Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 19 (1.10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr,. 19., Bayerische, Israelitische Gemeindezeitung 29& beten, sondern mn eine-Ansprache, ziu hören. Die jüdischliberalen Prediger Amerikas seien die beredtesten und hätten die größte Zuhörerschaft; er 'gebrauchte absichtlich das Wort Zuhörerschaft und nicht den Ausdruck Gemeinde. Wir haben, fuhr Rabbi Mark fort, das Gebetbuch redigiert, aber nicht viel erreicht. Revisionen von Gebetbüchern sind nicht von langer Dauer, ebenso wie Geldinflationen. Es kommt bald die Zeit, da die Revisionen wieder redigiert werden müssen. Aufgabe des liberalen Judentumsist es, die Menschen wieder -beten zu lehren.. Ein Mittel dazu ist, sie zu aktiverer Teilnahme am Gottesdienst zu veranlassen; häufig sitzen sie bloß da und hören einem bezahlten Chor zu. Die geistig hochstehendsten Vertreter des Judentums sollten sich zusammentun und ein Gebetbuch schaffen, das ihrem Empfinden Genüge "tut, in ihren Herzen einen Wider- Verband der Israelifischen Die Verbandsleitung hat in den letzten Tagen die Jahresrechnung für die Zeit vom 1. Januar 1932 bis 1. April 1933 — also für lM Jahr — an die sämtlichen israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz hinausgegeben. Es sind vorwiegend Zahlen. Aber diese Zahlen sprechen deutlich für die jüdische Not der Gegenwart, aber auch für das hilfreiche und darum gesegnete Werk des Verbandes. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß wir für das Jahr 1933/34 mit einer weiteren beträchtlichen Minderung der Einnahmen-Seite zu rechnen haben. (Der der Jahresrechnung beigegebene Voranschlag für 1933/34 bemißt diese nur auf 27 500 RM.) Dazu kommt noch, daß die seitherigen-'Staat szuschüsse — sie bezifferten sich im Berichtsjahre auf 11361,64 RM. — für die Folgezeit ausbleiben werden. Die Ausgabenseite der Jahresrechnung läßt wiederum das weitherzige philanthropische Wirken unseres Verbandes klar erkennen. Wir haben im Verbände den Hilferuf: „Rettet die absterbenden Landgemeinden!" nicht überhört und haben an leistungsschwache Gemeinden — ihre Zahl, unter ihnen auch Stadtgemeinden, erhöht sich von Jahr zu Jähr — für deren Beamte und Beamten-Hinterbliebenen 21952,45 RM. gegen 21239,28 RM. im Jahre 1931 verausgabt. Welche Fürsorge der Pfalzverband der Erteilung des Religionsunterrichts.zuwandte, das besagt die Ausgabe von 7216 RM. gegen 6299 RM. im Vorjahre. Kulturelle und soziale Lasten nahmen die Verbandskasse mit 18 711,65 RM. — gegen 12 365,55 RM. im Jahre 1931 — in Anspruch. 16 Stipendiaten, Studenten und Studentinnen, wurden seitens des Verbandes mit 2970 RM. Stipendien bedacht und die Wohltätigkeit des Verbandes äußerte sich in einer Hilfeleistung von 6918,55 RM. Mehr als 70 bedrängte Familien und alleinstehende Personen haben wir damit betreut und so manche Träne der Armut und Krankheit getrocknet. Viel Gutes hat damit der Verband im Stillen getan. Keiner unserer pfälzischen Glaubensgenossen hat sich, wenn unverschuldete Not .vorlag, vergeblich an den Verband gewandt und dabei sind wir immer dem altjüdischen Worte gefolgt: „Gib unverzüglich dem Bittenden und heiße ihn nicht, morgen zu kommen." Die Erhaltung und Pflege jüdischerFriedhöfe, namentlich dort, wo die vormaligen jüdischen Gemeinden sich aufgelöst haben und nur noch vereinzelte, oder gar keine Glaubensgenossen mehr wohnen, bildete auch im Jahre 1932 die ernste Sorge und eine umfassende Arbeit des engeren Vorstandes. - Der Verband der pfälzischen israelitischen Kultusgemeinden ist heute die einzige, aber auch die verlässigste Stütze des pfälzischen Judentums. Wie stünde es um die Erteilung des Religionsunterrichts in jenen entlegenen Landgemeinden, wo nur wenige Israeliten hall weckt. Von unserer Religion hat man gesagt, sie* beruhe auf drei Dingen: Thora (im weitesten Sinne des; Wortes), Akte der Wohltätigkeit und Gebet. Wir müssenj versuchen, den Menschen den Trost, die Hoffnung und den Mut wiederzugeben, die aus dem Gebet, das eine Zwiesprache mit "Gott ist, kommen.- In der anschließenden Aussprache erklärte ein Delegierter aus Deutschland, als die antisemitische Bewegung in Deutschland einsetzte, seien viele Juden zu ihm gekommen und hätten den Wunsch nach Teilnahme am Gottesdienst ausgedrückt; so habe man Gottesdienste nach traditionellen Richtlinien, jedoch in deutscher Sprache abzuhalten begonnen. Besonders die Jugend nehme an der religiösen Arbeit der Gemeinschaft aktiv teil. Kulfusgemeinden der Pfalz noch wohnen, wie traurig wäre es um die Beamten-Hinterbliebenen, um die Witwen jener Kultusbeamten bestellt, die keiner Pensionskasse angehörten, wenn der Verband nicht bestünde, der ihnen den nötigen Zehrpfennig darbietet! Der Jahresrechnung ist der Prüfungsbericht der von der Mitgliederversammlung bestellten beiden Revisoren beigegeben. In diesem Berichte heißt es u.a.: „Nur durch die mustergültige Leitung des Verbandes könnte es ermöglicht werden, den großen Anforderungen gerecht zu werden. Anläßlich einer Bar-Mizwoh-Feier am 9. September (Wochenabschnitt: Ki Sowoh) in der Synagoge zu Bad Dürkheim hielt Herr Stadtrat a.D. Ludwig Strauß folgende Ansprache, die einen tiefen Eindruck hinterließ: Bayerische Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns r. d. Rh. Sorgfältige und entgegenkommende Erledigung von Bankgeschäften aller Art Sparverkehr Verkauf von Gold-Pfandbriefen