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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-10-15 · 20 (15.10.1933) · p. Seite 317

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
20 (15.10.1933)
Date
1933-10-15
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 317 Leider ist es auch mit Jungs Judentum sehr arg bestellt. Seine Großeltern, Juden aus dem badischen Gailingen, ließen sich in Palermo nieder und selbst seine Eltern — Jung ist über sechzig Jalire alt — waren noch Juden. Er selbst wurde aber nicht mehr ins Judentum aufgenommen, auch nicht mehr als Jude erzogen, er gehört dem Judentum überhaupt nicht an. In einem anderen Aufsatz des gleichen Blattes führt Bato den Nachweis, daß die italienische Presse der Judenpolitik Deutschlands ausdrücklich zustimmt, ja sogar schon einen „Numerus clausus" für die italienischen Juden bei der Verteilung von Ämtern und Würden gefordert hat! Auf der anderen Seite 'hat die italienische Judenschaft eine Hilfsaktion für die deutschen Juden unternommen, die von der dortigen Regierung vollständig gebilligt wird. Die italienischen Universitäten sind heute wohl die einzigen in Europa, die bereit sind, dem von den deutschen Hochschulen vertriebenen Studenten in weitem Maße Gastrecht zu gewähren. Doch trägt sich die italienische Regierung scheinbar mit der Absicht, für ausländische Mediziner eine Beschränkung der Zahl einzuführen, weil die Arbeitsplätze an den medizinischen Fakultäten beschränkt seien. In Wahrheit besteht wohl hauptsächlich die Besorgnis, daß von den in Italien studierenden Ausländern sich zu viele dort niederlassen würden. Es soll in Italien gegen 2000 erwerbslose Mediziner geben. Es wird notwendig sein, die aus Deutschland kommenden Studenten auf eine Anzahl von Hochschulen zu verteilen, um einer übermäßigen Ansammlung vorzubeugen. Aber ob die jungen jüdischen Mediziner dauernd in Italien werden bleiben können, ist noch durchaus ungewiß. Jüdische Familienforschung Ein Hinweis auf ein wichtiges und zeitgebotenes Gebiet Unsere Zeit bringt der Familienkunde und der Erbforschung gesteigerte Anteilnahme entgegen. 1788 hat der Göttinger Gelehrte Gatterer den Satz gewagt „Genealogie gab es eher unter den Menschen als Geschichte". In unserer Zeit hat der Historiker W. H. Riehl das Wort geprägt „... Eine Familienchronik sollte in jedem Bürgerhause, in welchem man lesen und schreiben kann, angelegt werden". Zu dem rein historischen Interesse hat sich in jüngster Zeit das naturwissenschaftliche der Erbforschung hinzugesellt. Aus der Kenntnis der Ahnen, ihrer Fähigkeiten und Berufe, ihrer Eigenschaften und Stellung, leitet der Geschulte heute vielfach wertvolle Schlüsse von praktischer Bedeutung ab. Bei den Juden stand die Familienforschung in allen Zeiten noch in Ehren. Die jüdische Gemeinschaft, stets um ihre Reinhaltung bemüht, war seit jeher von einem scharf geprägten Familiensinn erfüllt. Nur zeitweise — in Epochen, die gewollt oder ungewollt geschichtliche Bindungen lösten oder unterschätzten — schwand das Verständnis für familienkundliche Forschung. Der führende Forscher Dr. Wilhelm Karl Prinz von Isenburg weist bemerkenswerterweise in seiner Schrift „Genealogie als Lehrfach" (Leipzig, 1928) ausdrücklich auf das hohe Ansehen hin, in dem die Familie — wie bei fast sämtlichen, antiken Völkern — bei den Juden stand und er fährt wörtlich fort: „ . .. Bei den Hebräern war eine Art genealogischer Beamter tätig, der ihre Geschlechter aufzeichnen mußte". Namentliche Geschlechterfolgen sind ja auch vielfach und ausführlich in den biblischen Schriften aufgeführt. Die Tatsache, daß selbst die vielfach bedrückten Juden des deutschen Mittelalters den Sinn fürs Historische, für die Familienforschung zu bewahren gewußt haben, ergibt sich auch daraus, daß weit öfter, als im allgemeinen angenommen und gewußt wird, deutsch-jüdische Familien sich eigene Wappen schüfen und durch die Jahrhunderte überliefert haben. Es entspricht also altjüdischer Überlieferung, wenn auch bei uns in verstärktem Maß Familien- und Erb- -Forschung getrieben wird. Die „Gesellschaft für jüdische Familienkunde", deren „Mitteilungen" seit 1924 erscheinen, leistet hier bereits im Stillen wertvolle Arbeit. In diesen Monaten, in denen viele erst zu jüdischem Sein und jüdischer Geschichte zurückgefunden haben, hat mancher auch zum, ersten Male die Frage nach seinen Ahnen gestellt. Bei dem Suchen nach alten Familienurkunden und ihrem Studium stößt der forschende Nachkomme oft unvermutet auf unbekannt gebliebene Tatsachen, Geschehnisse und Urkunden, die nicht nur von rein historischem und menschlichem Interesse, sondern oft von durchaus praktischer Bedeutung für ihn sind. Zudem wird heute noch insbesondere vernehmlich der Ruf nach Erbforschung betrieben. So hat Dr. Nußbaum in Berlin auf einem Vortragsabend der „Wissenschaftlichen Vereinigung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen" dazu sich bemerkenswert geäußert, und zwar u. a. so: „ ... Gerade in der heutigen Zeit sei es unbedingt erforderlich, seine Familie, sowie seine Vorfahren zu kennen. Dies um so mehr, als fast alle Juden eine Berufsumschichtung nötig haben, bei der es wichtig ist, ob der neue Beruf dem Betreffenden entspricht. Kennt man die Erbanlagen seiner Familie, so könnte man dann sicherer die richtige Entscheidung treffen. ... An jedes Kind trete einmal die Berufswahl heran, die es zwinge, sich im Umkreis der Familie unizusehen ...". Schließlich darf noch ein Hinweis darauf am Platze sein, daß es heute besonders wichtig ist, nachzuweisen, ~KK%%,^ f-gte; ^vS*^ M< r<£ - tm^H^ iP^fti VJi X< \ ^f^^ jfrVtts^yZ'j.''.*--- *V>/ : S*'***.»-* V ■fextSSSS- ,">\iV^,~ se^l^^ssv yssK *J&V$ \'r*V. D A S PREISWÜRDIGE MÜNCHNER SONNENSTRASSE 8 IM TUCHHAUS PHÖBUSPALAST

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