellen und Methoden sowie der Kenntnis der bisherigen Forschung eine gewisse seelische Haltung hinzukommen mujß, die von der durchaus areligiösen, nüchternen und rationalistischen Art von Eduard Meyer ganz abseits ist. Auch die bekannten und viel benutzten theologischen Darstellungen von Wellhausen, Schürer und Schlatter sind von antijüdischen Affekten nicht frei; dasselbe gilt von den neueren, rein historischen Spezialarbeiten über das Thema von Laqueur, Willrich, Kolbe und Bickermann, deren Forschungsergebnisse im übrigen grundlegend bleiben. 'Die jüdischen neueren Werke über die Epoche stehen unter einem Unstern. Graetz besaß noch eine bewundernswerte intime Kenntnis aller vor 60 Jahren vorhandenen Quellen. Der zweite Band seiner großen „Geschichte der Juden" (erschienen 1875), vor allem mit seinen zwei gelehrten Exkursen über den historischen Wert des zweiten Makkabäer-Buches und über die sogenannten „Makkabäer-Psalmen" legen Zeugnis davon ab. Der umfassende Kommentar zu den beiden Makkabäer-Büchern von C. L. W. 'Grimm, von dem bis heute noch die sämtlichen vorhandenen Kommentare abhängig sind, war allerdings schon in den Jahren i853—57 erschienen. Aber durch Graetz bekommt man (abgesehen von seinem ewigen Moralisieren und seiner ununterbrochenen Entrüstung über die „Griechlinge") keine klare Anschauung der Zeit, weder über die äußeren Ereignisse noch über die außen- und innenpolitischen Hintergründe. Der zw/eite Band von Dubnow (Weltgeschichte des jüdischen Volkes), der die Hasmo- Ä WANNER & HECHT <^^ß HOF-SCHNEIDER DIENERSTRASSE 9/1 Die besten Anzüge und Mäntel von 198.— RM. an. näerzeit enthält, erschien 1925; aber die neueren Forschungen von Willrich, Kolbe usw., die wir oben kurz genannt haben, sind an ihm spurlos vorübergegangen. Seine Charakteristik der Quellen, besonders der zwei Makkabäer-Bücher in den §§ 37 und 39 des 2. Bandes beruhen weder auf innerer Vertrautheit der Texte noch auf Kenntnis der neuesten wissenschaftlichen Literatur; die Darstellung ist nicht durchsichtig und plastisch. Kastein hat sich in seinem bekannten Buch „Eine Geschichte der Juden" (1931) um die Schilderung der Begegnung zwischen Griechenland und Judaea sowie der Makkabäerkriege besonders bemüht und laut Empfindungen über die damalige „heroische Zeit" des Judentums geäußert, besonders über das Mindestmaß an Ehrerbietung, das man jedem Volk und jedem Befreiungskrieg zu geben bereit ist... wenn es sich nicht gerade um das jüdische Volk handelt (S. 168 f.). Aber eine selbständige historische Leistung liegt bei Kastein nicht vor, ebensowenig wie bei den kürzeren neueren Darstellungen jüdischer Geschichte, wie etwa bei der besten, der von Margolis—Marx (A history of the jewish People, Philadelphia 1927; p. 134 ff.). So kann man nur immer wieder die direkte Lektüre der Quellen empfehlen, am besten des ruhigen und klaren 1. Makkafoäerbuches, das ohne Fanatismus mit großer Liebe zum jüdischen Volk einfach erzählt wie es gewesen ist. — Im übrigen bleibt es über die mehr oder minder große Wichtigkeit der historischen Quellen hinaus bei dem folgenden Ergebnis, das wir aus dem Sieg des Gottes vom Zion durch den Arm von Juda Makkabi ziehen dürfen: Dieser Sieg ist in seiner geschichtlichen Wirkung und Symbolkraft nicht an seine konkrete Zeit und an den einmal vor Zeiten vollzogenen Ablauf der Ereignisse gebunden, sondern er ist für die gesamte Judenheit ohne Unterschied der Richtungen zum dauernden zeitlosen Vermächtnis und in den Chanuka- Lichtern am schlichtesten und wahrhaft zu unserem Herzen sprechend, zum ewigen Bild geworden. F. S. Orljansky & Co. MÜNCHEN . NEU HAUSER STRASSE 29 < - ': '; :•• :-!. das führende Spezialhaus für Elegante PelZtTIOdeil Größte Auswahl . Erstklassige Qualitäten . Bekannt billige Preise . Umarbeitung nach den neuesten Modellen